Persönlichkeitsveränderungen nach Bypass-Op zu wenig beachtet

Konzentrationsstörungen bis hin zu kognitiven Defiziten können Folgen einer Bypass-Op sein. Das kann wichtig sein bei der Entscheidung für oder gegen die Op. Kardiologen fordern mehr Forschung.

Von Werner Stingl Veröffentlicht:
Operationen am offenen Herzen können zu Veränderungen der Persönlichkeit führen.

Operationen am offenen Herzen können zu Veränderungen der Persönlichkeit führen.

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Nach Operationen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine fällt bei einem erheblichen Teil der Patienten eine oft nur diskrete, aber den Betroffenen und sein Umfeld dennoch belastende Persönlichkeitsveränderung auf. Das Problem wird noch zu wenig beachtet und könnte nicht zuletzt auch bei der Entscheidung zwischen Bypass-Op oder perkutaner Koronarintervention (PCI) bedeutsam sein.

"Er ist nicht mehr der Alte" ist ein häufiges Statement, das nachsorgende Ärzte von Angehörigen von Patienten zu hören bekommen, die einen Eingriff unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine wie insbesondere auch eine koronare Bypass-Operation überstanden haben. Das hat Professor Albert Schömig aus München bei einer Veranstaltung zum Kardiologenkongress in Mannheim berichtet.

Entsprechende postoperative Symptome sind vielfältig und reichen etwa von leichten Konzentrationsstörungen oder einer geringfügig gesteigerten affektiven Vulnerabilität bis hin zu deutlichen kognitiven Defiziten oder manifesten Depressionen. Das Risiko für entsprechende Operationsfolgen steigt mit dem Alter. Als Ursache werden cerebrale Mikroembolien vermutet. Glücklicherweise sind diese Erscheinungen mehrheitlich reversibel, doch kann es oft mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern, bevor der Patient in seine präoperative Persönlichkeitsverfassung zurückfindet.

Leider gibt es noch keine konkreten Daten zu Häufigkeit und Ausprägung dieser in der täglichen Klinik und Praxis oft bagatellisierten und deshalb bislang unzureichend dokumentierten Nebenwirkungen von Eingriffen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschinen, sagte Schömig und forderte entsprechende Forschungen. Deren Ergebnis müsste nicht zuletzt auch in die Abwägung einfließen, wenn es gilt, bei einem medikamentös nicht ausreichend behandelbaren stabilen KHK-Patienten die Entscheidung zwischen PCI oder Bypass-Operation zu treffen.

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