Direkt zum Inhaltsbereich

Primärprävention und Sekundärprävention

Prävention bedeutet konsequente Senkung wichtiger Risikofaktoren

Bei Primär- und Sekundärprävention von Hirninfarkten haben Hausärzte die Schlüsselrolle. Zur effektiven Sekundärprävention gehört eine optimale Pharmakotherapie.

Veröffentlicht:

Grundsätzlich gilt für die Primär- und Sekundärprävention: zentral ist die Blutdrucksenkung. Eine Altersgrenze gibt nicht: Selbst bei Hypertonikern über 80 Jahren ist die Schlaganfallrate signifikant zu senken, wie die Studie HYVET (Hypertension in the Very Elderly Trial) ergeben hat. Nach Leitlinien der Europäischen Hypertoniegesellschaft werden für Hypertoniker mit hohem kardiovaskulärem Risiko - etwa Schlaganfall-Patienten - Blutdruckwerte von unter 130 / 80 mmHg empfohlen.

Aus einigen Studien sind Hinweise zum Vorteil von Sartanen abzuleiten. In der LIFE-Studie hatte bei Patienten mit linksventrikulärer Hypertrophie Losartan im Vergleich zu Atenolol die Schlaganfallrate um 25 Prozent stärker gesenkt. Bei Hypertonikern mit Apoplexie oder TIA hatte es in der Studie MOSES (Morbidity and Mortality after Stroke, Eprosartan Compared with Nitrendipine for Secondary Prevention) mit Eprosartan 25 Prozent weniger zerebrovaskuläre Ereignisse als mit Nitrendipin gegeben.

Auch mit Valsartan war in der Jikei-Heart-Studie die Schlaganfallrate im Vergleich zur Standardtherapie um 40 Prozent vermindert - bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen. Auch bei Olmesartan gibt es Hinweise auf Organschutz. Ob auch Telmisartan vor Schlaganfall schützt, wird die ProFESS-Studie belegen.

Diese Studie, deren Ergebnisse am Mittwoch bei der Schlaganfall-Konferenz in Nizza vorgestellt wird, soll die optimale plättchenhemmende Therapie - Dipyridamol retardiert plus ASS versus Clopidogrel - zur Schlaganfallprophylaxe klären. Derzeit gilt nach den Leitlinien: Die plättchenhemmende Therapie richtet sich nach dem jährlichen Re-Insult-Risiko. Es wird mit dem "Essen-Risiko-Score" bestimmt. Bei einem Risiko von unter vier Prozent genügen 50 bis 150 mg ASS, ab vier Prozent plus pAVK 75 mg Clopidogrel. Sonst werden ab vier Prozent 50 mg ASS plus 400 mg Dipyridamol empfohlen.

Zudem sollte ein Statin Bestandteil der Sekundärprophylaxe von Apoplexie-Patienten sein, haben Daten zu Atorvastatin belegt. Beim "Essen-Risiko-Score" gibt es pro Risikofaktor einen Punkt: Alter zwischen 65 bis 75, Bluthochdruck, Diabetes, Infarkt, kardiovaskuläre Ereignisse (außer Infarkt und Vorhofflimmern), pAVK, Rauchen, TIA oder Insult. Ab 75 Jahren gibt es zwei Punkte. Das jährliche Schlaganfall-Risiko beträgt:

  • bei null Punkten ein Prozent,
  • bei einem Punkt zwei Prozent,
  • bei zwei Punkten drei Prozent,
  • bei drei Punkten fünf Prozent,
  • bei vier Punkten sechs Prozent,
  • bei fünf Punkten sieben Prozent,
  • bei sechs Punkten zehn Prozent.

Unter vier Prozent ist das Risiko niedrig, über vier Prozent hoch. (Rö)

Lesen Sie dazu auch:

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Datenbankstudie

Wann DOAK wieder ansetzen nach Darmspiegelung?

Akuter ischämischer Insult oder TIA

Schützt GLP-1-Rezeptoragonist vor frühen Schlaganfall-Rezidiven?

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Robert Koch-Institut

STIKO lockert Impfempfehlungen gegen COVID-19

Lesetipps
PMOS als Buchstaben

© Someone Cooked Here / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neue Terminologie

Warum PCOS zu PMOS wurde und was das mit Diabetes zu tun hat

Schlange wartender Patienten am Praxisempfang

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Einschätzung von Kollegen

Wenn die Telefon-AU wegfällt: Was das für den Praxisalltag bedeutet

Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen