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Kommentar zur Krebsstudie

Patienten zweiter Klasse

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:

Psychisch kranke Menschen haben eine kürzere Lebenserwartung als der Bevölkerungsdurchschnitt. Der frühe Tod kommt meist nicht durch die eigene Hand, sondern durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Dafür gibt es viele Gründe, etwa ein verändertes Krankheitsverhalten, einen ungesunden Lebensstil und metabolisch ungünstige Psychopharmaka. Schuld ist aber auch die Diskriminierung, die in der medizinischen Versorgung stattfindet. Bei Patienten mit psychischer Krankheit wird die körperliche Gesundheit oft vernachlässigt.

Die Benachteiligung beginnt mit der Diagnostik. Bei psychisch Kranken werden zum Beispiel weniger Herzkatheter-Untersuchungen durchgeführt und Krebserkrankungen häufiger erst im metastasierten Zustand entdeckt. Auch die Therapie bleibt hinter der von psychisch Gesunden zurück: So wird bei Bluthochdruck seltener medikamentös behandelt und eine bösartige Geschwulst seltener reseziert.

Menschen mit psychischen Erkrankungen werden trotz Aufklärung und Anti-Stigma-Kampagnen häufig wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Sie dürfen nicht auch noch von ihren Ärzten als Patienten zweiter Klasse behandelt werden. Die körperliche Gesundheit von psychisch kranken Menschen erfordert mehr Aufmerksamkeit.

Lesen Sie dazu auch: Sterberisiko: Krebs tödlicher für psychisch Kranke

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 11.01.201316:44 Uhr

"Schuld" abladen verboten!

Wie schon ausgeführt, bezogen auf erhöhte Krebsmortalität bei psychischer Erkrankung lässt sich eine spezielle Diskriminierung seelisch kranker Patientinnen und Patienten nicht halten. Die Schlussfolgerungen der Studie aus Western Australia: "Cancer-Related Mortality in People With Mental Illness von Stephen Kisely, MD, PhD; Elizabeth Crowe, MB, ChB; David Lawrence, PhD, Arch Gen Psychiatry. 2012;():1-9. doi:10.1001/jamapsychiatry.2013.278
geben das nicht her.

Zu Herzkatheter-Untersuchungen, Bluthochdruck-Erkrankungen, operativen und sonstigen Interventionen gehören immer zwei Seiten: Einwilligungsfähige Patienten mit Diagnostik-/Therapie-Compliance und Ärzte, die zur Tat schreiten wollen bzw. können. Dabei eine Stigmatisierung, Diskriminierung oder gar Segregation herauslesen zu wollen, ist ebenso tendenziös wie andererseits unnötig viele und überflüssige Diagnostik wie MRT''s und Röntgen/CT''s bzw. orthopädische Gelenkeingriffe und Herzkatheter-Interventionen zu beklagen, ohne allgemein gestiegene Anspruchshaltungen kritisch zu hinterfragen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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