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Atherosklerose

Omega-3-Fettsäuren gegen Gefäßverkalkung

Neue Strategie gegen Atherosklerose: Forscher setzen darauf, körpereigene heilungsfördernde Prozesse zu aktivieren.

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MÜNCHEN. Bisherige Therapiestrategien bei Atherosklerose zielen hauptsächlich darauf ab, die Entzündungsreaktion zu hemmen. LMU-Forscher um Professor Oliver Söhnlein vom Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten der LMU in München haben nun eine neue Strategie entwickelt, die darauf abzielt, körpereigene heilungsfördernde Prozesse zu aktivieren. Dabei sind Wirkstoffe, die unter anderem in Fischöl enthalten sind, wichtig. Sie konnten im Mausmodell Atherosklerose mindern (Circulation Research 2016, online 16. August).

Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass nicht nur die Entstehung, sondern auch das Beenden von Entzündungen ein aktiver Prozess der Immunabwehr ist. "Bei Atherosklerose ist dieses ‚Entzündungs-Beendigungs-Programm‘ gestört, sodass die Entzündung chronifiziert", wird Söhnlein in einer Mitteilung der LMU zur Veröffentlichung der Studie zitiert.

 Für den Entzündungsverlauf sind spezielle Signalmoleküle, die aus essenziellen Fettsäuren gebildet werden (Lipidmediatoren) entscheidend: Bei akuten Entzündungen sind zunächst entzündungsfördernde Lipidmediatoren aktiv. Zum Stoppen der Reaktion übernehmen entzündungshemmende Lipidmediatoren die Regulation. Damit dieser Prozess funktioniert, müssen beide Mediatoren-Arten in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

"Wir konnten nun zeigen, dass diese Balance bei Atherosklerose gestört ist", so Söhnlein in der LMU-Mitteilung. Normalerweise sollten Entzündungsreaktionen nach Ablauf der akuten Phase gestoppt werden, indem die Konzentration von entzündungshemmenden Lipidmediatoren steigt. Stattdessen war das Gegenteil der Fall: Im atherosklerotischen Gewebe nahmen die Lipidmediatoren mit fortschreitender Entzündung ab. "Durch die Zugabe der entzündungshemmenden Lipidmediatoren Maresin 1 und Resolvin D2 konnten wir im Mausmodell diese Imbalance korrigieren und Atherosklerose mindern", so Söhnlein. Maresin 1 und Resolvin D2 werden aus essenziellen Omega-3-Fettsäuren gebildet, die unter anderem in Fischöl enthalten sind, dem schon lange eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird.

Funktional gesehen werden mit den Lipidmediatoren die Fresszellen des Immunsystems, die Makrophagen beeinflusst: Makrophagen sammeln sich an atherosklerotischen Plaques an und können zum Fortschreiten der Entzündung beitragen, da sie sich an Blutfetten "überfressen" und selbst zugrunde gehen können. Sie sind aber auch bei der Heilung entzündeten Gewebes wichtig, da sie abgestorbene Zellen entfernen und die Vermehrung glatter Muskelzellen anstoßen.

 "Die Zugabe der Lipidmediatoren fördert diese entzündungsmindernde Wirkung, lenkt die Aktivität der Makrophagen also in eine gewünschte Richtung", so Söhnlein in der Mitteilung der LMU. "Es wäre wünschenswert, in zukünftigen Studien zu untersuchen, ob die im Mausmodell gewonnenen Erkenntnisse auch auf Menschen übertragbar sind." (eb)

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