Gynäkologie

Papilloma-Impfung ersetzt die Vorsorge nicht

STUTTGART (sko). Mit einem neuen Impfstoff gegen krebsauslösende Humane Papilloma-Viren (HPV) kann eine anhaltende Zervix-Infektion mit den Hochrisiko-Serotypen 16 und 18 vermieden werden. Die zytologische Vorsorgeuntersuchung zur frühen Diagnose eines Zervix-Ca wird dadurch jedoch noch nicht überflüssig.

Veröffentlicht: 06.02.2006, 08:00 Uhr

Zervixkarzinome sind zu 99,7 Prozent mit einer HPV-Infektion assozi-iert. Vier von fünf Frauen infizieren sich mindestens einmal im Leben mit HPV. Diese Zahlen machen deutlich, welchen Stellenwert eine Impfung gegen dieses Virus hat.

Kurz vor dem Zulassungsantrag steht ein Impfstoff, der in Studien Frauen zwischen 88 und 100 Prozent vor einer Infektion mit den Serotypen 16 und 18 schützte, hat Professor Barbara Gärtner vom Universitätsklinikum Homburg/Saar bei einem Symposium in Stuttgart berichtet.

Ob die Impfung tatsächlich auch vor einem Zervixkarzinom schütze, könne derzeit noch nicht eindeutig gesagt werden. Aufgrund der jahrzehntelangen Latenzzeit zwischen Infektion und Krebsentstehung lasse sich nur der Schutz vor der persistierenden Infektion untersuchen.

"Aber wenn wir die Infektion verhindern, können wir mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß wir auch den Krebs verhindern", sagte Gärtner bei der von dem Unternehmen GlaxoSmithKline unterstützten Veranstaltung.

Etwa 30 Prozent der Zervix-Karzinome werden nicht durch die Serotypen 16 und 18, sondern durch andere Typen verursacht. Zudem weiß man von anderen Impfungen, daß es lange dauern kann, bis die Impfraten hoch sind. Die Zytologie wird somit nicht überflüssig. Deshalb wird auch nach Zulassung des Impfstoffes, die für Anfang 2007 erwartet wird, der Zervixabstrich Bestandteil der Krebsvorsorge bleiben.

Noch nicht eindeutig geklärt ist der Impfzeitpunkt. Die Dauer des Impfschutzes werde aufgrund der Studiendaten auf vier bis fünf Jahre geschätzt, weil die gegen das Virus gebildeten Antikörper nach dieser Zeit wieder abgebaut werden, so Gärtner. Da die Infektionsraten bei den 20- bis 30jährigen Frauen vermutlich durch die häufiger wechselnden Partner am größten seien, sollten Mädchen also kurz vor Aufnahme der sexuellen Aktivität geimpft werden.



STICHWORT Aus dem Springer Lexikon Medizin

Humane Papilloma-Viren (HPV)

Humane Papilloma-Viren sind doppelsträngige DNA-Viren und werden unterteilt in HPV vom Hauttyp (kutane HPV) und HPV vom Schleimhauttyp (mukokutane HPV). Die kutanen HPV verursachen etwa die Verrucae vulgares und plantares, eine Untergruppe Epidermodysplasia verruciformis. Wegen der Tendenz zu maligner Entartung der Läsionen werden diese Viren als intermediate risk HPV bezeichnet. Bei den mukokutanen HPV gibt es Untergruppen mit niedrigem (low risk HPV) und solche mit hohem Entartungsrisiko (high risk HPV), wie Typ 16 und 18.

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