Kommentar – Sport so wirksam wie Antihypertensivum?

Pedale statt Pillen

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 30.01.2019, 05:05 Uhr

Eine gesunde Skepsis gegenüber indirekten Vergleichen ist immer angebracht, so auch bei einer Netzwerkmetaanalyse, die den Schluss nahelegt, dass körperliche Aktivität den Blutdruck von Hypertonikern vergleichbar gut senkt wie ein Antihypertensivum.

Doch schon für sich genommen sind die Resultate von 56 Studien mit regelmäßigem moderatem Sport bei Hypertonikern beeindruckend: Um über 13 mmHg ließ sich der systolische Druck im Schnitt senken, wenn es gelang, Hochdruckpatienten zu einer Kombination aus moderatem Ausdauersport und Widerstandstraining zu bewegen.

Eigentlich sollten Ärzte in vielen Fällen Pedale statt Pillen verordnen, doch damit würden sie bei ihren Patienten nicht immer auf Gegenliebe stoßen. Das Problem besteht ja gerade darin, dass so mancher Hypertoniker Pillen benötigt, weil er nicht in die Pedale treten will.

Es kann nun aber nicht Aufgabe der Ärzte sein, Bewegungsmuffel zu bekehren. Es müsste in Deutschland viel mehr Anreize geben – auch finanzieller Art –, gesünder zu leben. Die gibt es aber nicht.

Daher ist es wenig erstaunlich, dass Deutschland im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern immer wieder einen Spitzenplatz beim ungesunden Lebensstil erreicht und die niedrigste Lebenserwartung aufweist. Das kommt uns letztlich alle teuer zu stehen.

Lesen Sie dazu auch: Bluthochdruck: Sport scheint so wirksam wie Blutdrucksenker

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Kommentare
Dr. Franz J. Linnenbaum

Einen Ratschlag von Hippokrates gilt es allmählich mehr zu beachten

“Wenn Du die Ursache eines Leidens erkannt hast und der Erkrankte ist nicht bereit, die zur Ursache abzustellen, so darfst du ihn nicht weiter behandeln”

Ein recolutionärer Satz, der so gar nicht in unsere Zeit passt und doch mehr denn je für die Behandlung zivilisationsbedingter Lifestylerkrankungen gelten sollte. Verträgt sich aber nicht mit unserer zur Zeit gelebten Sozialideologie.

Dr.med. Eberhard Grütte

Gegen den Hochdruck Sport aus Lust und nicht aus Frust

Sport auf Rezept--Sport mit Leistungsentgelt-- Sport aus Pflicht-- all das ist nicht des Pudels Kern. Denn körperlich fordernder Sport- gleich welcher Art belohnt nicht mit Geld oder Medaillen aber mit Lebensjahren & Freude& Selbstvertrauen, vielleicht sogar mit Freundschaft !
Dass Ausdauersport Herz- und Kreislauf ertüchtigen merkt schon jeder medizinische Laie : die Puls/Herzfrequenz sinkt- die Ausdauerleistung/ Durchhaltevermögen & Atmung verbessern sich-- das Bergwandern wird nicht mehr zur Last sondern zum Erlebnis ! Aber ein Hindernis steht uns immer wieder im Weg: das ist der innere Schweinehund-- und gegen den gibts keine Pillen-- sondern nur Weisheit, Besonnenheit & Selbsterkenntnis. Und die kosten nix.
Auf Auf Freunde Pack mas und Los gehts am besten mit am Freund
Johannes Eberhard Jänner 2019

Dr. Stefan Graf

Nur gegen Bares??

"Es kann nun aber nicht Aufgabe der Ärzte sein, Bewegungsmuffel zu bekehren. Es müsste in Deutschland viel mehr Anreize geben – auch finanzieller Art –, gesünder zu leben. Die gibt es aber nicht."
Sollte nicht die Aussicht auf bessere Gesundheit und höhere Lebensqualität Anreiz genug sein? Es kann doch nicht sein, dass immer finazielle Anreize herhalten müssen, um Menschen zu "ihrem Glück" zu zwingen. Wo soll das enden? Irgendwann fordern dann Raucher, Alkohol Trinkende und Fast Food-Junkies ein Honorar, bevor sie sich um einen gesünderen Lebensstil bemühen.


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