Direkt zum Inhaltsbereich

Ophthalmologie

Organkultur statt Tierversuch

Veröffentlicht:

BERLIN. Experten halten viele Tierversuche in der Augenheilkunde für überflüssig. Stattdessen könnten viele neue Arzneien an Netzhäuten geschlachteter Rinder und Schweine erprobt werden, meldet die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) vorab zu ihrem Jahreskongress.

Für Tests zu neuen Arzneien würden in der Augenheilkunde weltweit pro Jahr 250.000 Labortiere benötigt. "In vielen Fällen könnten unserer Auffassung nach alternative Methoden zum Einsatz kommen", sagt Professor Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen. An seiner Klinik läuft derzeit ein Forschungsprojekt, das solche Alternativen weiterentwickelt.

Besonders vielversprechend sei ein Modell, das mit den Netzhäuten geschlachteter Rinder und Schweine arbeitet. "Innerhalb von zwanzig Minuten nach dem Schlachten können wir die Netzhäute unter abgedunkelten Bedingungen so entnehmen, dass sie funktionstüchtig bleiben", erklärt PD Dr. Kai Januschowski, der an dem Projekt federführend forscht.

Anschließend lagert das empfindliche Gewebe in einer speziellen Dunkelkammer in einer Nährlösung. Derart erhalten, können die Forscher die Retina nun mit Lichtblitzen reizen, um Wirkung und Verträglichkeit neuer Substanzen zu testen.

"Dabei nutzen wir die elektronischen Antworten auf den Lichtimpuls, sie zeigen uns die Reizverarbeitung und damit die Reaktion", so Januschowski. Die Tübinger Wissenschaftler sind von den Vorteilen dieses Tierersatzmodells überzeugt.

"Ein Rinder- oder Schweineauge ist dem menschlichen Auge in Größe und Aufbau deutlich ähnlicher als das von Kaninchen oder Maus", wird Januschowski in der Mitteilung der DOG zitiert.

Hinzu komme, dass es sich beim Auge um ein abgeschlossenes Organ handelt: Durch die Blut-Netzhautschranke haben viele Medikamente, die im und am Auge wirken, kaum Nebenwirkungen auf den restlichen Körper - somit ist häufig nicht nötig, die Wirkung der Arznei etwa noch auf Leber, Nieren oder Blutkreislauf zu überprüfen.

"Insgesamt erhalten wir mit der retinalen Organkultur sogar wissenschaftlich bessere und genauere Antworten als im herkömmlichen Tierversuch", resümiert Januschowski. Das Labortier werde damit vollständig ersetzt. (eb)

Infos zum Kongress: www.dog-kongress.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Okuläre Sicherheit von GLP-1-Rezeptoragonisten

Semaglutid und NAION: Absolutes Risiko bleibt gering

Aflibercept-Biosimilar

Hohe Anforderungen der EMA sichern Wirksamkeit und Sicherheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Celltrion Healthcare Deutschland GmbH, Bad Homburg vor der Höhe

Feuchte altersabhängige Makuladegeneration

AMD: Nachfüllbares Implantat statt Spritzen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit des Aflibercept-Biosimilars (CT-P42) und des Referenzprodukts innerhalb der vordefinierten Äquivalenzgrenze von 3 Buchstaben

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2, 3]

Aflibercept-Biosimilar

Hohe Anforderungen der EMA sichern Wirksamkeit und Sicherheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Celltrion Healthcare Deutschland GmbH, Bad Homburg vor der Höhe
Abb. 1: Mittlere Veränderung der BCVA zu verschiedenen Zeitpunkten (sekundärer Endpunkt)

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [4]

Leichte Handhabung, korrekte Verabreichung

Aflibercept-Biosimilar in anwenderfreundlicher Fertigspritze

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Aflibercept 8 mg bei nAMD, DMÖ und jetzt auch RVV

© Science Photo Library / ALAN FROHLICHSTEIN

Zulassungserweiterung für VEGF-Inhibitor bei Makulaödem infolge eines RVV

Aflibercept 8 mg bei nAMD, DMÖ und jetzt auch RVV

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vier Ursachen im Überblick

Häufiges Aufstoßen: Woher es kommen kann und wie therapiert wird

Lesetipps