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„Furchtextinktion“

Neuer Ansatz zur Angsttherapie nach Traumata

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MAINZ. Traumatische Erfahrungen können sich ja tief in das Gedächtnis eingraben. Wie sich eine daraus entstandene Furcht langfristig reduzieren lässt und wie es nach Traumatisierung gar nicht erst zu einer dauerhaften Belastungsstörung kommt, darauf haben Forscher der Universitätsmedizin Mainz jetzt neue Hinweise gefunden: Der Schlüssel liege in neuen, positiven und fest im Gedächtnis verankerten Erfahrungen („Furchtextinktion“), berichtet die Universität.

„Wir wissen schon ganz gut, welche neuralen Prozesse wichtig sind, um zu lernen, dass von einem gefürchteten Reiz gar keine Gefahr mehr ausgeht. Neuere Forschungen haben jedoch gezeigt, dass es sehr wichtig ist, sich auch später noch gut an solche Lernerfahrungen erinnern zu können. Denn nur so gelingt es, nicht immer und immer wieder in unnötige Angstreaktionen zu verfallen und somit resilient gegenüber einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu sein“, wird Dr. Anna Gerlicher, Erstautorin der Studie, in der Mitteilung der Universitätsmedizin Mainz zitiert. „Wir haben uns in unserer neuesten Studie daher ganz auf die Frage fokussiert, wie es nach einem solchen ‚Extinktionslernen‘ zur Verfestigung des Erlernten in unserem Gedächtnis kommt.“

Das Team um Professor Raffael Kalisch, Leiter des Neuroimaging Center der Universitätsmedizin Mainz, fand heraus, dass die Gehirne ihrer Versuchspersonen während einer Extinktionslernerfahrung bestimmte Aktivierungsmuster aufwiesen, die nach dem Lernen in einer Ruhephase spontan wieder auftraten (Nature Comm 2018; 9:4294). Je häufiger diese Spontanreaktivierungen erfolgten, desto besser konnten sich die Probanden an einem anderen Versuchstag an ihre positive Erfahrung erinnern und desto geringer waren ihre Angstreaktionen auf Auslösereize.

Dass die gedächtnisrelevanten Aktivitätsmuster durch den auch als „Belohnungshormon“ bekannten Neurotransmitter Dopamin unterstützt werden, war eine weitere neue Erkenntnis der Forscher. „Besonders faszinierend war für uns, dass wir durch Gabe eines handelsüblichen Medikaments, das in den Hirnstoffwechsel eingreift und zu einer Erhöhung des Dopaminspiegels im Gehirn führt, die Anzahl der Reaktivierungen erhöhen und somit im selben Maße spätere Angstreaktionen verringern konnten.

Dies brachte folgende neue Erkenntnis: Das Gedächtnis für Extinktionslernen lässt sich, zumindest im Labor, relativ einfach verstärken – und zwar ganz ohne Übung oder Gedächtnistraining“, so Kalisch. Die Wissenschaftler sehen in ihren Befunden Potenzial für neue Einsichten in grundlegende Mechanismen der Gedächtnisbildung sowie für mögliche neue Ansätze zur Verbesserung der Traumatherapie. (eb/ikr)

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