Schlaganfall

Pneumonie bei Schlaganfall unterschätzt

TORONTO (hem). Bei Patienten kurz nach einem Schlaganfall sollten Ärzte besonders auf Pneumonien achten: Denn das Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach dem Insult zu sterben, ist bei solchen Patienten um 50 Prozent erhöht.

Veröffentlicht: 26.05.2010, 14:14 Uhr
Ein Problem nach Apoplexie: S. pneumoniae. © Novartis Behring

Ein Problem nach Apoplexie: S. pneumoniae. © Novartis Behring

© Novartis Behring

Lungenentzündungen gehören bekanntlich zu den häufigsten Komplikationen nach ischämischem Insult. Eine Arbeitsgruppe um Dr. Olga Finlayson aus Toronto in Kanada hat jetzt auf dem Kongress der US-Neurologengesellschaft AAN neue Daten zu Risikofaktoren und zur Prognose nach einem Schlaganfall vorgelegt. Die Forscher wertete dazu Register-Daten des kanadischen Schlaganfall-Netzwerkes RCSN aus, die von Juli 2003 bis März 2007 erhoben wurden. Hier wurden radiografisch bestätigte Pneumonien erfasst, wenn sie innerhalb von 30 Tagen nach der Einlieferung in die Akutklinik aufgetreten waren.

Insgesamt analysierten die Forscher Daten von 8251 Patienten, von diesen erkrankten 587 (7,1 Prozent) an einer Pneumonie. Dabei stellte sich heraus, dass Pneumonien vor allem bei männlichen Insult-Patienten auftraten sowie bei über 80-Jährigen, bei Patienten mit Dysphagie, COPD, KHK oder solchen Patienten, die schon vor der Klinikeinweisung auf fremde Hilfe angewiesen waren.

30 Tage nach dem Insult waren 20 Prozent der Patienten mit Lungenentzündung gestorben, jedoch nur 13 Prozent der Patienten ohne Pneumonie. Und nach einem Jahr waren 37 Prozent der Pneumonie-Patienten und 24 Prozent der Insult-Patienten ohne Pneumonie tot. Auch für die Überlebenden ergaben sich Konsequenzen: So dauerte der Klinikaufenthalt mit Pneumonie durchschnittlich 19 Tage und 8 Tage ohne Pneumonie. Zudem waren deutlich mehr Pneumonie-Patienten nach der Entlassung aus der Akutklinik hilfsbedürftig (94 versus 61 Prozent) und deutlich mehr mussten in eine Langzeitpflege-Einrichtung überwiesen werden (16,4 versus 9,1 Prozent).

Die Daten bestätigen Ergebnisse deutscher Studien, wonach jeder dritte Todesfall bei Patienten unmittelbar nach dem Insult auf eine Pneumonie zurückzuführen ist.

Mehr zum Thema

22 Empfehlungen

Interdisziplinäre Leitlinie zu Großgefäßvaskulitiden

Vorsicht bei extrem hohen Ausgangswerten

Aggressive Drucksenkung bei Hirnblutung kann schädlich sein

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Vitamin C – ein Must-Have fürs Immunsystem

Immunmodulation

Vitamin C – ein Must-Have fürs Immunsystem

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Viele Menschen leiden unter chronischen Rückenschmerzen. Aber ab wann gilt eine Krankheit als chronisch? Frankfurter Wissenschaftler wollen Licht ins Dunkel bringen.

Report der Uni Frankfurt

„Chronisch krank“ ist kein definierter Begriff

Gesichtsmasken können dazu beitragen, dass die Träger die Abstandsregeln missachten,

COVID-19-Splitter

Schwangere sind besonders gefährdet

Muster auf Basis des Maschinellen Lernens erkennen, ist eine Stärke, die Künstliche Intelligenz zum Beispiel bei der Diagnostik einbringen könnte.

Enquete-Kommission

Der Arzt steht über der Künstlichen Intelligenz