Pille um Pille zur Impotenz

Je mehr Medikamente Männer schlucken, umso schwächer ist ihre Potenz. Das liegt offenbar nicht nur daran, dass Männer mit vielen Arzneien oft schwer krank sind, sondern auch an den Nebenwirkungen der Arzneien.

Veröffentlicht:
Klappts nicht im Bett, kann das an Polypharmazie liegen.

Klappts nicht im Bett, kann das an Polypharmazie liegen.

© ARCO IMAGES / imago

LOS ANGELES (mut). Alter und kardiovaskuläre Erkrankungen sind bekanntlich der Feind der männlichen Potenz, denn unter schlechten Gefäßen leidet auch die Erektionsfähigkeit.

Kein Wunder also, dass Männer mit Hypertonie, Diabetes, zu viel Cholesterin im Blut oder bereits einer manifesten Atherosklerose oft deutliche Probleme im Bett haben.

Viele Arzneien, wenig erfreuliche Potenz

Da solche Männer oft viele Medikamente gegen ihre Gefäßerkrankung nehmen müssen, überrascht es kaum, wenn Männer mit vielen Arzneien auch über eine wenig erfreuliche Potenz klagen.

Aber dies ist nicht der einzige Grund, wie eine Studie von US-Urologen nahelegt: Offenbar beeinträchtigt die Polypharmazie auch direkt das Geschehen in den penilen Gefäßen.

38.000 Männer untersucht

In der Untersuchung analysierten die Ärzte um Dr. Diana Londono Daten einer Befragung von knapp 38.000 Männern im Alter von 45 bis 69 Jahren.

Darin gaben die Männer über Zahl und Art ihrer Medikamente ebenso Auskunft wie über ihre erektile Funktion und ihre bekannten Krankheiten (BJU 2011; online 15. November).

Je mehr Pillen, desto schwächer die Potenz

Das Ergebnis: Die Frage, ob sie immer in der Lage sind, eine so starke Erektion zu bekommen, dass ein Geschlechtsverkehr möglich ist, bejahte die Hälfte jener Männer, die keine bis maximal zwei Arzneien nahmen. Von den Männern mit drei bis fünf Medikamenten waren es nur noch 43 Prozent, von denen mit sechs bis neun verschiedenen Arzneien 35 Prozent, bei zehn oder mehr Mitteln nur noch 24 Prozent.

Daraus ergab sich eine mehr als vierfach erhöhte Rate einer erektilen Dysfunktion (ED) bei Männern mit zehn und mehr Arzneien.

Übergewicht ein Hauptfaktor

Als einen der Hauptfaktoren machten die Ärzte Übergewicht fest. Dicke Männer hatten meistens kardiovaskuläre Risikofaktoren und benötigten auch die meisten Medikamente.

Vielleicht, so die Autoren, lassen sich dicke Männer zum Abspecken motivieren, wenn man ihnen klar macht, dass sie dann auch wieder mehr Spaß beim Sex haben können.

2,5-fach erhöhtes ED-Risiko bei Polypharmazie

In einem zweiten Schritt zogen die Urologen alle bekannten Faktoren mit ein, die eine ED begünstigen - vor allem die üblichen kardiovaskulären Risikofaktoren.

Doch auch wenn diese in der Berechnung berücksichtigt wurden, ergab sich nach dem Modell ein immer noch fast 2,5-fach erhöhtes ED-Risiko bei Polypharmazie mit zehn und mehr Medikamenten.

Weniger Pillen könnten Potenz steigern

Das Team um London folgert daraus, dass Ärzte bei ED-Patienten nicht nur den Bauchspeck, sondern auch mal die Medikation genauer betrachten sollten.

Das Absetzen bestimmter Mittel bei Polypharmazie oder eine Umstellung der Medikamente könnte vielleicht schon einiges zur Potenzsteigerung beitragen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praxistipps

Schulterschmerzen: Die vertrackte, ärztliche Spurensuche

Lesetipps
Im alten Praxisverwaltungssystem kennen Arzt, Ärztin und Team jeden Kniff. Nach dem Wechsel will vieles neu gelernt sein. Auf die Dauer kann es sich dennoch lohnen, sich für ein neues, modernes System zu entscheiden, wenn der Wechsel gut vorbereitet ist.

© kozirsky / stock.adobe.com

Kollegen-Tipps zum PVS-Umstieg

Praxisverwaltungssystem erfolgreich wechseln: Auf diese Punkte kommt es an

Ein medizinischer Pfleger schneidet einem älteren Patienten in der Klinik die langen Fußnägel.

© amfer75 / stock.adobe.com

Long-Toenail-Sign

Was lange Zehennägel bei älteren Patienten über die Gesundheit verraten

zwei Männer wählen aus einem Sortiment Autoreifen

© Fabian Sommer / dpa / picture alliance

Aut idem patentfreier rekombinanter Arzneimittel

Jetzt übernehmen Apotheken die Verantwortung für die wirtschaftliche Biological-Auswahl