Welt-Malaria-Tag

Neuer Malaria-Erreger beim Menschen entdeckt

Ein rätselhafter Malaria-Ausbruch in Südbrasilien zwischen 2015 und 2016 wurde auf Infektionen mit P. simium zurückgeführt. Es sind die ersten sicher dokumentierten Übertragungen der Plasmodien-Art auf den Menschen.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Per Lichtmikroskop wurde der Erreger zunächst fälschlicherweise als Plasmodium vivax identifiziert.

Per Lichtmikroskop wurde der Erreger zunächst fälschlicherweise als Plasmodium vivax identifiziert.

© jarun011 / stock.adobe.com

BERLIN. Als humanpathogene Malaria-Erreger waren bisher fünf Plasmodium-Arten als klinisch relevant bekannt: P. falciparum (das ist die gefährlichste Erkrankungsform, die Malaria tropica verursacht), P. vivax und P. ovale (die eine eher milde Malaria tertiana auslösen, wobei P. ovale im Grunde genommen mit P. ovale curtisi und P. ovale wallikeri zwei Spezies beinhaltet), P. malariae (das ebenfalls eine meist milde Form, die Malaria quartana, verursacht) sowie P. knowlesi (das ist die durch komplizierte Verläufe gekennzeichnete Knowlesi-Malaria hervorruft).

WHO-Ziel ist gefährdet

Wie Professor Martin Haditsch beim 19. Forum für Reisen und Gesundheit in Berlin bemerkte, könnte es allerdings eine 6. humanpathogene Plasmodium-Art geben. "Ende 2017 berichteten Wissenschaftler von mehr als zwei Dutzend Malaria tertiana-Fällen in Süden Brasiliens, bei denen sich die Erkrankungen auf Infektionen mit dem bis dato nur von Affen bekannten Plasmodium simium zurückführen ließen." Dies seien die ersten bekannten Übertragungen von P. simium auf den Menschen (Lancet 2017; 5:e1038–46), sagte Haditsch.

  • Am 25. April findet der von der WHO ins Leben gerufene Welt-Malaria-Tag statt.

  • 1200 Menschen täglich starben 2016 an der Infektionskrankheit – 445.000 im gesamten Jahr.

  • Seit 2013 stagniert die Zahl der Todesfälle auf diesem Niveau. Allerdings hat die Zahl der Infektionen zugenommen:

  • In 91 Ländern stieg die Zahl der Malaria-Infizierten gegenüber dem Vorjahr um fünf Millionen auf insgesamt 216 Millionen.

Keiner der in Brasilien Infizierten hatte eine Reise unternommen, alle mussten sich daher in ihrer Wohnumgebung infiziert haben. Dort hatte es allerdings seit 50 Jahren keine autochthonen Malaria-Fälle mehr gegeben. Es stellte sich heraus, dass alle Patienten die Mata Atlântica, einen Regenwald an der Ostküste Brasiliens, besucht hatten.

Lichtmikroskopische Untersuchungen identifizierten zunächst als Erreger P. vivax, genetische Untersuchungen wiesen allerdings schließlich P. simium nach. Diese Plasmodium-Art wurde erstmals 1951 in Neuweltaffen nachgewiesen, deren Verbreitungsgebiet sich auf die Mata Atlântica beschränkt.

Die Infektion verlief relativ mild, kein Patient musste stationär aufgenommen werden. Bei allen konnte die Infektion mit Chloroquin oder Primaquin erfolgreich behandelt werden.

"Der Nachweis einer möglicherweise sechsten humanpathogenen Art ist ein großes Problem", sagte Haditsch. Eine neue Art könnte das Ziel der Weltgesundheitsorganisation, die Malaria bis zum Jahr 2030 auszurotten, zusätzlich gefährden.

Zunahme von Resistenzen

Probleme bei der Eliminierung der Malaria bereitet maßgeblich allerdings die zunehmende Entwicklung von Resistenzen gegenüber Malaria-Medikamenten. "Leider sind die Gebiete, in denen die meisten Unempfindlichkeiten vorkommen, auch die Gebiete, in denen die Überträgermücken gegen die meisten Insektizide resistent sind", so Haditsch.

Mittlerweile ist in nahezu allen Teilen der Welt der Erreger P. falciparum unempfindlich gegenüber Chloroquin, und auch P. vivax weist bereits in einigen Ländern eine entsprechende Resistenz auf. Aus diesem Grund sollte Chloroquin generell nicht mehr zur Prophylaxe oder Therapie eingesetzt werden. Eine Resistenz von P. falciparum gegenüber Mefloquin wurde aus einigen Ländern Südostasiens, Westafrikas sowie Südamerikas berichtet.

In den südostasiatischen Ländern Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam sowie der südchinesischen Provinz Yunnan meldet das Centrum für Reisemedizin CRM eine zunehmende Unempfindlichkeit von P. falciparum gegenüber Artemisinen und damit einhergehend auch mit den Partnersubstanzen in der Kombinationstherapie.

"Myanmar ist das Land mit der höchsten Zahl an MalariaInfektionen", berichtete Haditsch in Berlin. Komme es hier zum signifikanten Auftreten von Resistenzen gegen Artemisinen, würden sich diese mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter nach Indien und darüber hinaus nach Afrika ausbreiten.

Zur Notfallselbsttherapie ist in Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam sowie der Provinz Yunnan Angaben des CRM zufolge Atovaquon / Proguanil die einzig verlässliche Option. Bei P. ovale, P. malariae und P. knowlesi geht das CRM von einer bestehenden Empfindsamkeit gegenüber allen gängigen Malariamitteln aus, allein für P. malariae sei eine Chloroquin-Resistenz auf Sumatra nachgewiesen worden.

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