Direkt zum Inhaltsbereich

Ob Chemoprophylaxe schützt, bleibt zu klären

TORONTO (awa). Die erste von weltweit insgesamt fünf kontrollierten Studien zur medikamentösen HIV-Prophylaxe bei Menschen aus Hochrisikogruppen für eine HIV-Infektion ist beendet. Demnach ist die prophylaktische antivirale Therapie sicher. Ob sie auch wirksam ist, war in der Studie wegen der geringen Zahl an Neu-Infektionen jedoch nicht zu belegen.

Veröffentlicht:

Vor allem für Menschen mit einem hohen Infektionsrisiko wie weibliche Prostituierte versagt nach Erfahrungen von Dr. Lynn Peterson von Fa-mily Health International in Durham im US-Staat Kalifornien in unterentwickelten Gebieten oft die Methode Safersex.

Denn die Frauen können den Kondomgebrauch mit den Männern meistens nicht verhandeln. Deshalb werden dort zur Zeit alternative Präventionsmethoden, etwa eine medikamentöse HIV-Prophylaxe, die sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP), erforscht.

Peterson stellte auf der Weltaidskonferenz in Toronto in Kanada die Ergebnisse der ersten beendeten PrEP-Studie vor. In ihr war die Sicherheit und Wirksamkeit von Tenofovir, einem nicht nukleosidalen Hemmer der viralen Reversen Transkriptase (NNRTI), in Kamerun, Nigeria und Ghana untersucht worden. Tenofovir wurde ausgewählt, da dieses HIV-Medikament in Tierversuchen eine HIV-Übertragung verhindert hat.

In die doppel-blinde Studie wurden 936 HIV-negative Frauen mit hohem Infektionsrisiko - mindestens dreimal pro Woche Geschlechtsverkehr oder mindestens vier verschiedene Sexualpartner pro Monat - aufgenommen. Die Frauen waren im Mittel 23 Jahre alt, und bei etwa 40 Prozent von ihnen wurde in den letzten sechs Monaten eine sexuell über-tragbare Erkrankung diagnostiziert.

Die eine Hälfte der Frauen erhielt für zwölf Monate 300 mg Tenofovir, die andere Hälfte ein entsprechendes Placebo. Bei der Leber- und Nierenfunktion sowie bei unerwünschten Ereignissen wie Malaria, vaginale Candidiasis, Kopfschmerzen und Anorexie gab es zwischen Verum- und Placebo-Gruppe keine Unterschiede. Bei zwei Frauen, die Tenofovir erhalten hatten, und bei sechs Frauen aus der Placebo-Gruppe wurde im Verlauf der Studie eine Infektion mit dem HI-Virus diagnostiziert.

Wegen dieser geringen Zahl der Neuinfektionen könne keine Aussage zur Wirksamkeit der Chemoprophylaxe gemacht werden, sagte Peterson. Auffällig und wahrscheinlich auf die im Zusammenhang mit der Studie vorgenommene Aids-Beratung zurückzuführen sei, daß die Zahl der neuen Sexualpartner von elf auf sechs pro Monat abgenommen und die Rate des Kondomgebrauchs von 52 auf 94 Prozent zugenommen habe, so Petersen.

Das Konzept der Präexpositionsprophylaxe für Menschen mit einem hohen HIV-Infektionsrisiko ist relativ neu und wegen potentieller unerwünschter Wirkungen und potentieller Resistenzentwicklung noch umstritten.

Weitere Studien sind nötig, weil nach Petersons Angaben die vorgestellten Daten weder die Wirksamkeit noch die Bedenken klären konnten. Zur Zeit laufen noch vier weitere kontrollierte Studien in Botswana, Thailand, Peru und USA mit jungen Erwachsenen, i.v.-Drogenkonsumenten und Männern, die Sex mit Männern haben.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

Erste klinische Studie belegt Wirksamkeit des Herzpflasters

Münchner Aids- und Infektiologie-Tage

Chronische Hepatitis B: Heilung durch monoklonalen Antikörper?

Lesetipps
Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

© Porträt: privat | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

Spirometrie bei einem Mann.

© John Thys / Reporters / Science Photo Library

Änderungen aus dem GOLD-Update

Neues Vorgehen bei COPD: Proaktiv statt reaktiv!

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram