Direkt zum Inhaltsbereich

Pertussis-Impfung

Nicht nur Schwangere profitieren

Im dritten Monat kann eine Impfung gegen Pertussis bei Säuglingen bereits zu spät kommen. Die Durchimpfung der Schwangeren ist ein gutes Gegenmittel, zeigt eine Studie jetzt.

Veröffentlicht:
Von einer Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft profitiert nicht nur die Mutter

Von einer Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft profitiert nicht nur die Mutter

© Mathias Ernert, Arztpraxis Dr. Peter Schmidt

LONDON. Gegen Pertussis werden Säuglinge in den meisten Ländern ab dem dritten Monat geimpft, mitunter kommt die Impfung dann aber bereits zu spät. Dies zeigte sich im Jahr 2012, als der Keuchhusten in Großbritannien zunächst unter Erwachsenen grassierte, dann aber auch zunehmend die noch ungeimpften Neugeborenen befiel.

In kurzer Zeit vervielfachte sich die Zahl der erkrankten und in Kliniken behandelten Neugeborenen, sodass die britischen Behörden im Oktober 2012 ein Notimpfprogramm ins Leben riefen:

Nun sollten sich möglichst auch alle Frauen in der 28. bis 38. Schwangerschaftswoche der Immunisierung unterziehen, in der Hoffnung, dass ihre Kinder kurz nach der Geburt gegen den Erreger geschützt sind.

Diese Hoffnung hat sich offenbar erfüllt, berichtet ein Team um Gayatri Amirthalingam von den britischen Gesundheitsbehörden in London (Lancet 2014; 384: 1521-28).

Für die Notimpfung stand den Behörden die Kombivakzine Repevax (Pertussis, Tetanus, Diphtherie, Polio) in größeren Mengen zur Verfügung.

Daten von knapp 26.700 Müttern

Die britischen Forscher schauten nun anhand von Gesundheits- und Meldedaten sowie Laborbefunden, welche Auswirkungen die Impfung der werdenden Mütter auf die Erkrankungsraten und die Schutzwirkung der Vakzine hatten.

So konnten die Wissenschaftler Angaben zu knapp 26.700 Müttern auswerten, die zwischen Oktober 2012 und September 2013 lebende Kinder zur Welt gebracht hatten.

Von diesen hatten sich im Schnitt 64 Prozent impfen lassen, am höchsten war die Bereitschaft unmittelbar zu Beginn des Programms (78 Prozent), danach flaute sie sukzessive ab.

In einem ähnlichen Maße, wie die Durchimpfung der Schwangeren voranschritt, nahm die Zahl der landesweit erfassten und im Labor bestätigten Pertussis-Fälle bei Kindern unter drei Monaten ab.

Deren Zahl lag vor Beginn der Epidemie im Jahr 2011 noch bei 118 Kindern, stieg dann im Epidemiejahr auf 328 und fiel im Folgejahr auf 72 zurück - eine Reduktion um 78 Prozent.

Ähnlich stark ging im selben Zeitraum die Zahl der Klinikeinweisungen in dieser Altersgruppe zurück (von 440 auf 140). Starben 2012 noch zehn Neugeborene an Pertussis, so waren es 2013 nur noch zwei.

Ein ähnlich dramatischer Effekt war bei älteren Kindern und Erwachsenen nicht zu beobachten, bei ihnen ging die Zahl der im Labor bestätigten Infektionen im Jahr 2013 lediglich um etwa ein Drittel zurück.

90-prozentige Schutzwirkung

Als nächstes schauten sich die Forscher den Impfstatus der Mütter von 88 Kindern mit bestätigter Keuchhusteninfektion bis zum dritten Monat genauer an. Von diesen waren 76 nicht geimpft worden.

Daraus berechnete das Team um Amirthalingam eine Schutzwirkung von 90 Prozent. Auf einen Wert von 91 Prozent kamen sie, wenn nur die 82 Kinder mit einer Infektion in den ersten beiden Lebensmonaten berücksichtigt wurden.

Was lässt sich nun aus diesen Daten schließen? Die Pertussis-Impfung von Schwangeren wird zwar bereits in einigen Ländern wie den USA, Neuseeland und Belgien empfohlen, bisher gab es aber kaum zuverlässige Daten zur Schutzwirkung der Vakzine nach der Geburt der Kinder.

Diese Lücken konnten die Forscher um Amirthalingam nun schließen. In vielen Ländern dürfte jedoch weiter diskutiert werden, ob sich die Immunisierung Schwangerer auch dann lohnt, wenn gerade keine besondere Pertussis-Aktivität vorliegt.

Die Impfraten unter den Schwangeren in den wenigen Ländern mit einer Empfehlung für die pränatale Pertussis-Impfung sind zudem recht dürftig, heißt es in einem Kommentar zur der Studie. Offenbar fällt es ohne konkrete Gefahr schwer, werdende Mütter von der Impfung zu überzeugen.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), Frauen im gebärfähigen Alter gegen Pertussis zu Impfen, sofern in den letzten 10 Jahren keine solche Impfung dokumentiert wurde.Erfolgt die Impfung nicht vor der Konzeption, sollte die Mutter in den ersten Tagen nach der Geburt des Kindes immunisiert werden. (mut)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kommentar: Pertussis-Schutz beachten!

Mehr zum Thema

Orientierung für die Impfpraxis

Impfen bei Immundefizienz: Worauf es ankommt

Das könnte Sie auch interessieren
Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

© imran kadir photography | Getty Images

Impfskepsis in der Praxis

Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

© SrdjanPav | Getty Images

Impfkommunikation

„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neurodivergenz

ADHS in der Hausarztpraxis: Hinweise für die Diagnostik

Intoxikationen

Pilzvergiftungen: Was ist für Hausärzte relevant?

Lesetipps
Smartphones mit Gemini und Chat-GBT

© Lorenzo Di Cola | NurPhoto / picture alliance

Künstliche Intelligenz

Warum die KI eine Hausärztin fälschlicherweise für tot erklärte

Eine ältere Frau stützt ihr Gesicht mit ihren Händen ab.

© Alexey Klementiev / photos.com

Risikofaktoren im Blick

So spüren Sie eine Post-Stroke-Depression auf

Modell eines Menschen mit Kopfschmerzen.

© Ezar / stock.adobe.com / Generated with AI

Viral bedingte Hirnentzündung

Virologe: „Das Bornavirus ist unser neues Tollwutvirus“