Magen-Darmkrankheiten

Neue Indikationen für die Eradikation von H. pylori

Die Empfehlungen zu den diagnostischen, therapeutischen und präventiven Strategien bei Helicobacterpylori-Infektionen hat die European Helicobacter pylori Study Group (EHSG) im vergangenen Jahr aktualisiert und als Maastricht-3-Konsensus zusammengefaßt. Im wesentlichen werden diese Empfehlungen nach Einschätzung von EHSG-Mitglied Professor Peter Malfertheiner von der Universitätsklinik Magdeburg auch in den deutschen Leitlinien, die im Laufe dieses Jahres veröffentlicht werden sollen, berücksichtigt. Eine neue Indikation zur Eradikation ist etwa die Eisenmangelanämie unklarer Ursache bei H.p.-positiven Kindern.

Veröffentlicht: 20.03.2006, 08:00 Uhr

Neu im Maastricht-3-Konsensus ist, daß Patienten mit nicht-abgeklärten dyspeptischen Beschwerden, wenn sie keine Alarmsymptome aufweisen, mit einem nicht-invasiven Test wie dem 13C-Harnstoff-Atemtest oder dem Stuhlantigentest auf eine H.p.-Infektion untersucht werden sollten. Bei positivem Befund erhalten sie dann eine Eradikationstherapie.

Diese "Test-and Treat"-Strategie ist mindestens so gut wie der endoskopische Nachweis, sagte Malfertheiner im Gespräch mit "Forschung und Praxis": "Es gibt mehr als zwölf Studien, die alle das gleiche belegt haben." Diese Tests sind für Patienten weniger belastend und auch billiger als der endoskopische Nachweis, werden allerdings von den Krankenkassen nicht bezahlt, so der Gastroenterologe.

Die EHSG-Experten haben sich darauf geeinigt, daß eine nicht-invasive Testung berechtigt ist, wenn die H.p.-Prävalenz in der Bevölkerung mindestens 20 Prozent beträgt - und dies sei in Deutschland der Fall, sagte Malfertheiner. Bei niedrigerer Prävalenz erhalte man zu viele falsch positive Ergebnisse, so daß dann zu viele Patienten umsonst therapiert werden.

Soll getestet werden, so ist es wichtig, bei Patienten, die einen Protonenpumpenhemmer (PPI) einnehmen, diese Therapie 14 Tage zuvor abzusetzen. Wird der Test zur Therapiekontrolle genutzt, sollte er erst vier Wochen nach Ende der Eradikationsbehandlung erfolgen, um valide Ergebnisse zu erhalten.

Im Konsensus präzisiert wurde auch die Wahl der Eradikationstherapie. Als Erstlinien-Therapie über sieben Tage wird die Tripletherapie bestehend aus PPI in Standarddosierung plus Amoxicillin plus Clarithromycin empfohlen - sofern die Prävalenz Clarithromycin-resistenter Keime unter 20 Prozent liegt. Eine Alternative ist die Tripletherapie aus PPI plus Clarithromycin plus Metronidazol.

Wenn die Keim-Eradikation damit nicht gelingt, ist die Vierfachkombination (PPI, Wismut, Metronidazol plus Tetracyclin) die Therapie der Wahl. Hierbei ist eine vorherige Endoskopie mit Keimisolierung und Resistenztestung nicht erforderlich, wie Malfertheiner betont hat. Erst wenn diese Zweitlinien-Therapie erfolglos ist, sollte eine Resistenztestung erfolgen und der Antibiotika-Cocktail dann entsprechend zusammengestellt werden.

Im Konsensus wird zudem betont, daß H.p. der Hauptrisikofaktor für Magenkrebs (Nicht-Kardia-Karzinome) ist. Durch Eradikation kann die Entwicklung von Präneoplasien wie atrophische Gastritis oder intestinale Metaplasie verhindert oder gestoppt und so einem Magen-Ca vorgebeugt werden. Dies ist besonders für Risikopatienten, etwa Familienangehörigen von Magenkrebs-Patienten, wichtig.

Außer bei den etablierten Indikationen - peptische Ulkuskrankheit, niedriggradiges MALT-Lymphom, atrophische Gastritis und Zustand nach partieller Magenresektion - raten die Experten auch zur Eradikation

  • bei H.p.-positiven Patienten mit idiopathischer Thrombozytopenie, wenn andere Ursachen für die Erkrankung ausgeschlossen sind. Nach Eradikation kam es in Studien zu einem signifikanten Anstieg der Thrombozytenzahlen bei der Hälfte der Patienten;
  • bei H.p.-positiven Kindern mit Eisenmangelanämie unklarer Ursache. Hier kann mit der Eradikation die durch den Keim gestörte Eisenresorption wieder gesteigert werden. (mar)
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