Glykämischer Index

Niedriger GI wird bei Diäten überschätzt

Diäten, bei denen auf einen niedrigen glykämischen Index (GI) geachtet werden muss, sind weit verbreitet. Neue Daten von US-Forschern stellen den Nutzen dieser Methode jetzt aber in Frage.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Auf einen niedrigen glykämischen Index zu achten, bringt bei gesunden Menschen nicht unbedingt Vorteile mit sich.

Auf einen niedrigen glykämischen Index zu achten, bringt bei gesunden Menschen nicht unbedingt Vorteile mit sich.

© Robyn Mackenzie/photos.com

BOSTON. Der glykämische Index eines Lebensmittels beschreibt, wie stark der Blutzucker in den zwei Stunden nach Verzehr von 50 g der enthaltenen Kohlenhydrate (KH) ansteigt.

So hat zum Beispiel eine Banane bei gleichem KH-Gehalt wie ein Apfel einen höheren GI. Der höchste Wert von 100 wird durch die Zufuhr von 50 g reiner Glukose erreicht.

Ob die Absenkung des GI im Hinblick auf die Entstehung von Diabetes und KHK von Nutzen ist, wird kontrovers diskutiert. Auch klinische Studien haben unterschiedliche Antworten geliefert.

Da in den Studien zusammen mit dem GI oft auch andere Ernährungskomponenten wie KH- und Ballaststoffanteil variierten, haben Ärzte der Harvard School of Public Health in Boston die Effekte des GI jetzt unter stärker standardisierten Bedingungen überprüft (JAMA 2014; 312(23): 2531-2541).

Ihre Erwartung, auf diese Weise den Vorteil einer Diät mit niedrigem GI zeigen zu können, erfüllte sich allerdings nicht. Weder Insulinsensitivität noch Cholesterinwerte oder systolischer Blutdruck verbesserten sich. Lediglich die Triglyzeridspiegel gingen leicht zurück.

163 übergewichtige Erwachsene

An der Studie waren 163 übergewichtige Erwachsene ohne Diabetes und KHK beteiligt. Sie erhielten randomisiert und in einem Cross-over-Design vier verschiedene herzgesunde Diäten mit vorgefertigten Mahlzeiten:

1. hoher GI (≥ 65 auf der Glukose-Skala) + hoher KH-Gehalt (58 Prozent aller Kalorien), 2. niedriger GI (≥ 40 auf der Glukose-Skala) + hoher KH-Gehalt, 3. hoher GI + niedriger KH-Gehalt (40 Prozent aller Kalorien), 4. niedriger GI + niedriger KH-Gehalt. Nach jeweils fünf Wochen wurden Insulinsensitivität, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyzeride und systolischer Blutdruck gemessen.

Bei KH-reicher Diät wurden durch den niedrigeren GI nur zwei dieser Parameter verändert, überraschenderweise zum Negativen: Die Insulinsensitivität nahm ab (-20 Prozent, von 8,9 auf 7,1 Einheiten) und der LDL-Wert erhöhte sich (+6 Prozent, von 139 auf 147 mg / dl).

Bei KH-armer Ernährung änderte sich in Abhängigkeit vom glykämischen Index sogar nur ein einziger Parameter. Hier war die Absenkung des GI mit einem Rückgang der Triglyzeride verbunden (-5 Prozent, von 91 auf 86 m / dl).

Nicht auf Typ-2-Diabetiker übertragbar

Ernährten sich die Probanden KH-arm und mit niedrigem GI statt KH-reich und mit hohem GI, schlug sich das ebenfalls nur im Triglyzeridspiegel nieder, in diesem Fall mit einer Reduktion von 23 Przent (von 111 auf 86 mg / dl).

"Im Zusammenhang mit einer gesunden Ernährung nach dem DASH-Vorbild scheint die Auswahl von Lebensmitteln nach ihrem glykämischen Index weder kardiovaskuläre Risikofaktoren noch die Insulinsensitivität positiv zu verändern", fassen die Studienautoren um Frank M. Sachs ihre Ergebnisse zusammen.

Sie machen aber auch deutlich, dass sie den fehlenden Nutzen nicht speziellen Aspekten der DASH-Diät zuschreiben.

Auch auf der Basis eines "normalen" Ernährungsverhaltens habe sich in mehreren europäischen Studien kein Vorteil eines niedrigen GI auf die untersuchten Parameter zeigen lassen.

Sachs et al. betonen allerdings, dass die Ergebnisse der Studie nicht auf Typ-2-Diabetiker übertragen werden könnten.

Für diese Patientengruppe seien in zwei Metaanalysen blutzuckersenkende Effekte einer Niedrig-GI-Diät berichtet worden.

Lesen Sie dazu auch: Kommentar zum GI: Apfel gleich Banane

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