Jodversorgung der Bevölkerung

Plädoyer für mehr jodiertes Speisesalz in der Lebensmittelproduktion

Um die Jodversorgung zu verbessern, sollte die Anreicherung von Speisesalz mit Jod um 5mg/kg Salz angehoben werden. Das empfiehlt jetzt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

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Für eine adäquate Jodzufuhr in Deutschland ist es wichtig, dass mehr Hersteller der Lebensmittelindustrie und des -handwerks Jodsalz verwenden, betont das BfR.

Für eine adäquate Jodzufuhr in Deutschland ist es wichtig, dass mehr Hersteller der Lebensmittelindustrie und des Lebensmittelhandwerks Jodsalz verwenden, betont das BfR.

© mapoli-photo/stock.adobe.com

Frankfurt / Main Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer aktuellen Stellungnahme empfohlen, die Anreicherung von Speisesalz mit dem essenziellen Spurenelement Jod um 5 mg / kg Salz anzuheben. Damit würde der geltende Jodierungskorridor für Speisesalz von aktuell 15 bis 25 mg auf 20 bis 30 mg steigen, heißt es in einer Mitteilung des Arbeitskreises Jodmangel e.V. (AKJ) aus Anlass der Stellungnahme.

„Ein Schritt, den der Arbeitskreis Jodmangel bereits seit vielen Jahren fordert, um der Tendenz der rückläufigen Jodversorgung der Bevölkerung entgegenzuwirken“, wird Professor Thomas Remer, zweiter Vorsitzender des AKJ, in der Mitteilung zitiert.

„Diese Anhebung ist umso wichtiger, da das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die grundsätzlich begrüßenswerte Reduktion des individuellen Salzkonsums um zehn Prozent erreichen will.“ Dies würde allerdings zu einem weiter zunehmenden Jodmangel führen.

Jodversorgung nicht ausreichend und sogar rückläufig

Derzeit liegt der durchschnittliche Verzehr bei 9,3 g Salz pro Person und Tag. Um die mit der „Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie (NRI)“ des BMEL einhergehende verminderte Jodaufnahme zu kompensieren, braucht es geeignete Maßnahmen, zumal in Deutschland die Jodversorgung der Bevölkerung in weiten Teilen nicht ausreichend und sogar rückläufig ist.

„Neben der Erhöhung des Jodierungsgrades sollte auch eine Steigerung des Verwendungsgrades erfolgen“, so Remer. Eine adäquate Jodzufuhr in Deutschland kann selbst bei einer Erhöhung des Jodgehaltes um 5 mg / kg im Salz nur dann erreicht werden, wenn mehr Hersteller der Lebensmittelindustrie und des -handwerks Jodsalz verwenden.

Das sieht auch das BfR so und plädiert dafür, dass die Lebensmittelproduktion mehr jodiertes Speisesalz einsetzt. In seinen Ergebnissen kommt das Institut zu dem Fazit, dass eine Verwendungsquote von 36 bis 42 Prozent sachgerecht und sicher ist. Nach einer repräsentativen Erhebung der Justus-Liebig Universität Gießen liegt dieser Anteil aktuell bei lediglich 28,5 Prozent. (eb/otc)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Irene Gronegger

Warum diskutieren wir eigentlich immer noch über die Jodversorgung der Gesamtbevölkerung und der Durchschnittsperson? Der Bedarf und die Risiken sind doch recht unterschiedlich. Wer Morbus Basedow hat, braucht sicher kein Jodsalz.

Ein moderner Landwirt nimmt Bodenproben, bevor er den Acker düngt, damit er weiß, was tatsächlich fehlt. Die Medizin nimmt es beim Menschen nicht so genau. Warum gibt man sich damit zufrieden, statt individuelle Schwachstellen zu klären? Warum sollen sich Menschen mit Hashimoto und Basedow in die Rolle des Kollateralschadens fügen? Vielleicht aus Rücksicht auf die Eminenzen der PR-Kampagne "Arbeitskreis Jodmangel"?

Freundliche Grüße
Irene Gronegger
Ratgeber-Autorin
www.schilddruesen-unterfunktion.de


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