Schmerzmedizin

Online-Register startet zur Flupirtin-Therapie

Ein internationales firmenunabhängiges Online-Register zur Dokumentation von Flupirtin- Langzeitbehandlungen soll Auskunft zu neuen Therapiestrategien geben.

Veröffentlicht:

OBERURSEL. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) startet ein internationales firmenunabhängiges Online-Register zur systematischen Dokumentation von Flupirtin-Langzeitbehandlungen - und folgt damit dem Wunsch zahlreicher Betroffener und Therapeuten.

Ziel ist es, über dieses System Daten zu Behandlungsfällen zu erfassen, bei denen eine Behandlung mit Flupirtin über die von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) im Herbst 2013 verordnete Anwendungsdauer von maximal zwei Wochen hinaus nötig ist, teilt die DGS mit.

"Mit diesem Flupirtin-Langzeitregister soll in keinem Fall die derzeit bestehende Anwendungsbeschränkung für Flupirtin-haltige Fertigarzneimittel von maximal zwei Wochen unterlaufen werden", wird Dr. Michael Überall, Vizepräsident der DGS, in der Mitteilung der Gesellschaft zitiert.

"Vielmehr geht es uns darum, wesentliche Kerninformationen, wie Behandlungsindikation, Vorgeschichte, Behandlungsverlauf, Wirksamkeit und Verträglichkeit, der Behandlungsfälle zu erheben, bei denen eine längere Anwendungsdauer notwendig ist."

Berichte von betroffenen Patienten und Ärzten

Vor dem Hintergrund möglicher Leberwerterhöhungen hatte die EMA im Herbst 2013 die Anwendung von

Flupirtin-haltigen Fertigarzneimitteln zum Schutz der Patienten eingeschränkt. "Zahlreiche Berichte von betroffenen Patienten und Ärzten machten uns in den vergangenen Monaten aber auch deutlich, dass Flupirtin für viele Patienten mit chronischen Schmerzen der Halte-/Bewegungsmuskulatur ein wichtiger Therapiebestandteil ist", erklärt Überall.

Nicht wenige dieser Betroffenen nehmen Flupirtin mangels wirksamer Alternativen mittlerweile über Wochen, Monate und Jahre ein - ohne klinische und/oder laborchemisch nachweisbare Schädigungen zu entwickeln.

"In den meisten Berichten gingen der Langzeitbehandlung Absetz- und/oder alternative Behandlungsversuche voraus, die jedoch in der Regel wenig erfolgreich verlaufen sind, woraus sich die Notwendigkeit und Rechtfertigung für den längerfristigen Einsatz von Flupirtin ergab", so Überall.

Daten dienen als Basis für neue Behandlungsstrategien

Die über das Online-Register dokumentierten Daten werden zunächst durch Mitarbeiter des Instituts für Qualitätssicherung in Schmerztherapie und Palliativmedizin (IQUISP) aufbereitet und der DGS sowie der Deutschen Schmerzliga e.V. in regelmäßigen Abständen zur Bewertung vorgelegt.

Ziel ist es, je nach Anzahl der Fälle und Eingang der Meldungen, die Daten in größerem Rahmen mit unabhängigen Experten zu diskutieren und Strategien zu entwickeln, um betroffene Patienten und Ärzte angesichts der bestehenden Anwendungsbeschränkungen sinnvoll zu unterstützen.

Die Entwicklung und der Betrieb dieses internationalen Online-Registers erfolgen firmenunabhängig und ohne jegliche Förderung durch Dritte, so die DGS.

Nach Eingang der Informationen werden die Fälle bewertet - im weiteren Verlauf erhalten die teilnehmenden Ärzte dann auf den internen Projektseiten die nötigen Kerninformationen, die ihnen bei der weiteren Betreuung ihrer Patienten helfen können.

Schmerzexperten werden zur Teilnahme aufgerufen Alle Ärzte, die über entsprechende Informationen verfügen und/oder selbst Patienten mit

Flupirtin-haltigen Fertigarzneimitteln länger als zwei Wochen behandeln, sind dazu aufgerufen, sich bei dem neuen Online-Register aktiv zu beteiligen und ihre patientenbezogenen Erfahrungen zu dokumentieren. Die Dokumentation dauert ca. 3-5 Minuten (pro Fall) - die Teilnahme ist freiwillig und wird nicht erstattet. (eb)

Weitere Informationen zum Online-Register gibt es unter: https://www.facebook.com/schmerzmedizin/posts/612739002114201; www.dgschmerztherapie.de

Mehr zum Thema

Maßnahmenpaket

Luxemburg erlaubt Cannabisanbau für Eigenbedarf

Galenus-Gewinner – Orphan Drugs

Givlaari®: Chance bei hepatischer Porphyrie

Schmerzmediziner berichten

Dauer-Kopfschmerz nach COVID-19 nicht selten

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Thoraxchirurg Dr. Günther Matheis.

© Porträt: Engelmohr | Hirn: gran

„ÄrzteTag“-Podcast

„Dann geht die Freiberuflichkeit von uns Ärzten flöten!“

Klaus Holetschek: „Profit darf nie die treibende Kraft hinter gesundheitlichen Angeboten sein.“

© Frank Hoermann / SvenSimon / picture alliance (Archivbild)

Medizinische Versorgungszentren

Holetschek warnt vor Finanzinvestoren in der Gesundheitsversorgung