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Neues Dialyseverfahren kann Leber bei Organversagen retten

NEU-ISENBURG (ner). Akutes Leberversagen, etwa aufgrund einer Intoxikation oder bei chronischer Virushepatitis, verläuft oft letal. Mit einer relativ neuen Dialyse-Technik zur Entgiftung des Körpers kann vielen Menschen das Leben gerettet und das Organ erhalten werden. Für manche ist sie eine Alternative zur Lebertransplantation.

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Wenn Hepatologen heute von MARS® sprechen, meinen sie sehr irdische Dinge: das Akronym steht für Molecular Adsorbents Recirculating System. Es unterscheidet sich von herkömmlichen Dialyse-Systemen dadurch, daß es außer wasserlösliche auch Albumin-gebundene Toxine aus dem Blut entfernen kann.

Denn die meisten für das Leberversagen relevanten Gifte sind an Albumin gebunden. Toxin-beladenes Blut wird in das extrakorporale Dialysegerät geleitet und strömt in Hohlfasern an einer Spezialmembran entlang, auf deren anderer Seite sich ein Albumin-Dialysat mit freien Bindungsstellen für die Toxine vorbeibewegt. Das Dialysat nimmt die Giftstoffe auf.

Dagegen bleiben wichtige große Moleküle wie Hormone, Wachstums- und Gerinnungsfaktoren oder eben Albumin dort wo sie hingehören: im Körper. Das ist sehr wichtig. Denn Albumin ist nach Angaben von Dr. Rajiv Jalan vom Institute of Hepatology vom University College of London in Großbritannien wahrscheinlich das wichtigste Molekül im Entgiftungsprozeß des Körpers.

Bei Leberversagen ist die Albumin-Produktion gehemmt, ebenso die Fähigkeit des Moleküls, Toxine zu transportieren. Durch den Dialyse-Prozeß stehen dem Organismus wieder vermehrt Transporter für weitere Giftstoffe zur Verfügung. Außerdem entfernt das Dialyse-System vasoaktive Substanzen wie gefäßrelaxierendes Stickstoffmonoxid. Dies gilt als Ursache für den signifikanten Anstieg des Gefäßwiderstandes und des Blutdrucks unter der Dialyse. Die Durchblutung von Leber, Hirn und Nieren sowie die Herzfunktion bessern sich daher.

Eindrucksvoll sei der Effekt von MARS® bei hepatischer Enzephalopathie, so Jalan bei einem Symposium des Forum Leberdialyse e.V. (FLD) in Rostock. In tierexperimentellen Studien sank der intrakranielle Druck signifikant. Grund dafür ist wahrscheinlich eine Modifikation der Blut-Hirn-Schranke durch die Therapie, so daß das Hirnödem abschwellen kann. Zudem werden Substanzen aus dem Blut entfernt, die an der Pathogenese der hepatischen Enzephalopathie beteiligt sind, etwa Tryptophan, GABA oder endogene Benzodiazepine.

In klinischen Studien konnte die Sterblichkeitsrate von Patienten mit hepatorenalem Syndrom von 100 Prozent (Kontrollgruppe) auf 63 Pro- zent gesenkt werden (Tag 7), berichten Dr. Roger Williams und seine Kollegen aus London (IJBCB 35, 2003, 1306). In einer weiteren Studie bei Patienten mit akuter Alkohol-bedingter Hepatitis sank die Mortalitätsrate um die Hälfte (3-Monats-Überleben).

Und in Finnland konnten vier von fünf Patienten mit Paracetamol-Vergiftung durch die frühe Dialyse gerettet werden, ohne daß eine Lebertransplantation erforderlich war (Acta Anaesthesiol Scand 47, 2003, 1145). Für derzeit laufende große Multicenter-Studien werden ähnliche Ergebnisse erwartet.

Weitere Infos im Internet unter: www.forum-leberdialyse.de



STICHWORT

Leberversagen

Die Leber kann sowohl aufgrund einer chronischen Erkrankung, aber auch ohne Grunderkrankung akut ihren Dienst versagen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Organismus, speziell auf die Blutzirkulation sowie die Nieren- und Hirnfunktion. Häufige Ursachen des Leberversagens sind:

- chronische Virushepatitis - Zirrhose - Alkohol-bedingte Lebererkrankung - Medikamenten-Überdosierung und andere Vergiftungen (ner)

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