Direkt zum Inhaltsbereich

Neues Antidepressivum bessert rasch den Schlaf, ohne zu sedieren

BERLIN (ugr). Depressive Patienten klagen über zum Teil massive Schlafstörungen. Antidepressiva, die schlafanstoßend wirken, führen jedoch oftmals zu ausgeprägter Tagesmüdigkeit und erheblicher Gewichtszunahme. Mit dem neuen Melatonin-Agonist Agomelatin gibt es bald eine neue Therapieoption für Depressive. Die Substanz normalisiert die gestörte Schlafarchitektur, ohne zu sedieren.

Veröffentlicht:

Bei Agomelatin handelt es sich um das erste melatonerge Antidepressivum. Der Melatonin-Agonist reguliert den Schlafrhythmus über die MT1- und MT2-Rezeptoren im Nucleus suprachiasmaticus, dem Sitz der Inneren Uhr. Daten zu dem neuen Mediakament hat jetzt Professor Göran Hajak aus Regensburg beim Psychiatrie-Kongreß in Berlin vorgestellt.

So hätten klinische Studien mit 4 600 Patienten eine ähnlich gute Wirksamkeit wie moderne Antidepressiva ergeben, sagt Hajak auf einer Veranstaltung von Servier. Im Gegensatz zu einigen anderen Antidepressiva sei es jedoch zu keiner signifikanten Gewichtszunahme oder Beeinträchtigungen der Sexualfunktion gekommen.

Die Wirksamkeit der Substanz sei in mehren Studien belegt worden. An einer der Studien nahmen 344 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Depression teil. Sie hatten einen Wert auf der Hamilton-Depressions-Skala (HAM-D) von 25 Punkten. Nach achtwöchiger Behandlung lag der HAM-D-Wert mit Agomelatin durchschnittlich bei 13,1 Punkten, mit Paroxetin bei 14,1 und mit Placebo bei 16,1 Punkten. Der Unterschied zwischen Agomelatin und Placebo war statistisch signifikant.

In einer anderen Studie erhielten über 150 Patienten entweder Agomelatin oder Placebo. Zu Therapiebeginn lag der HAM-D-Wert im Schnitt bei 28 Punkten. Nach sechs Wochen Therapie war er mit Agomelatin auf 14,4 und mit Placebo auf 17,3 Punkte gefallen.

In Studien konnten die Patienten mit Agomelatin-Therapie auch wieder besser einschlafen. Schlafunterbrechungen nahmen schon in der ersten Woche ab und der Tiefschlaf besserte sich, der REM-Schlaf wurde dagegen nicht beeinflußt. In einer Untersuchung bekamen 322 Patienten initial 25 mg/Tag Agomelatin oder 75 mg/Tag Venlafaxin; die Dosis konnte in der Folgezeit verdoppelt werden.

Gegen die Depression waren beide Substanzen ähnlich wirksam, jedoch besserte sich die Schlafqualität mit Agomelatin nicht nur schneller, sie war auch stärker ausgeprägt als bei Venlafaxin, sagte Hajak. Schon nach zwei Wochen Behandlung habe es signifikante Unterschiede zugunsten von Agomelatin gegeben.

Ebenso verhielt es sich bei der Bewertung der Tagesstimmung; mit der neuen Substanz traten deutlich seltener unerwünschte Wirkungen wie Kopfschmerz oder Übelkeit auf. Aussagekräftige Daten, ob die Patienten mit Agomelatin tagsüber tatsächlich munterer waren, liegen derzeit jedoch noch nicht vor. Mit einer Zulassung von Agomelatin für die Behandlung bei Depressionen wird in etwa zwei Jahren gerechnet.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Risikofaktoren im Blick

So spüren Sie eine Post-Stroke-Depression auf

Robert Koch-Institut

Fast jeder dritte Erwachsene hört schlecht

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Plötzliche Niesanfälle bringen Mann in Lebensgefahr

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin

Lesetipps
Illustration eines molekularen Modells von Messenger RNA.

© Dr_Microbe / Getty Images / iStock

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Eine Ärztin tropft Allergielösung auf den präparierten Unterarm einer Patientin für den Pricktest.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Steigende Prävalenz

Allergiediagnostik: Dos und Don’ts für die Hausarztpraxis

Eine Thrombose in einem Gefäß

© freshidea / stock.adobe.com

ASS und P2Y12-Inhibitoren

So geht die Plättchenhemmer-Therapie in der Praxis!