Der Standpunkt

Polemik hilft nicht weiter

Krebspatienten werden in Deutschland vorbildlich versorgt, es gibt aber große Unterschiede. Publikumsmedien berichten darüber zu undifferenziert, meint Philipp Grätzel von Grätz - den Patienten hilft das nicht.

Veröffentlicht:
Der Autor ist freier Mitarbeiter der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie uns: med@aerztezeitung.de

Der Autor ist freier Mitarbeiter der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie uns: med@aerztezeitung.de

© privat

Große Kongresse werden oft von meinungsstarken Experten genutzt, um große Thesen zu formulieren. Pünktlich zum Deutschen Krebskongress erschien daher ein dezidiert kritischer, manche sagen polemischer Fachbeitrag zur onkologischen Versorgung in Deutschland, der von Publikumsmedien aufgegriffen und nicht immer ausreichend reflektiert wurde.

Solche Beiträge sind wenig hilfreich, wenn sie keine konkreten Defizite diskutieren, sondern in der für Patienten irrelevanten Frage gipfeln, ob es Sinn macht, dass Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Krebshilfe zwei getrennte Organisationen sind. Da gibt es wichtigere Punkte.

In der Versorgung geht es darum, die zertifizierten Krebszentren voranzutreiben. Bei vielen Tumoren wird derzeit zu viel, bei anderen eher zu wenig operiert. Auch bei der Strahlentherapie wird vielerorts übertrieben.

Gegen solche Unterschiede helfen Standards und Qualitätsindikatoren, die systematisch überprüft werden, sprich: Zentren. Das Ziel, bis zum Jahr 2020 möglichst alle Krebspatienten in Zentren zu behandeln, ist ehrgeizig, aber (noch) erreichbar, sofern sich die Entscheidungsträger ins Zeug legen.

Deutschland muss zudem die Frage beantworten, wie es sich die Zukunft der klinischen Krebsforschung vorstellt. Bei der Grundlagenforschung und bei der frühen translationalen Forschung ist das Land gut aufgestellt. Mittel für eine industrieunabhängige klinische Forschung zu akquirieren ist dagegen nach wie vor eine Sisyphusarbeit.

Auch medizinische Fragen harren auf Antwort: Wie ist der Stellenwert der Genome-Assays bei der Prognoseabschätzung? Welche Konsequenzen hat das für adjuvante Therapien? Wie groß sind die Herausforderungen wirklich, die mit der zunehmenden Zahl an Langzeitüberlebenden einhergehen? Welche Versorgungsangebote brauchen sie?

Es gibt also genug konkrete Ansätze für eine verbesserte onkologische Versorgung in Deutschland. Das heißt aber nicht, dass diese Versorgung, die international nach wie vor beispielhaft ist, erst einmal undifferenziert schlechtgeredet werden muss.

Schreiben Sie der Redaktion: med@aerztezeitung.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Bestätigung der Ergebnisse internationaler Studien

Kutane Melanome: Prognose im Stadium IIC schlechter als im Stadium IIIA

Stiftung Lebensblicke

Darmkrebs bei jungen Menschen: Entwarnung für Deutschland

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Chronische Wunden

Wundauflagen klug auswählen. So geht´s!

Depression, Angst, Schmerzen

Was zeichnet „schwierige“ Patientinnen und Patienten aus?

Lesetipps
Ein Impfbuch.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Robert Koch-Institut

Impfkalender für 2026: Die Neuerungen im Überblick

Männer spielen Beachvolleyball

© LuneVA/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Arzt-Patienten-Gespräch

© mangostock / stock.adobe.com

Interview

Wie die hausärztliche Nachsorge onkologischer Patienten gelingen kann