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Plazentastörungen

Neu Wege zur Therapie

Erfolg in der Stammzellforschung: Eine Arbeit von Wissenschaftlern der Uni Bonn weist den Weg zur Erforschung menschlicher Fruchtbarkeitsstörungen.

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BONN. Einem internationalen Team von Forschern unter Leitung der Universität Bonn ist ein schwieriger Schritt in der Stammzellforschung geglückt: Die Wissenschaftler haben Bindegewebszellen der Maus in Stammzellen der Plazenta umgewandelt. Sie wollen nun mit ihrer Methode auch menschliche Plazentazellen züchten.

Sie hoffen, so Störungen der Plazenta-Bildung besser erforschen zu können, teilt die Universität Bonn mit. Diese seien ja ein wichtiger Grund für ungewollte Kinderlosigkeit (Cell Stem Cell 2015; online 24. September).

Nach ihrer Befruchtung beginnt die Eizelle sich zu teilen. Dabei bilden sich schon nach wenigen Tagen zwei völlig unterschiedliche Gewebetypen: der Trophoblast, aus dem später die Plazenta hervorgeht, und der Embryoblast, das werdende Kind. Strenge Kontrollmechanismen verhindern, dass sich Trophoblasten-Zellen in Embryonal-Zellen verwandeln - oder auch umgekehrt.

Diese strikte Trennung zu überwinden, gelte Stammzellforschern als besonders harte Nuss, berichtet die Universität Bonn in ihrer Mitteilung.

Die Forscher aus Bonn, Cambridge und San Sebastian hätten sie nun geknackt: Sie gaben zu Bindegewebszellen aus Mäusen einen Cocktail von vier verschiedenen Transkriptionsfaktoren. Transkriptionsfaktoren steuern die Aktivität bestimmter Gene und damit auch die Eigenschaften einer Zelle. Als Reaktion verwandelten sich die Bindegewebs-Zellen innerhalb weniger Tage in plazentale Stammzellen. Dadurch konnten die Forscher Plazenta-Gewebe im Labor züchten.

Entwicklungsstörungen der Plazenta besser erforschen

Professor Hubert Schorle vom Institut für Pathologie der Universität Bonn hofft nun, diese Ergebnisse auch auf menschliche Zellen übertragen zu können. "Bislang ist es nicht möglich, humane Plazenta-Stammzellen in Kultur zu nehmen", wird Schorle in der Mitteilung der Uni Bonn zitiert.

"Das ist aber die Voraussetzung dafür, Entwicklungsstörungen der Plazenta besser zu erforschen", ergänzt Caroline Kubaczka, die Erstautorin der Arbeit.

Mit der an der Maus getesteten Methode sollte es im Prinzip möglich sein, Hautzellen des Menschen in teilungsfähige Plazenta-Stammzellen umzuwandeln.

Langfristig könnte man auf diese Weise Ursachen für genetisch bedingte Komplikationen während der Schwangerschaft untersuchen. Das würde den Weg ebnen, um zum Beispiel neue Therapien gegen Störungen der Plazenta zu entwickeln, so die Uni Bonn.

Die Ergebnisse dieser Studie fließen in eine Stammzell-Datenbank am Harvard Stem Cell Institute ein, heißt es in der Mitteilung. Dort würden systematisch Experimente erfasst, in denen es um die Reprogrammierung von Zellen geht.

Die Datenbank bilde somit die Grundlage eines "biologischen Navigationssystems": Mithilfe der dort gesammelten Erkenntnisse werde man in Zukunft in der Lage sein, alle Zelltypen im Organismus gezielt in einen beliebigen anderen Zelltypus umwandeln zu können, hofft Schorle. "Mit Arbeiten wie unserer werden somit die Grundlagen für Therapien der regenerativen Medizin von morgen gelegt." (eb)

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