Direkt zum Inhaltsbereich

Analyse

Pessimismus macht die Koronarien eng

Pessimismus raubt dem Herzen Kraft: Finnische Forscher wollen schlechte Laune messen, um die Gefahr der KHK-induzierten Mortalität abzuschätzen.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Alles negativ zu sehen: Das macht wohl auch dem eigenen Herz zu schaffen.

Alles negativ zu sehen: Das macht wohl auch dem eigenen Herz zu schaffen.

© Tran-Photography / fotolia.com

LAHTI. Pessimisten laufen größere Gefahr, an koronarer Herzkrankheit zu sterben, wie finnische Forscher herausgefunden haben wollen. Eine optimistische Einstellung ist demnach mit Blick auf die Kranzgefäße kein Nachteil, aber auch kein Vorteil.

An der über elf Jahre laufenden Studie, geleitet von dem Psychiater Mikko Pänkäläinen aus Lahti in Finnland, hatten sich 2815 Probanden im Alter von 52 bis 76 Jahren beteiligt. Zu Beginn der Studie wurden die Pessimismus- und Optimismuspegel der Teilnehmer mit dem "Life Orientation Test" in seiner revidierten Form gemessen.

Die Skalen verlaufen von 0 bis zu 12 Punkten; je höher der Wert, desto ausgeprägter die optimistische oder pessimistische Disposition (BMC Public Health 2016; 16:1124).

Elf Jahre später wurden die Daten zum ursprünglichen Dispositionsniveau mit den durch KHK bedingten Mortalitätsdaten abgeglichen. Während dieser elf Jahre waren 8,3 Prozent der teilnehmenden Männer und 2,8 Prozent der Frauen an KHK gestorben.

Die Verstorbenen waren im Mittel pessimistischer gewesen als die Überlebenden (4,78 versus 3,77 von 12 Pessimismuspunkten). Eine mehr oder weniger optimistische Einstellung hatte hingegen keinen Einfluss auf die Gefahr, an KHK zu sterben.

Pessimismus oder Realismus?

Die Männer und Frauen, die an KHK starben, hatten zwar zu Beginn ein niedrigeres Gesamtcholesterin gehabt. Allerdings waren sie auch älter, ihr HDL-Cholesterinspiegel war niedriger, ihr Blutzuckerspiegel höher gewesen.

Generell hatten sie einen höheren Risikoscore für KHK, ja sogar manifeste KHK-Diagnosen waren bei ihnen häufiger gewesen. Sie nahmen zudem öfter Arzneien gegen Bluthochdruck und Diabetes ein.

Insofern könnte man auch meinen, der ursprünglich im Mittel ausgeprägtere Pessimismus der später an KHK Verstorbenen habe durchaus seine Berechtigung gehabt und sei vielleicht eher als Realismus anzusehen.

Diesem Einwand begegnen die Forscher durch eine multivariate Analyse, in die neben dem Pessimismusscore auch das Vorliegen einer KHK-Diagnose und der allgemeine KHK-Risikoscore (errechnet aus den Faktoren Alter, Cholesterin- und HDL-Spiegel, systolischer Blutdruck, Raucherstatus, Diabetesdiagnose) eingeflossen sind.

Doppelt so hohes Risiko für Tod

In diesem Modell erwies sich der Pessimismusgrad als unabhängiger Risikofaktor. Im Quartilenvergleich der größten Pessimisten mit den am wenigsten negativ gegenüber dem Kommenden eingestellten Probanden zeigte sich, dass Erstere ein rund doppelt so hohes Risiko für Tod durch KHK hatten.

"Pessimismus scheint ein ziemlich bedeutsamer Risikofaktor dafür zu sein, an KHK zu sterben", schreibt das Team um Pänkäläinen. Optimismus biete indessen keinen Schutz davor.

Das Maß des Pessimismus bei Patienten zu bestimmen, könnte sich laut Ansicht der Forscher zusammen mit den anderen bekannten Risikofaktoren als hilfreiches Werkzeug erweisen, um die Gefahr der KHK-induzierten Mortalität abzuschätzen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Atypische Stirnfalten: Wo kommen sie her?

Erkrankung des Herzmuskels

Magnetokardiographie zur Kardiomyopathie-Diagnostik?

Lesetipps
Eine Puppe liegt dreckig auf dem Boden.

© fotogeng / stock.adobe.com

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Wenn das Bindegewebe im Becken an Spannung verliert oder geschädigt wird, droht ein Descensus genitalis. Wichtig sind Aufklärung und Beratung der betroffenen Frauen.

© H_Ko / Stock.adobe.com

Genitalsenkung

Descensus genitalis: Aktualisierte Empfehlungen auf S3-Niveau