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Neurobefunde schon nach zwei Minuten

"Grob neurologisch o.p.B.!" - Das ist häufig in Überweisungs-, Entlassungsbriefen Aktennotizenund Visitenprotokollen zu lesen. Doch was bedeutet eigentlich diese allen bekannte Formel? Wie aussagekräftig ist sie?

Von Stefan Käshammer Veröffentlicht:
Im Neurodiagnostik-Alltag kommt es auf die richtige Reihenfolge an: Am Anfang stehen schnelle Tests, etwa auf Reflexe.

Im Neurodiagnostik-Alltag kommt es auf die richtige Reihenfolge an: Am Anfang stehen schnelle Tests, etwa auf Reflexe.

© Klaus Eppele / fotolia.com

DÜSSELDORF. Im zunehmend verdichteten klinischen Alltag ist gerade für junge Kollegen die Versuchung groß, Patienten nach knapper Inspektion und kurzem Reflex-Check für klinisch-neurologisch unauffällig zu erklären und sich bezüglich der Details auf EEG, CT und MRT zu verlassen.

Das sei nachvollziehbar, aber dennoch falsch, meinte Professor Matthias Sitzer, Leiter der Neurologie am Klinikum Herford beim Medica-Kongress in Düsseldorf.

"Die Zusatzdiagnostik inklusive der neuesten High-End-Bildgebung dient dazu, die klinische Verdachtsdiagnose zu erhärten und zu bestätigen. Nicht umgekehrt! Gerade bei einer medizinischen High-Tech-Veranstaltung wie der Medica sollten wir uns immer wieder daran erinnern, die richtige Reihenfolge einzuhalten", so Sitzer.

Hightech statt schnelle Tests?

Es sei keine Seltenheit, dass ein Patient seit Tagen auf einer neurologischen Station liegt, per CT und MRT durchuntersucht wurde, aber noch von keinem Arzt aus dem Bett gebeten wurde, um sein Gangbild zu demonstrieren.

Schnelle Tests, etwa der Sehnenreflexe, pathologischer Reflexe, des Gleichgewichtssystems, des Gangbildes, des Muskeltonus, der Augenfolgebewegungen sowie des Berührungs- und Vibrationsempfindens ließen sich ohne weiteres in 2 bis 3 Minuten erheben.

Zudem seien klinische Skalen wie die Glasgow Coma Scale oder die Parkinson-Skala nach Hoehn und Yahr zur differenzierten Beurteilung der Patienten nützlich.

Was Sitzer zu bedenken gibt: Ist im klinischen Alltag von heute eine solch intensive Beschäftigung mit dem Patienten noch zu leisten? Ist es nicht tatsächlich effizienter, die klinische Befunderhebung an Bildgebung und Funktionsdiagnostik zu delegieren?

Unnötige Zusatzuntersuchungen vermeiden

"Diese Fragen können wir in Zeiten der Ökonomisierung nicht ignorieren und müssen einen realistischen Standpunkt dazu finden", plädiert Sitzer.

Sein Fazit lautet trotz Zeitdruck und Ökonomisierung: Eine gestraffte, aber konsequente klinisch-neurologische Untersuchung ist fast immer zeitlich machbar und erlaubt durchaus die Feststellung "...grob neurologisch o.p.B."

Bei Auffälligkeiten ist so zumindest eine erste Einordnung des Patienten möglich. Dann sollte ein Neurologe sowohl in die Planung des weiteren Vorgehens als auch in die Auswahl der notwendigen Zusatzdiagnostik einbezogen werden.

So könnten unnötige und häufig teure Zusatzuntersuchungen bei vielen Patienten vermieden werden. Das komme dem Wohl der Patienten zugute und sei nicht zuletzt ökonomisch sinnvoll.

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