Microsporidium MB

Pilz als Malaria-Bekämpfungsmittel denkbar

Ein in Anopheles-Populationen natürlicherweise vorkommender Pilz sorgt dafür, dass die Mücken nicht mit dem Malaria-Erreger kolonisiert werden können – dadurch könnte auch der Mensch geschützt werden.

Von Anne BäurleAnne Bäurle Veröffentlicht:
Die weibliche Anopheles-Mücke benötigt zur Eiablage mindestens eine menschliche oder tierische Blutmahlzeit.

Die weibliche Anopheles-Mücke benötigt zur Eiablage mindestens eine menschliche oder tierische Blutmahlzeit.

© PeterO / stock.adobe.com

Nairobi. Der einzellige Pilz Microsporidium MB, den Forscher gerade erst entdeckt haben, könnte Malaria auf natürliche Weise bekämpfen, berichten kenianische Wissenschaftler (Nat Comm 2020; 11:2187).

Denn der Parasit, der im Darm und den Ovarien der Überträgermücke Anopheles Sporen bildet, verhindert offenbar, dass die Mücke zeitgleich mit Plasmodium (P.) falciparum befallen werden kann.

Pilz verhindert Kolonisation der Speicheldrüsen

Entdeckt hatten ihn die Forscher bei einem Feldversuch in kenianischen Malaria-Hochrisikogebieten in mehreren Anopheles-Populationen, in denen er jeweils eine geringe bis moderate Prävalenz von 0 bis 9 Prozent hatte. In keiner dieser Mücken fanden sie gleichzeitig P. falciparium, woraus die Biologen folgerten, dass diese durch den Pilz vor einem Befall mit dem dem Malaria-Erreger geschützt sind.

In Laborversuchen mit Anopheles-Mücken, die den Pilz in sich trugen, stellte das Team um Dr. Jeremy Herren vom International Centre of Insect Physiology and Ecology fest, dass Microsporidium MB offenbar verhindert, dass die Speicheldrüsen der Anopheles-Mücke mit Sporozoiten des Malaria-Erregers kolonisiert werden können.

Biologisches Malaria-Bekämpfungsmittel

Negative Auswirkungen für die Mücke hat der Pilzbefall dabei wohl nicht: Die weiblichen Mücken legten ebenso viele Eier wie Mücken, die nicht von Microsporidium MB befallen waren, und auch ihre Lebensspannen waren ähnlich.

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass der Pilz von weiblichen Anopheles-Mücken mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von 40 bis 100 Prozent auf ihre Nachkommen übertragen wird – ein großer Vorteil für den Menschen, denn damit ließen sich langfristig immune Anopheles-Mücken züchten, die den Malaria-Erreger nicht auf den Menschen übertragen können.

Die Forscher schreiben, dass die mit dem Pilz befallenen Mücken oder auch nur die Sporen des Pilzes als biologisches Malaria-Bekämpfungsmittel eingesetzt werden könnten.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Claudia Vollbracht, Humanbiologin und medizinische Wissenschaftlerin beim Unternehmen Pascoe

© [M] Privat; Levan / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wie Vitamin-C-Infusionen bei COVID-19 helfen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe
Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Long-COVID

Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Impetigo bei einem fünf Jahre alten Kind.

© FotoHelin / stock.adobe.com

practica 2021

Bei Impetigo contagiosa ist Abstrich meist überflüssig

Gut ausgebildete Medizinische Fachangestellte werden immer häufiger aus den Praxen abgeworben, beklagt Virchowbund-Vorsitzender Dr. Dirk Heinrich. In der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie systemrelevant MFA sind.

© Virchowbund

MFA häufig abgeworben

Virchowbund-Chef: „Ein Arzt alleine ist noch keine Praxis!“

Will beim 125. Deutschen Ärztetag Vizepräsident der Bundesärztekammer werden: Dr. Günther Matheis, Thoraxchirurg und Kammerchef Rheinland-Pfalz.

© Ines Engelmohr

Exklusiv Dr. Günther Matheis im Interview

„Hedgefonds werden auch im KV-System zu einem Problem“