Direkt zum Inhaltsbereich

Onkologen erhoffen sich neue Freiheiten

Ein neuer Sektor soll hoch spezialisierten niedergelassenen Ärzten große Freiräume schaffen. Medizinische Versorgung ohne Bedarfsplanung, Mengensteuerung und Erlaubnisvorbehalt sieht das geplante Versorgungsgesetz vor. Angesprochen fühlen sich unter anderen die Onkologen. Aber Forderungen an den Gesetzgeber bleiben.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Mammografie gehört zur Schnittmenge der Leistungen zwischen ambulant und stationär.

Mammografie gehört zur Schnittmenge der Leistungen zwischen ambulant und stationär.

© Mathias Ernert

BERLIN. Die im Gesetzentwurf angelegte Aufhebung der Grenzen zwischen ambulant und stationär in einem ambulanten spezialärztlichen Sektor haben die Berufsverbände der Onkologen bei der Vorstellung eines Gutachtens am Montag in Berlin ausdrücklich begrüßt.

Mit der ambulanten spezialärztlichen Versorgung soll ein neuer Leistungssektor entstehen. Damit entwickelt der Gesetzgeber den umstrittenen Paragrafen 116b des SGB V weiter, mit dem er den Kliniken den Zugang zur ambulanten Versorgung eröffnet hat.

"Ambulante Onkologie" aufbauen

Die neue Freiheit wollen die niedergelassenen und im Krankenhaus tätigen Onkologen nutzen, einen eigenständigen spezialärztlichen Versorgungssektor "Ambulante Onkologie" aufzubauen. "Wir wechseln in eine komplett neue Systematik", kommentierte Dr. Stephan Schmitz, Vorsitzender des Berufsverbandes der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) den Entwurf des Versorgungsgesetzes und die sich der Zunft bietenden neuen Möglichkeiten.

Gefragt seien Mut und Veränderungsbereitschaft. Für niedergelassene Onkologen ist der vorliegende Gesetzentwurf gleichwohl noch nicht befriedigend (wir berichteten).

Zusätzlich zu den bereits im Entwurf enthaltenen Regelungen der extrabudgetären Vergütung, der wegfallenden Mengensteuerung und dem zwingenden Kooperationsgebot für die teilnehmenden Krankenhäuser und Vertragsärzte müssten aus Wettbewerbsgründen weitere Punkte aufgenommen werden, forderte Schmitz.

Mitspracherecht der Berufsverbände

So sollte die Möglichkeit zur teilstationären Versorgung durch Krankenhäuser gestrichen werden, weil es in der Onkologie dafür keine Begründung gebe.

Zudem sollten alle von den Krankenhäusern in der kurzstationären Behandlung angebotenen Leistungen in den neuen Sektor aufgenommen werden, damit Vertragsärzte solche Leistungen direkt mit den Kassen abrechnen könnten.

Zum dritten sollten die betroffenen Berufsverbände ein Mitspracherecht bei der Ausgestaltung des Sektors erhalten.

Gutachten von Professor Wasem

Anlass der Forderungen war die Vorstellung eines Gutachtens des Gesundheitsökonomen Professor Jürgen Wasem, das die niedergelassenen Hämatologen und Onkologen, die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie sowie die Deutsche Krebsgesellschaft in Auftrag gegeben hatten.

Das Gutachten kommt zu dem zentralen Ergebnis, einen eigenständigen Versorgungssektor "Ambulante Onkologie" zu schaffen.

Um noch bestehende Wettbewerbsverzerrungen zu beseitigen, sollte für diesen Sektor die monistische Investitionskostenfinanzierung gelten. Zudem sollten in der gesamten onkologischen Versorgung einheitliche Marktbedingungen für den Bezug von parenteralen Zytostatika herrschen, sagte Wasem.

Der Gesundheitsökonom von der Universität Duisburg-Essen sprach sich dafür aus, schon im Gesetz präziser zu benennen, wer Zugang zu dem neuen Sektor erhalten solle - zum Beispiel Gynäkologen und Urologen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Brustkrebsfrüherkennung

Wie effektiv ist das Mammografiescreening in Europa?

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Arzt entwickelt MFA-Börse

So finden Praxisinhaber die MFA, die zu ihnen passt

Von DiGA bis Chatbot

Wie Dr. KI die rheumatologische Versorgung verbessert

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte