Umgang mit Smartphone, Tablet & Co.

Neue S2k-Leitlinie: Die Kleinsten sollten bildschirmfrei bleiben

Eine neue Leitlinie gibt Empfehlungen zum Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen. Unter neun Jahren sollten sie höchstens 45 Minuten am Tag vor dem Bildschirm sitzen, unter drei Jahren gar nicht.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Kinder mit Tablet. Zwischen sechs und neun Jahren sollten sie höchstens 45 Minuten daddeln.

Kinder mit Tablet. Zwischen sechs und neun Jahren sollten sie höchstens 45 Minuten daddeln.

© Maria Diachenko / Westend61 / picture alliance

Witten. Kleinkinder, die mit dem Smartphone und dem Tablet beruhigt oder bei Laune gehalten werden, sind keine Seltenheit. Einen Gefallen tun die Eltern oder andere Aufsichtspersonen den Kleinen damit nicht. Nach einer neuen Leitlinie sollten Kinder unter drei Jahren überhaupt keine Zeit vor einem Bildschirm verbringen. Und: Sie sollten auch anderen möglichst selten bei der Nutzung von Bildschirmmedien zusehen. Deshalb, so die Empfehlung, sollten Eltern, wenn nötig, ein Gerät möglichst dann nutzen, wenn das Baby oder Kleinkind nicht in der Nähe ist.

Die S2K-Leitlinie „Zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“ ist von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Universität Witten/Herdecke (UW/H) veröffentlicht worden. An der Erstellung beteiligt waren eine Reihe von Fachgesellschaften und Berufsverbänden sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Sand- oder Stoppuhr laufen lassen

Ziel der Leitlinie ist es, Familien im Alltag zu unterstützen und ihnen Orientierung für den Umgang mit Bildschirmmedien zu geben. Deshalb verbinden die Autorinnen und Autoren ihre altersgestaffelten Empfehlungen immer mit konkreten Tipps für die Umsetzung.

Bei Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren sollte die Bildschirmzeit auf 30 Minuten am Tag begrenzt werden, zudem sollte es bildschirmfreie Tage gebe. Die Kinder sollten nicht allein vor dem Bildschirm sitzen. Damit die Zeit nicht in Vergessenheit gerät, sollte während der Bildschirmnutzung eine Sand- oder Stoppuhr laufen. Helfen kann auch eine Zeitbegrenzungssoftware, die dafür sorgt, dass sich das Gerät von selbst ausstellt.

Für Kinder, die zwischen sechs und neun Jahre alt sind, hält die Leitlinie maximal 30 bis 45 Minuten außerhalb der Nutzung für die Hausaufgaben für sinnvoll. Die Eltern sollten darauf achten, ob das Kind Hausaufgaben macht oder das Gerät für etwas anderes nutzt. Die Experten empfehlen, die Freizeitnutzung auf einzelne Tage zu beschränken, um es nicht zur Gewohnheit werden zu lassen.

Spielkonsolen wegschließen

Vor dem Alter von neun Jahren sollten Kinder laut der Leitlinie keine Spielekonsole erhalten. Die Begründung: Kinder mit eigenen Geräten verbringen im Schnitt doppelt so viel Zeit mit Computerspielen wie Kinder ohne eigene Spielkonsole. Zudem haben Eltern weniger Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten. Sie sollten Spielkonsolen in geschlossenen Schränken verwahren, so der Rat.

In der Leitlinie, die es in einer Lang- und einer Kurzvision gibt, finden Eltern, aber auch Ärztinnen und Ärzte sowie andere Interessierte auch Empfehlungen zum Thema, die Kinder und Jugendliche in jedem Alter betreffen:

  • Kinder bei ihrem Medienkonsum begleiten und sie danach fragen, was sie machen und wie es auf sie wirkt. Sorgen über das Medienverhalten sollten die Eltern ansprechen. Sie sollten möglichst gemeinsam mit den Kindern Filme anschauen oder Computerspiele spielen.
  • Bildschirmmedien eignen sich nicht als Belohnung, Bestrafung oder Beruhigung. Lieber den Kindern etwas vormachen oder erklären.
  • Beim Essen sollten Bildschirmmedien ausgeschaltet sein.
  • Eltern sollten Vorbilder sein und selbst nicht ständig aufs Handy schauen.

Obwohl viele gesundheitliche Risiken übermäßigen Medienkonsums bei Kindern bekannt seien, werde noch viel zu wenig über Präventionsmaßnahmen gesprochen, auch in der Medizin, sagt Professor David Martin, Inhaber des Lehrstuhls für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin an der UW/H. „Wenn wir einem übermäßigen Medienkonsum in Kindheit und Jugend vorbeugen, können wir einen wichtigen Beitrag für eine gesunde seelische, geistige und körperliche Entwicklung leisten.“

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