Rückenschmerzen

"Nicht immer gleich unters Messer!"

Zu wenige Patienten mit Rückenschmerzen erhalten sanfte Medizin, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie.

Veröffentlicht: 16.09.2013, 13:13 Uhr

BERLIN. In Deutschland ist die Zahl der Wirbelsäulenoperationen in den letzten Jahren stark gestiegen.

Allein zwischen 2005 und 2011 hat sich die Zahl dieser Eingriffe von 97.000 auf 229.000 mehr als verdoppelt, heißt es in einer Mitteilung vorab zum Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU). Die Ursache seien finanzielle Anreize des Gesundheitssystems.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) beunruhige diese Entwicklung: Zu viele Patienten würden operiert, noch bevor konservative Behandlungen etwa mit Physio- oder Schmerztherapie ausgeschöpft wurden.

Mit der Zahl wirbelsäulenchirurgischer Abteilungen in Krankenhäusern steige auch die Zahl operativer Eingriffe am Rücken. Gleichzeitig nehme die personelle und finanzielle Kapazität von Stationen der konservativ-orthopädischen Akutversorgung ab.

"Mangelversorgung in der Manuellen Medizin"

"Die schlechte Honorierung niedergelassener, nicht-operativ tätiger Orthopäden und Unfallchirurgen führt dazu, dass die konservative Versorgung von Wirbelsäulenpatienten sich immer mehr reduziert.

So entstand in den letzten Jahren eine Mangelversorgung in der Manuellen Medizin", wird Dr. Matthias Psczolla, Facharzt für Orthopädie und für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Manuelle Medizin/Chirotherapie und Spezielle Schmerztherapie, zitiert.

Dabei forderten die Patienten zunehmend, dass ihnen Ärzte vor einer Operation die risikoärmeren konservativen Verfahren anbieten.

Um diesem Wunsch gerecht zu werden und Methoden wie die Manuelle Medizin, Osteopathie, medikamentöse Schmerztherapie und Physiotherapie stärker in die Behandlung orthopädischer Erkrankungen zurückzuholen, hat sich vor zehn Jahren die Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer Akut-Kliniken (ANOA) gegründet.

Interdisziplinäre Diagnostik gefordert

Die Kliniken dieses Verbundes haben sich auf konservative Heilmethoden bei orthopädischen Erkrankungen spezialisiert. Sie setzten sich bereits erfolgreich dafür ein, dass das Fallpauschalensystem auch diese sanften Methoden angemessen honoriert. Denn Kalkulationen ergaben, dass ohne die Kooperation von Kliniken diese Behandlungsform nicht mehr finanzierbar gewesen wäre.

"Jede Behandlung sollte auf einer umfangreichen und interdisziplinären Diagnose basieren", fordert Psczolla, Chefarzt und Geschäftsführer der Loreley-Kliniken, Oberwesel, die bereits Mitglied des ANOA-Verbundes sind. "Auf keinen Fall sollte - wie es leider noch zu häufig geschieht - aufgrund eines Befundes operiert werden, der sich allein auf bildgebende Verfahren stützt."

"Patienten mit chronischen Rückenschmerzen sollte ein Team aus Orthopäden und Unfallchirurgen, Neurologen, Psychologen und Physiotherapeuten zur Verfügung stehen", wird Professor Bernd Kladny , Präsident der DGOOC und Kongresspräsident des DKOU, in der Mitteilung zitiert.

"Obwohl mittlerweile bereits 21 Kliniken zum ANOA-Verbund zählen, ist der Bedarf durch die Zunahme muskuloskeletaler Erkrankungen jedoch weiterhin nicht gedeckt." (eb)

Der DKOU 2013 findet statt vom 22. bis 25. Oktober in Berlin, Messegelände Süd, www.dkou.org

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