WAS LESER SAGEN

"Neudeutsch" - was soll überhaupt diese Floskel?

In einem Bericht der "Ärzte Zeitung" (101, 2008, 2) wurden "Brustschmerzzentren, neudeutsch Chest Pain Units" vorgestellt. Ein Leser moniert einen Fehler und spricht sich zurecht gegen unnötige Anglizismen aus.

Von Eberhardt Schmidt Veröffentlicht:

"Den Königsweg dahin scheinen hoch spezialisierte Brustschmerzzentren zu sein, neudeutsch Chest Pain Units (CPU)." Den Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Handelt es sich hier um "neudeutsche" Grammatik? Ganz normale Grammatik klingt wahrscheinlich zu altertümlich. Und was soll überhaupt diese Floskel "neudeutsch"? Man tut etwas süffisant und hat alle bedient - von den solchen Übernahmen und der Verhunzung unserer Sprache kritisch Gegenüberstehenden bis zu denen, die "neudeutsch" sogar als Lob empfinden. Aber man hat den Begriff lanciert und ein Stück gefestigt, statt ihn zu kritisieren und etwas Besseres vorzuschlagen.

Kann mir irgendjemand sagen, welchen Sinn es haben soll, in unserem Land für deutsch sprechende Patienten und deutsch sprechende Ärzte alles Neue mit englischen Namen zu versehen? Was ist schlecht an dem Wort Brustschmerzzentrum? Zu einfach? Zu verständlich? Wozu diese schon bald nicht mehr schleichende, sondern galoppierende Flucht aus der eigenen Sprache? Wem soll das dienen? Der Vorbereitung auf die große Sprachumstellung? Dem Eindruck der Weltläufigkeit? Dem Verständnis der 1 oder 2% englischsprachigen Patienten in unseren Kliniken? Oder der Eitelkeit (ich bin ja so kosmopolitisch und international) mancher Leute? Auf jeden Fall dient es nicht den 99% Deutsch sprechenden Patienten und Ärzten in unseren Kliniken. Und es zeugt im besten Fall von wenig Fantasie, Kreativität und Loyalität der eigenen Sprache gegenüber, im schlechtesten Fall von - das lasse ich lieber weg.

Dr. Eberhard Schmidt aus Bamberg kommentierte Online

Mehr zum Thema

Forschung am Modell

Mikroplastik kann Zellmembranen schädigen

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Dr. Thomas Fischbach

© Jocelyne Naujoks / ÄKNo

Interview

BVKJ-Präsident Fischbach: Wir erwarten eine klare Perspektive von der STIKO

Ein 15-Jähriger erhält beim Hausarzt seine erste Corona-Impfung. Derzeit empfiehlt die STIKO die Impfung nur für Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen. (Archivbild)

© Oliver Berg / dpa / picture alliance

Beschlussvorlage

Spahns Ministerium will mehr Impfangebote für Jugendliche

COVID-19-Patienten auf einer Intensivstation (Archivbild): Um die Auslastung der Kliniken besser einschätzen zu können, schlägt die Deutsche Krankenhausgesellschaft einen Indikatorenmix vor, der neben der Inzidenz die Hospitalisierungsrate, Impfquoten und Teststrategien berücksichtigt.

© Waltraud Grubitzsch / dpa / picture alliance

Infektionsgeschehen

DKG legt neues Pandemie-Warnkonzept vor