Neues Antimykotikum bei invasiven, schwierigen Mykosen wirksam

BERLIN (grue). Seit Oktober gibt es ein neues Antimykotikum zur Therapie bei schwerer invasiver Pilzinfektion. Der Wirkstoff Posaconazol hilft auch Patienten mit invasiven Mykosen, denen die Standardtherapie nicht geholfen hat.

Veröffentlicht:

Posaconazol (Noxafil®) ist ein Triazol und chemisch verwandt mit Itraconazol und Voriconazol. Es habe aber im Vergleich mit diesen Substanzen ein breiteres Wirkspektrum. Das berichtete Professor Raoul Herbrecht aus Straßburg bei einer Veranstaltung von Essex Pharma in Berlin.

In einer offenen Zulassungsstudie wurde Posaconazol bei 600 Patienten mit therapierefraktärer invasiver Aspergillose und anderen Mykosen geprüft. Auf die Therapie sprachen 42 Prozent an, verglichen mit 26 Prozent in einer externen Kontrollgruppe. Patienten dieser Gruppe hatten eine Standardtherapie mit Amphotericin B, liposomalem Amphotericin B oder Itraconazol erhalten.

Auch die mittlere Überlebenszeit war mit Posaconazol signifikant länger (164 Tage versus 71 Tage). Dabei wirkte das Medikament nicht nur gegen den am häufigsten diagnostizierten Pilz Aspergillus fumigatus, sondern auch gegen andere Aspergillen und gegen Fusarien.

Wie Herbrecht berichtete, sind solche neu aufkommenden Infektionserreger besonders gefährlich, weil sie sich rasch im Körper ausbreiten. Außerdem sind die Erreger gegen viele Standardmedikamente resistent. Fusarien sind nach Aspergillen die am zweithäufigsten diagnostizieren Schimmelpilze und kommen zum Beispiel bei immunsupprimierten Patienten mit akuter Leukämie, zytotoxischer Therapie und Neutropenie vor.

Eine Datenanalyse von 84 Patienten mit Fusariose bei malignen hämatologischen Erkrankungen ergab eine Überlebensrate von nur 21 Prozent nach 90 Tagen. "Es ist deshalb besonders erfreulich, daß Posaconazol auch bei Patienten mit disseminierter Erkrankung gut wirkt", sagte Herbrecht. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen des Medikaments seien Kopfschmerzen und Übelkeit (jeweils unter zehn Prozent). Gastrointestinale Beschwerden seien selten, so Herbrecht.

Posaconazol wird als orale Suspension in einer Dosierung von 400 mg zweimal täglich zusammen mit Nahrung oder mit einer Nahrungsergänzung eingenommen. Posaconazol ist außer bei invasiver Aspergillose auch zugelassen zur Therapie von Patienten mit Fusariose, Kokkzidiose und therapierefraktärem Myzetom, wenn andere Antimykotika nicht vertragen werden oder unzureichend wirken.

Mehr zum Thema

Kommentar zu Folgen nach Borrelien-Infektion

Verworren verwirrende Krankheitsbilder

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: Was bringen Digitoxin und Vericiguat?

US-Analyse

Was Bewegung bei diesen sieben Krebsarten bringt

Lesetipps
Der Arzt bereitet die epidurale Injektion vor.

© karrastock / stock.adobe.com

Kontroverse um epidurale Injektionen

Spritzen an der Wirbelsäule: Welche Empfehlungen jetzt für die Praxis gelten