Kolorektales Karzinom/Darmkrebs

Neue Strategien gegen Darmkrebs

Bei Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom werden neue Therapien getestet. Als erfolgreich hat sich etwa die Addition von Erlotinib zu Bevacizumab als Erhaltungstherapie nach Bevacizumab-haltiger Induktionstherapie erwiesen.

Von Doris Berger Veröffentlicht:
Elektronenmikroskopische Aufnahme der Kolonmukosa bei einem Darmkrebs-Patienten.

Elektronenmikroskopische Aufnahme der Kolonmukosa bei einem Darmkrebs-Patienten.

© St. Gschmeissner / SPL / Agentur Focus

CHICAGO. Die Prognose von Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom (mCRC) ist nach wie vor schlecht.

Nur etwa elf Prozent der Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom leben median länger als fünf Jahre. Derzeit wird eine Reihe von Substanzen geprüft.

Die Addition von Erlotinib zu Bevacizumab als Erhaltungstherapie führt nach einer Bevacizumab-haltigen Induktionstherapie bei Patienten mit inoperablem fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom in der First-Line zu einem signifikant besseren progressionsfreien Überleben.

Dies zeigen die Ergebnisse der DREAM-Studie, die Professor Christophe Tournigand vom Hôpital Saint-Antoine in Paris auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorstellte.

Die Patienten hatten nach einer erfolgreichen Induktionstherapie mit Bevacizumab in Kombination mit FOLFOX, XELOX oder FOLFIRI randomisiert entweder eine Erhaltungstherapie nur mit Bevacizumab (7,5 mg/kg q3w) oder Bevacizumab in gleicher Dosierung in Kombination mit Erlotinib (150 mg/Tag kontinuierlich) erhalten.

Insgesamt waren 446 Patienten mit der Erhaltungstherapie behandelt worden. Das mediane progressionsfreie Überleben war mit 4,6 Monaten signifikant kürzer unter der Monotherapie mit Bevacizumab als im Kombinationsarm mit 5,8 Monaten.

Obgleich die Patienten unter der zusätzlichen Gabe von Erlotinib häufiger unter Diarrhöen vom Grad 3/4 oder höhergradigen Hauttoxizitäten zu leiden hatten, beurteilte Tournigand die Verträglichkeit der Kombination im Allgemeinen als gut.

Gute Ergebnisse auch mit Regorafenib

Interessant war auch eine Phase-III-Studie mit dem oralen Multi-Kinase-Inhibitor Regorafenib. In der CORRECT-Studie hat sich diese Substanz bei intensiv vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem kolorektalen Karzinom als effektiv und gut verträglich erwiesen.

Die Patienten, die unter der letzten Standardtherapie oder innerhalb von drei Monaten danach einen Progress erlebten, erhielten Best Supportive Care sowie 2:1 randomisiert entweder Regorafenib (160 mg einmal täglich, Tag 1-21 eines 28-Tage-Zykluses) oder Placebo.

Das Gesamtüberleben - primärer Endpunkt der Studie - war bei den Patienten im Regorafenib-Arm signifikant besser. Die Patienten überlebten unter der Therapie mit Regorafenib median 6,4 Monate im Vergleich zu nur fünf Monate unter Placebo.

Die gute Wirksamkeit spiegelte sich auch im besseren progressionsfreien Überleben wider. Die Ansprechrate lag bei etwa 40 Prozent.

Darüber hinaus zeige die Subgruppenanalyse, dass dieses Ergebnis unabhängig vom KRAS-Status sei, erklärte Professor Erik Van Cutsem vom Cancer Institute am University Hospital Gasthuisberg in Leuven/Belgien, der die Studiendaten präsentierte.

Studiendaten zu Perifosin enttäuschend

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen unter der Behandlung mit Regorafenib waren Hand-Fuß-Syndrom, (16,6 Prozent), Fatigue (9,6 Prozent), Hypertension (7,2 Prozent) und Diarrhö (7,2 Prozent).

Enttäuschend hingegen waren die Daten zu Perifosin. Das synthetische Alkylphospholipid inhibiert oder modifiziert verschiedene Signalttransduktionswege, darunter AKT, NFkB and JNK.

Nachdem in einer Phase-II-Studie Hinweise auf ein besseres medianes Gesamtüberleben gefunden worden waren, hatten Dr. Johanna C. Bendell vom Sarah Cannon Research Institute in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee und seine Kollegen die Substanz in einer Phase-III-Studie in Kombination mit Capecitabin ebenfalls bei stark vortherapierten Patienten mit fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom untersucht. Allerdings hatten sich in beiden Behandlungsarmen keine Unterschiede ergeben.

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