Chirurgen

Operationen bei 80-Jährigen nicht mehr so risikoreich

Früher galten die meisten Operationen bei Patienten über 75 als zu gefährlich. Doch dank minimalinvasiver Operationstechniken lassen sich heutzutage die Risiken für Hochbetagte deutlich senken, betonen Chirurgen bei ihrem Kongress.

Veröffentlicht: 26.03.2019, 12:40 Uhr
Operationen bei 80-Jährigen nicht mehr so risikoreich

Minimalinvasive Eingriffe, wie hier am Knie, bieten Chancen für Hochbetagte.

© Mathias Ernert, Klinikum Mannheim

MÜNCHEN. Mit 80 eine neue Hüfte oder eine Darm-Operation: Immer öfter setzen Chirurgen auch bei hochbetagten Patienten das Messer an.

Wurden früher etwa Krebspatienten in höherem Alter jenseits der 75 kaum noch operiert, könnten heute bei diesen Menschen Tumoren an Speiseröhre, Darm, Magen und Leber oft minimalinvasiv und somit schonend entfernt werden, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Professor Matthias Anthuber, am Rande des 136. Chirurgenkongresses, der von 26. bis 29. März in München stattfindet.

„Wir machen heute erfolgreiche Krebsoperationen bei Patienten im achten und neunten Lebensjahrzehnt“, sagte Anthuber, der den Kongress als Präsident leitet.

Eingriffe bei vielen Hochbetagten

„Gerade die Entwicklung von minimalinvasiven Methoden hat die Belastungen für ältere Patienten reduziert.“ Es gebe weniger Wundinfektionen und Schmerzen. Studien zeigten dabei keine höhere Gefahr eines Rezidivs als bei herkömmlichen Op-Methoden.

Auch bessere Narkosetechniken und Intensivtherapien machten Eingriffe bei älteren Menschen sicherer. Zudem würden sie gemeinsam mit Altersmedizinern gezielter auf die Operation vorbereitet.

Speziell Darmkrebs trete meist in höherem Lebensalter auf. Von jährlich 55.000 Neuerkrankten in Deutschland seien 20 Prozent über 75 Jahre alt, so Anthuber.

Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut belegen das: Die Diagnose Krebs erhielten im Jahr 2014 besonders viele Menschen im Alter von 70 bis 74 (76.209), gefolgt von der Altersgruppe der 75 bis 79-Jährigen, bei denen 75.969 Fälle gezählt wurden (siehe nachfolgende Grafik).

30 bis 40 Prozent der Eingriffe bei Darmkrebs würden bereits minimalinvasiv gemacht, berichtet Anthuber. „Das ist noch steigerungsfähig. Wir sind hier den Nachbarländern deutlich hinterher.“

Risiken wirkungsvoll senken

Auch Rücken-Operationen und künstliche Hüften stellten bei sorgfältiger Prüfung des Einzelfalles für hochbetagte Patienten oft kein unvertretbares Risiko mehr dar.

„Wir können heute über 80-Jährigen guten Gewissens neue Hüft- oder Knieprothesen einsetzen, weil wir wissen, wie wir die mit einer Operation verbundenen Risiken für Herzinfarkt und Lungenentzündung wirkungsvoll senken“, sagte Anthuber.

„Das kalendarische Alter ist für uns ein Anhaltspunkt, wie fit ein Mensch sein könnte. Es gibt aber 80-Jährige, die wirken wie 65. Warum sollte man diesen Menschen eine Op mit Aussicht auf bessere Lebensqualität vorenthalten?“

Nach dem Krankenhausreport der Barmer Ersatzkasse von 2017 stieg gemäß DGHC-Angaben die Zahl der Klinikpatienten über 70 Jahre von 2006 bis 2015 um 80 Prozent. Experten rechnen mit weiterem Zuwachs. (dpa/ths)

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