Schmerzkongress der DGS

Praxisleitlinie Cannabis: Diese Indikationen sind möglich

Noch immer gibt es nur wenige kontrollierte Studien zum Einsatz von Cannabis in der Medizin. Orientierung will die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin jetzt mit einer Praxisleitlinie bieten. Diese steht aktuell zur Kommentierung im Netz.

Von Hauke GerlofHauke Gerlof Veröffentlicht:
Verordnung von Cannabinoiden: Mögliche Indikationen sind in drei Evidenzgrade eingeteilt worden.

Verordnung von Cannabinoiden: Mögliche Indikationen sind in drei Evidenzgrade eingeteilt worden.

© eight8 / stock.adobe.com

FRANKFURT/MAIN. Auch ein Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Verordnung von Cannabis auf BtM-Rezept sind viele Ärzte noch unsicher, bei welchen Indikationen Cannabinoide verordnet werden können. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat daher eine Praxisleitlinie entwickelt. Beim Schmerz- und Palliativtag wurde sie vor- und zur Diskussion gestellt. Sie solle Ärzten bei der Verordnung von Cannabinoiden Orientierung bieten, sagte der neu gewählte Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), Dr. Johannes Horlemann, in Frankfurt am Main. Horlemann ist einer der Autoren der Leitlinie.

Diese soll nicht nur randomisierte kontrollierte Studien als Basis haben, sondern auch die Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen mit Cannabinoiden berücksichtigen. Der "medical need" der Patienten in vielen Indikationen, für die Cannabinoide eine Rolle spielen können, sei so hoch, dass es im Sinne einer patientenzentrierten Medizin "unzumutbar erschiene, auf größere Studien zu warten", heißt es im Entwurf der Leitlinie.

Die Autoren der Leitlinie haben auf 85 wissenschaftliche Publikationen, Veröffentlichungen von Behörden oder Expertenmeinungen und auf 258 Artikel in PubMed zurückgegriffen und in die Studie einfließen lassen. Je nach Evidenzgrad zu in Frage kommenden Indikationen gibt die Praxisleitlinie Empfehlungen für die Verordnung von Cannabinoiden nach Grad A (Daten aus mehreren, randomisierten klinischen Studien oder Meta-Analysen), Grad B (Daten aus einer randomisierten Studie oder mehreren großen nicht randomisierten Studien) oder Grad C (Konsensusmeinungen von Experten oder kleine Studien oder Registerdaten).

Diese Krankheitsbilder umfassen die Empfehlungsgrade

  • Empfehlungsgrad A: Indikationen chronischer Schmerz, Tumorschmerz, nichttumorbedingter Schmerz, neuropathischer Schmerz, Schlafstörungen bei chronischem Schmerz und spastischer Schmerz bei MS
  • Empfehlungsgrad B: Untergewicht, Appetitlosigkeit/Kachexie, Morbus Crohn (Schmerz und Gewicht), Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie
  • Empfehlungsgrad C: viszeraler Schmerz, Tourette-Syndrom, rheumatologisch ausgelöster Schmerz

Die Behandlung bei neuropsychiatrischen Erkrankungen im Rahmen der schmerzmedizinischen Betreuung könne derzeit aufgrund der Studienlage nicht empfohlen werden, heißt es im Entwurf der Praxisleitlinie.

Ärzte, Patienten und Apotheker sind aufgerufen, die Praxisleitlinie nun aus eigenen Erfahrungen heraus zu kommentieren. Im Netz ist die Leitlinie abrufbar unter dgs-praxisleitlinien.de/index.php/leitlinien/cannabis

Verordnung von Cannabinoiden

Folgende gesetzliche Voraussetzungen für die Cannabis-Verordnung stehen in Paragraf 31 Absatz 6 SGB V:

  1. Der Versicherte muss an einer schwerwiegenden Erkrankung leiden.
  2. Eine Leistung, die dem medizinischen Standard entspricht, steht nicht zur Verfügung, sie ist mangelhaft wirksam oder wird nicht vertragen.
  3. Eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf besteht.
Mehr zum Thema

EBM-Abrechnung

Mehr Abrechnungsspielraum für Schmerzpatienten

Das könnte Sie auch interessieren
Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Management tumorassoziierter VTE

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige | Leo Pharma GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Das Bundesverfassungsgericht hat das Recht auf selbstbestimmtes Sterben in jeder Lebensphase, auch ohne Krankheit, betont. Ärzte wollen nun ein starkes Signal senden, dass der ärztlich assistierte Suizid keine ärztliche Aufgabe ist.
Update

Berufsrecht beim DÄT

Ärztetag hebt Verbot der Suizidbeihilfe auf

Die COVID-Impfung bei Schwangeren könnte sich lohnen: Allein das Frühgeburtsrisiko liegt bei SARS-CoV-2 positiv getesteten Frauen bis zu 80 Prozent höher als bei gesunden.

Elf Fachverbände einig

Frauenärzte empfehlen COVID-19-Impfung für Schwangere

Apathie, Gleichgültigkeit - kommt es plötzlich zu ungewohntem Verhalten, kann dies vielleicht auch der Beginn einer Demenz sein.

Tagung der amerikanischen Psychiatervereinigung APA

Hohes Demenzrisiko bei Patienten mit Verhaltensänderungen