E-Zigarette

Nur Umstieg statt Ausstieg?

Die E-Zigarette ist heiß umstritten. Für die einen bietet sie einen Weg aus der Sucht. Andere sehen die Gefahr, dass sie angesichts einer geschickten Werbung und des geschmacklich gut abgestimmten Rauchkomforts zur „Re-Normalisierung“ des Rauchens führen könnte.

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MÜNCHEN. „Auch wenn E-Zigaretten als weniger schädlich eingestuft werden als Tabakzigaretten, so gibt es genügend Beweise für eine Schädlichkeit“, sagte Dr. Alexander Rupp, Pneumologe aus Stuttgart, beim DGP-Kongress in München.

Dafür sprächen viele Studien an Zellkulturen, Tieren und Menschen. Danach verstärken E-Zigaretten die Inflammation, den oxidativen Stress und die Proteasenaktivität. Außerdem stören sie die Barrierefunktion und die Lungenentwicklung und fördern bronchiale Hyperreagibilität und Emphysembildung.

Auch gibt es keine Langzeitdaten zur Sicherheit. „Ein nicht unschädliches Produkt sollte bei gut untersuchten und unbedenklicheren Alternativen von ärztlicher und wissenschaftlicher Seite nicht gefördert werden“, so Rupp.

Der Nikotingehalt von Zigaretten wurde in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesteigert mit der Folge, dass es Rauchern immer schwerer fällt, ihren Tabakkonsum zu beenden. Und da stellt sich die Frage, ob E-Zigaretten einen sinnvollen Weg aus der Sucht bieten. In einer randomisierten Studie wurde erstmals der Effekt von E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung untersucht (N Engl J Med 2019; 380: 629-637).

Die Raucher bekamen über drei Monate eine von ihnen präferierte Nikotinersatztherapie oder eine wiederauffüllbare Zweitgenerations-E-Zigarette. Außerdem erhielten alle eine intensive Begleittherapie mit wöchentlichen Therapiesitzungen über mindestens vier Wochen. Nach einem Jahr betrug die Abstinenzrate in der E-Zigaretten-Gruppe 18 Prozent im Vergleich zu 9,9 Prozent bei Nikotinersatztherapie. Dieser Unterschied war signifikant.

Kurz- und langfristige Folgen abwägen

„Doch man muss die Effektivität der E-Zigarette und die kurz- und langfristigen Folgen gegeneinander abwägen“, sagte Professor Stefan Andreas, Lungenfachklinik Immenhausen.

Es sei schon bemerkenswert, dass nach einem Jahr noch circa 80 Prozent regelmäßig E-Zigaretten inhalierten, während nur noch 9 Prozent weiter die Nikotinersatzprodukte verwendeten. Angesichts experimenteller Studien bestünden keinerlei Zweifel an der Schädlichkeit der E-Zigarette und es fehlten Langzeitdaten.

Doch sprechen Langzeitbeobachtungen über 15 Jahre dafür, dass die Nikotinersatztherapie sicher ist und sogar zu einer Abnahme der Sterblichkeit führt. Auch wurden in die englische Studie überwiegend Patienten eingeschlossen, bei denen eine Nikotinersatztherapie in der Vergangenheit nicht erfolgreich gewesen war.

„Von daher ist es nicht überraschend, dass die Nikotinersatztherapie auch bei einem zweiten Versuch nicht erfolgreich war“, so Andreas.

Auch die Bewertung der Patienten mache deutlich, dass die Nikotinabhängigkeit nicht überwunden wurde; denn der Wunsch zu rauchen, war in der Nikotinersatztherapie-Gruppe höher als in der E-Zigaretten-Gruppe. „Dies lässt sich so erklären, dass die Wirkung auf das Belohnungssystem bei der E-Zigarette höher ist“.

Studie: Tabakentwöhnung klappt mit E-Zigarette seltener

Besondere Gefahren bestehen nach Meinung von Andreas bei Kindern und Jugendlichen. Sie rauchen zumindest initial ohne Nikotin, dafür mit verschiedenen Geschmacksstoffen wie Gummibärchen.

Epidemiologische Studien zeigen, dass sie später oft auf nikotinhaltige E-Zigaretten umsteigen und im weiteren Verlauf häufig bei herkömmlichen Zigaretten landen. Deshalb warnen die medizinischen Fachgesellschaften einhellig vor den Gefahren der E-Zigarette auf die Entwicklung des Tabakrauchens in der Bevölkerung.

Auch konnte in einer Metaanalyse von 38 Studien das positive Resultat der englischen Studie nicht bestätigt werden, im Gegenteil, die Tabakentwöhnung gelang mit der E-Zigarette seltener als mit der Nikotinersatztherapie.

„Deshalb ist es notwendig, dass der Gesetzgeber strengere Regelungen zur Vermarktung und zum Verkauf der E-Zigaretten schafft“, so Andreas. Es müsse sichergestellt werden, dass E-Zigaretten nur von Rauchern für eine begrenzte Zeit ausschließlich zur Tabakentwöhnung genutzt werden. (sti)

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