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Schluckimpfung

Patienten für Pankreas-Ca-Studie gesucht

Die Universitätsklinik Heidelberg bietet im Rahmen einer Studie eine Schluckimpfung für Patienten mit Pankreaskarzinom an. Teilnehmen können Patienten mit Pankreas-Ca, die nicht operiert werden können oder bei denen sich bereits Metastasen gebildet haben.

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HEIDELBERG. Inzwischen liegen Ergebnisse aus dem ersten Durchlauf einer Studie zur Schluckimpfung bei Pankreaskarzinom mit 45 Patienten vor, teilt das Universitätsklinikum Heidelberg mit.

Der Impfstoff erwies sich als gut verträglich und sicher. Mehr als die Hälfte der Patienten sprachen auf die Impfung an - ihre körpereigene Krebsabwehr wurde in gewünschter Weise aktiviert bzw. verstärkt.

Die Patienten erhalten während eines zehntägigen stationären Aufenthaltes im Klinisch-Pharmakologischen Studienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg zusätzlich zur gängigen Chemotherapie vier Anwendungen entweder des experimentellen Impfstoffs VXM01 oder eines Placebopräparats, teilt die Universitätsklinik mit.

Dieser Behandlung schließen sich einmal monatlich bis zu sechs Auffrischimpfungen an.

"Auf diese Weise wollen wir die Wirkung auf das Immunsystem, die wir im ersten Studiendurchlauf gesehen haben, länger aufrecht erhalten", wird Studienleiter Privatdozent Dr. Hubertus Schmitz-Winnenthal, Leiter der Sektion für Endokrine Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik in der Mitteilung zitiert.

Die Patienten werden nach ihrem stationären Aufenthalt bis zu zwei Jahre medizinisch begleitet.

Mehr als die Hälfte der Patienten sprach auf Impfung an

Der neuartige Impfstoff VXM01 soll das körpereigene Immunsystem dazu stimulieren, die Blutgefäße des Tumors anzugreifen und zu zerstören. Dieses Gefäßsystem ist wichtig für die Blutversorgung und damit für das Wachstum des Tumors sowie das Abwandern von Tumorzellen in andere Organe.

Die nun vorliegenden Ergebnisse stammen aus einer Nachuntersuchung 38 Tage nach der ersten Schluckimpfung. Bei 57 Prozent der Patienten reagierte das Immunsystem: Die Anzahl der T-Killerzellen, die sich gezielt gegen die Gefäße des Tumors richten, stieg an.

Bei 35 Prozent der Patienten verringerte sich daraufhin die Durchblutung des Tumors. "Welchen Einfluss diese Immunreaktion auf den weiteren Krankheitsverlauf hat, müssen weitere Untersuchungen zeigen", so Schmitz-Winnenthal.

"Wir sind aber zuversichtlich, dass wir mit dieser Impfung bei vielen Patienten die Wirkung der Therapie verstärken können." In vorangegangenen Tierversuchen wuchsen Tumoren nach der Impfung langsamer und bildeten weniger Metastasen. Die geimpften Tiere hatten deutlich bessere Überlebenschancen.

Veränderte Bakterien stimulieren Immunsystem

Als Impfstoff dienen veränderte, abgeschwächte Bakterien: Sie tragen ein Gen, das für die Produktion des Proteins VEGFR-2 sorgt; dieses kommt auf den Blutgefäßen des Tumors gehäuft vor.

Kommen Zellen des Immunsystems an der Darmschleimhaut mit den von den Bakterien befallenen Zellen in Kontakt, bekämpfen sie diese wie Fremdkeime. So wird das Immunsystem geprägt, Gefäßzellen des Tumors mit VEGFR-2 als feindlich zu erkennen und zu zerstören.

Die bei VXM01 verwendeten Trägerbakterien sind bereits als Impfstoff zugelassen, gut verträglich und finden häufige Anwendung bei Impfungen gegen Typhusfieber.

VXM01 wurde von dem schweizerisch-deutschen Biotechnologie-Unternehmen VAXIMM, einer Ausgründung der Merck KGaA, in Zusammenarbeit mit Schmitz-Winnenthal entwickelt. In Zukunft soll VXM01 auch für die Anwendung bei anderen Krebsarten weiterentwickelt werden. (eb)

Mehr Infos zur Studie unter Tel. 06221 / 56 35 154 (werktags zwischen 8 und 12 Uhr); Fax 06221 / 56 69 88; E-Mail: ksc@med.uni-heidelberg.de

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