Direkt zum Inhaltsbereich

Hämaturie

Patienten werden oft nicht weiterverwiesen

Wie gründlich werden Hämaturien im hausärztlichen Bereich abgeklärt? Das haben US-Forscher herauszufinden versucht. Ihre Erkenntnis: Die Vorgaben der Leitlinien werden häufig nicht befolgt.

Veröffentlicht:

NASHVILLE. In einer retrospektiven Kohortenstudie orientierte sich ein Wissenschaftlerteam um David Friedlander von der Vanderbilt University School of Medicine in Nashville an den Vorgaben der American Urological Society (AUA) hinsichtlich der Art und Weise, wie eine Hämaturie abzuklären sei. Die AUA rät, Patienten ab einem Alter von 35 Jahren zur Zystoskopie zu schicken und bildgebende Verfahren im Bauch- und Beckenbereich einzusetzen.

Analysiert wurden die Daten von rund 6600 Hausarztpatienten im Alter von mindestens 40 Jahren, bei denen zwischen 2004 und 2012 erstmals eine Hämaturie diagnostiziert worden war. Sofern eine Infektion als Ursache erkennbar war, schieden die Patienten als Studienteilnehmer aus.

Übrig blieben schließlich 2455 Probanden. 13,7 Prozent von ihnen wurden binnen sechs Monaten nach der Hämaturiediagnose zystoskopiert, ähnlich viele, nämlich 13,9 Prozent, wurden zur radiologischen Abklärung überwiesen. Einer Zystoskopie plus Bildgebung unterzogen sich 5,7 Prozent aller Probanden.

Die weitere Abklärung erfolgte häufiger dann, wenn bekannte Risikofaktoren für ein Urothelkarzinom vorlagen, männliches Geschlecht etwa oder höheres Alter (Am J Med 2014; online 30. Januar).

Allerdings hing die Häufigkeit auch von der Gegend ab, in der die Patienten den Arzt aufsuchten. Dass dies einen Einfluss auf das Risiko hat, ein Urothelkarzinom zu entwickeln, ist nicht anzunehmen.

Friedlander und seine Kollegen nahmen die regionalen Unterschiede daher als Indikator, dass auch klinisch nicht relevante Faktoren die Entscheidung zur weiteren Abklärung einer Hämaturie beeinflussen.

Dass es durchaus sinnvoll ist, der Ursache einer Hämaturiediagnose auf den Grund zu gehen, zeigen die abschließenden Diagnosen. Bei insgesamt 2,7 Prozent der Patienten wurde ein Neoplasma festgestellt, rund die Hälfte der Diagnosen entfiel auf Blasenkrebs. Die Tumorquoten differierten je nach Intensität der Suche: Zystoskopie 12,8 Prozent, Bildgebung 12,0 Prozent, Zystoskopie plus Bildgebung 18,4 Prozent.

Häufigste Einzelursache war allerdings die Urolithiasis mit 4,6 Prozent. Eine ausreichende Erklärung für das Blut im Urin fand man bei 11,9 Prozent der Probanden.

"Eine vollständige Hämaturieabklärung findet selten statt", konstatieren Friedlander und Mitarbeiter. In puncto Qualitätssicherung sehen sie daher Luft nach oben, auch deshalb, weil augenscheinlich Einflüsse eine Rolle spielen, die mit dem Malignomrisiko nichts zu tun haben. (rb)

Mehr zum Thema

Frauen im Nachteil

Körperliche Untersuchung wird bei LUTS oft vernachlässigt

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

Risiko einschätzen und Lebensstil ändern

Diabetes und Vorhofflimmern: Das hilft gegen die gefährliche Kombi

Kasuistik

Der Fall eines Patienten mit MODY-Diabetes nach längerer Remission

Lesetipps
Ein Dermatologe mit blauen Handschuhen untersucht im Rahmen einer Hautkrebsvorsorgeuntersuchung die durch einen Kreis als auffällig markierten Muttermale auf dem Rücken eines Mannes.

© kinomaster / stock.adobe.com

Frage an die Ethiker

Darf der Intimbereich beim Hautkrebs-Screening ausgelassen werden?