Nutzen von ASS zum Gefäßschutz bei Diabetikern bleibt unklar

Der Nutzen einer Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen mit ASS bei Diabetes bleibt weiter unklar. Auch die zweite innerhalb eines Monats zu dieser Frage präsentierte Studie kann einen Vorteil dieser Behandlung nicht schlüssig belegen.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Beugt ASS bei Diabetes kardiovaskulären Ereignissen vor? Eine neue Studie hilft nicht zur Klärung.

Beugt ASS bei Diabetes kardiovaskulären Ereignissen vor? Eine neue Studie hilft nicht zur Klärung.

© Foto: s.kaulitzki www.fotolia.de

Erst vor wenigen Wochen kam eine schottische Forschergruppe in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass eine primärpräventive Behandlung mit ASS über knapp sieben Jahre die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse bei Diabetikern nicht verringerte (wir berichteten).

Eine Gruppe japanischer Forscher zog nun beim AHA-Kongress mit einer weiteren Studie nach - die leider ebenfalls enttäuschte. Dr. Hsiao Ogawa von der Kumamoto Uni in Japan und seine Mitarbeiter haben 2539 Typ-2-Diabetiker ohne Zeichen für eine Gefäßerkrankung in die Studie aufgenommen.

Die Hälfte von ihnen erhielt zur Primärprävention im Schnitt 4,4 Jahre lang ASS in niedriger Dosierung (81 bis 100 mg/Tag), die andere Hälfte dagegen kein ASS. Primärer Endpunkt war das Auftreten atherosklerotischer Ereignisse (koronare, zerebrovaskuläre oder periphere Gefäßkomplikationen).

Die Bilanz am Ende der Beobachtungszeit: In der Gruppe mit ASS waren 68, in der Gruppe ohne ASS 86 kardiovaskuläre Ereignisse zu verzeichnen. Der Unterschied entspricht zwar numerisch einer relativen Risikoreduktion um 20 Prozent durch ASS. Dieses Ergebnis war jedoch nicht statistisch signifikant. Lediglich in der Subgruppe der über 65-jährigen Diabetiker ergab sich ein signifikanter Unterschied zugunsten von ASS.

Das Problem: Die reale Ereignisrate betrug nur weniger als ein Drittel der Rate, von der die Forscher bei ihrer Studienplanung ausgegangen waren. Dadurch ist die statistische Teststärke der Studie enorm eingeschränkt worden, sodass sich aus den Ergebnissen keine schlüssigen Aussagen ableiten lassen. Dennoch gibt auch diese Studie erneut Anlass dazu, das von einigen Fachgesellschaften ausgesprochene Plädoyer für eine Primärprävention mit ASS noch einmal zu überdenken.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kommentar

Süß, süßer, Deutschland

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

S2e-Leitlinie aktualisiert

Auto fahren mit Diabetes: Auf diese Punkte sollten Ärzte hinweisen

Lesetipps
Pipetten mit Flüssigkeiten im Labor.

© Alican/stock.adobe.com

Hoffnung durch KI & Co?

Drei neue Strategien gegen Pankreaskrebs

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Die Pressekonferenz zum DKK 2026 mit zahlreichen Menschen auf dem Podium.

© Peter-Paul Weiler, berlin-event-foto.de

DKK 2026

Immuntherapie bei Krebs: Komplexe Kombinationen gefragt

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Blick in den Darm mit einem Krebsgeschwür.

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Gastrointestinale Tumoren

Magen-Darm-Krebs: Wirklich immer früher?

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe