Erste Tests vielversprechend

Neuartiges Antibiotikum entdeckt

Im Kampf gegen multiresistente Keime gibt es neue Hoffnung: Forscher haben ein neuartiges Antibiotikum entdeckt. Der Wirkstoff verursacht nach ersten Tests keine Resistenzen, wie die Wissenschaftler berichten.

Veröffentlicht:

BONN. Forscher aus den USA, Großbritannien, des Universitätsklinikums Bonn und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) sind auf ein neuartiges Antibiotikum gestoßen, das nach ihrer Einschätzung über großes Potenzial verfügt (Nature 2015; 7. Januar).

Das neuartige Antibiotikum wird von einem Bodenbakterium produziert, dem die Forscher den Namen "Elefhtheria terrae" gegeben haben, und wird selbst als "Teixobactin" bezeichnet.

Für die Forscher ist Teixobactin ein vielversprechendes Antibiotikum, weil es gegen ein breites Spektrum von Krankheitserregern wirke und nach ersten Tests keine Resistenzen verursache, teilt die Uni Bonn zur Veröffentlichung der Studie mit.

"Wir könnten in eine Vor-Antibiotika-Ära zurück fallen, in der ohne neue Wirkstoffe bakterielle Infektionen nicht behandelbar sind. Die Resistenzen entwickeln sich deutlich schneller, als neue Antibiotika auf den Markt kommen", wird Privatdozentin Dr. Tanja Schneider zitiert.

Schneider leitet eine Nachwuchsgruppe des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn.

Allein an Infektionen mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) sterben pro Jahr schätzungsweise rund 25.000 Menschen weltweit.

Mühsame Suche nach neuen Wirkstoffen

Pilze und Bakterien produzieren bekannterweise Hemmstoffe, um mit anderen Mikroorganismen zu konkurrieren - darunter können neuartige Antibiotika sein. Auf der Suche nach solchen neuen, bisher unbekannten Antibiotika-produzierenden Organismen durchkämmen Wissenschaftler Ozeansedimente, Böden und sogar Tierexkremente.

"Die Suche ist mühsam, denn die Erfolgsquote einen wirklich neuen Wirkstoff zu finden, ist äußerst gering", berichtet Schneider in der Mitteilung.

Darüber hinaus lassen sich nur etwa ein Prozent der dafür in Frage kommenden Bakterien und Pilze auf herkömmlichen Nährmedien für Analysen kultivieren.

Mit einem speziellen Kultivierungsverfahren gelang es der internationalen Forschergruppe, dem auch das Team um Schneider angehört, bislang unerforschte und unkultivierbare Bodenbakterien im Labor zu isolieren, berichtet die Uni Bonn in ihrer Mitteilung.

Mit Screening-Verfahren hätten sie dann die gesuchte "Nadel im Heuhaufen" gefunden: Eines der unbekannten Bakterien produziert eine Substanz, die sich gegen ein weites Spektrum häufiger Gram-positiver Erreger als sehr wirksam erwies. Die Wissenschaftler nannten das Bakterium "Elefhtheria terrae" und das von ihm produzierte Antibiotikum "Teixobactin".

Weitere Tests ließen vermuten, dass es absehbar keine Resistenzen verursacht. "Es handelt sich um einen hochinteressanten Wirkstoff", sagt Schneider.

Angriff an der Achillesferse der Erreger

Die Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Uniklinikums Bonn, die auch zum Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gehören, entschlüsselten nun den Wirkmechanismus des neuen Bakterienhemmstoffs.

"Teixobactin setzt an der Achillesferse vieler Krankheitserreger an: Es hemmt die Synthese der Bakterienzellwand", wird Doktorandin Ina Engels in der Mitteilung zitiert.

Auch andere Antibiotika, etwa Vancomycin, verhindern ja den Aufbau der Bakterienwand. Allerdings blockieren diese Wirkstoffe die Synthese der schützenden Umhüllung an einem Angriffspunkt - es trifft wie eine einzelne Gewehrkugel. Teixobactin dagegen wirke wie ein Schrotschuss und attackiere an vielen Punkten den Harnisch der Bakterien.

Das erkläre auch, weshalb das neuartige Antibiotikum vermutlich keine Resistenzen verursacht: "Teixobactin greift an vielen entscheidenden Stellen in den Aufbau der Zellwand an und macht bakterielle Anpassungsstrategien nahezu unmöglich", sagt Schneider.

Das Bakteriengift hat sich als sehr effektiv erwiesen, berichtet die Uni Bonn. Doch lässt es sich auch beim Menschen einsetzen? Erste Untersuchungen an Mäusen hätten ergeben, dass Teixobactin ein vielversprechender Kandidat sei. "

Antibiotika mit neuem Wirkmechanismus sind ein Durchbruch für die Forschung", so Schneider. Doch Verträglichkeit und Wirksamkeit beim Menschen müssen für Teixobactin erst noch in klinischen Tests erwiesen werden. (eb)

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Stiftung Lebensblicke

Darmkrebs bei jungen Menschen: Entwarnung für Deutschland

Lesetipps
Eine kalorienarme, pflanzenbasierte Kost für mehrere Tage am Stück pro Monat kann Patienten und Patientinnen mit Morbus Crohn bei der Remission helfen.

© rh2010 / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: In nur fünf Tagen per Diät zur Remission?