Opioide

Neue Generation von Schmerzmitteln in der Entwicklung

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BERLIN. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Zuse-Instituts Berlin haben eine neue Generation von Analgetika entwickelt.

Mit Hilfe von Computersimulationen haben sie neue Opioide entworfen, die ausschließlich an der Stelle der Verletzung oder Entzündung wirken, berichtet die Charité.

Damit könnten typische Nebenwirkungen von herkömmlichen Opioiden im Gehirn oder Darm vermieden werden. Die beiden Substanzen auf Basis von Fentanyl wurden erfolgreich in vorklinischen Experimenten getestet (PAIN 2018; online 2. Juli und Sci Rep 2018; online 12. Juni).

Die Ausgangshypothese war, dass in verletztem oder entzündetem Gewebe eine verstärkte Interaktion zwischen Opioidagonisten und Opioidrezeptoren stattfindet. Die Computersimulationen ließen darauf schließen, dass die in entzündetem Gewebe vorliegende erhöhte Konzentration von Protonen der Grund dafür ist.

Dadurch ist der pH-Wert niedriger als im gesunden Gewebe – die Folge ist eine Ansäuerung. Um Opioidrezeptoren zu aktivieren, ist eine Protonierung von bindungsfähigen Opioidmolekülen notwendig.

Die Forscher haben die zwei Substanzen daraufhin so gestaltet, dass sie lediglich in entzündeter Umgebung protoniert sind und die Rezeptoren allein am Ort der Gewebeverletzung oder Entzündung aktivieren, jedoch nicht im Gehirn oder Darm.

Komplikationen reduzieren

"Unsere innovative Entwicklungsmethode liefert eine solide Grundlage für eine neue Generation von Schmerzmedikamenten", wird Professor Christoph Stein von der Charité in der Mitteilung zitiert.

"Solche Medikamente könnten die riskanten Nebenwirkungen von bisherigen Opioiden verhindern und damit Komplikationen reduzieren. Zusätzlich würden sie einen Beitrag zur Bewältigung der Opioid-Krise, wie sie vor allem in den USA zu beobachten ist, leisten."

Die Forscher möchten die entworfenen Substanzen nun so weiterentwickeln, dass sie Patienten zugutekommen.

Darüber hinaus möchten sie die molekularen Grundlagen der komplexen Interaktionen in entzündetem Gewebe noch besser verstehen, um weitere Erkenntnisse zur Optimierung von Opioiden ableiten zu können.

Idealerweise lassen sich diese dann auch für andere Medikamente, zum Beispiel zur Behandlung von Hypertonie-Patienten, nutzen. (eb)

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