Haut-Krankheiten

Politiker wollen Positivliste für Tattoo-Farben

BERLIN/STUTTGART (dpa). Tätowierungen werden beliebter - gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Doch Gesundheitsrisiken müssten viel genauer in den Blick genommen werden, mahnen Experten. Nun will die Politik strengere Vorschriften angehen.

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Ein Tattoo für die Ewigkeit - mit Langzeitfolgen: Die Tätowierfarbe und auch die Entfernung des Tattoos können gefährlich sein.

Ein Tattoo für die Ewigkeit - mit Langzeitfolgen: Die Tätowierfarbe und auch die Entfernung des Tattoos können gefährlich sein.

© dpa

Richtig szenetypisch klingt es nicht: "Tätowiermittel sind Stoffe, die zur Beeinflussung des Aussehens in oder unter die menschliche Haut eingebracht werden, um dort, auch vorübergehend, zu verbleiben." Die nüchterne Definition steht in einer Initiative, die jetzt über den Bundesrat mehr Gesundheitsschutz vor allem für junge Leute anstoßen soll - mit strengeren Vorschriften für Farbstoffe, die sie als Tattoos klein auf dem Oberarm oder quer über den Rücken tragen.

Experten warnen schon lange vor bedenklichen Substanzen in Verzierungen. Auch Langzeitfolgen sind noch unbekannt.

Es sei doch unverständlich, "dass für Farbstoffe, die zum Beispiel als Lidschatten vorübergehend und äußerlich auf die Haut aufgebracht werden, höhere Sicherheitsgrundsätze gelten", sagt Baden-Württembergs Verbraucherminister Alexander Bonde (Grüne).

An diesem Freitag will er deswegen eine Entschließung in die Länderkammer einbringen. Und auch das Bundesverbraucherministerium hat das Thema aufgegriffen und lässt wissenschaftliche Kriterien für mehr Sicherheit ausarbeiten.

Jeder zehnte Deutsche ist tätowiert

Mit rasanten Modetrends konnten die staatlichen Gesundheitswächter schon bisher kaum Schritt halten. Etwa jeder zehnte Deutsche ist nach Schätzungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) inzwischen tätowiert, bei den 16- bis 29-Jährigen sogar fast jeder vierte.

Die rechtlichen Grundlagen für das boomende Geschäft in Tattoostudios waren aber lange Zeit eher allgemein - aufgeführt im Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch, das auch für Kosmetika gilt. Seit 2009 gibt es eine spezielle Verordnung, die Kennzeichnungen regelt und verbotene Stoffe auflistet.

Dass Tätowierungen Nebenwirkungen haben können, ist für Experten nicht neu. Oft kommt es zu allergischen Reaktionen, haben die BfR- Fachleute beobachtet - meist wegen metallhaltiger Bestandteile im Tätowiermittel. Farbmischungen könnten aber auch Schwermetalle oder möglicherweise krebserzeugende Substanzen erhalten, die für Kosmetik bereits verboten sind. Tierversuche zeigten, dass Pigmente durch den Körper wandern können.

Chemiker in Baden-Württemberg fanden bei einer Analyse von 38 Farbproben heraus, dass in 18 Prozent schädliche Stoffe wie Phenol waren. Zwei Drittel enthielten Substanzen, die zur Verwendung als Tätowiermittel nicht fachmännisch bewertet sind.

Autolackfarbe "Ferrari Rot" wird verwendet

Als krasses Beispiel gilt ein Pigment, das auch als Autolackfarbe "Ferrari Rot" vermarktet wird. "Wir können es nicht zulassen, dass Farbpigmente, die für technische Zwecke entwickelt wurden, anstandslos für Tattoos verwendet werden", sagt der Stuttgarter Minister Bonde.

Eine zentrale Forderung ist denn auch, eine Positivliste mit unbedenklichen Stoffen zu erstellen. Die Forscher des BfR weisen außerdem darauf hin, dass Methoden zur späteren Entfernung eines Tattoos weitere Risiken bergen können - wenn dies nicht per Laser, sondern etwa mit Lösungen gemacht wird, die eine hohe Konzentration an Milchsäure enthalten. Die kann Reizwirkungen auslösen.

Bei Krankenkassen spielen Probleme mit Tätowierungen bisher keine größere Rolle. Wie hoch die Zahl an Entfernungen und Komplikationen ist, lasse sich auf der jetzigen Datenbasis kaum erkennen, heißt es beim Marktführer Barmer GEK.

Unter 8,6 Millionen Versicherten gab es zuletzt etwa 500 Fälle im Jahr - aber insgesamt für Krankheiten, die aus Schönheitsoperationen, Piercings oder Tätowierungen resultieren.

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