Cochrane-Analyse

Probiotika können Clostridien-Diarrhö verhindern

Probiotika wirken prophylaktisch gegen Clostridien-assoziierte Durchfälle nach einer Antibiotikatherapie. Dafür gibt es jetzt zumindest mittelgradige Evidenz aus einer Cochrane- Analyse. Unklar bleibt, welche Lactobacillus-Arten am besten wirken.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht: 23.09.2013, 07:11 Uhr
Probiotika können Clostridien-Diarrhö verhindern

REM: C. difficile ist ein sporen- und toxinbildendes Stäbchenbakterium.

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SEATTLE / USA. Experten des Cochrane-Instituts haben 23 randomisierte kontrollierte Studien (RCT) mit über 4.000 Teilnehmern gesichtet (The Cochrane Library 2013; 5f).

Demnach lässt sich die Wahrscheinlichkeit, nach einer Antibiotikatherapie an einer mit dem Darmbakterium Clostridium difficile assoziierten Diarrhö (CDAD) zu erkranken, durch die Einnahme von Probiotika um 64 Prozent reduzieren (RR = 0,36; 95% KI 0,26-0,51).

Die Ergebnisse gelten offenbar sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Eine Dosisabhängigkeit wurde nicht gefunden.

Zwischen verschiedenen Zubereitungen - die in den Studien getesteten Probiotika enthielten unter anderem Lactobacillus casei, acidophilus oder rhamnosus - war zumindest in einer Subanalyse kein Unterschied zu erkennen.

Weniger Bauchkrämpfe und Übelkeit

Was die Aussagekraft der Gesamtstudie schmälert, ist nach Joshua Z. Goldenberg und Kollegen von der Cochrane Collaboration ein nicht unerhebliches Verzerrungsrisiko, bedingt durch fehlende Daten in teilweise erheblichem Umfang (bis zu 45 Prozent) in 16 der 23 zugrundeliegenden Studien, sowie eine geringe Ereignisrate von insgesamt nur 154 CDAD-Fällen.

Man hätte etwa doppelt so viele Teilnehmer aufnehmen müssen, um hinreichende Informationen zu gewinnen, so die Forscher um Goldenberg.

Dennoch: Mit einer Probiotikaprophylaxe parallel zur Antibiotikatherapie könne man nach der derzeitigen Datenlage pro 1000 Patienten 35 CDAD-Episoden vermeiden, schreiben die Forscher. Nur 2 Prozent der Patienten unter Probiotika entwickelten eine Clostridien-Diarrhö, im Gegensatz zu knapp 6 Prozent unter Placebo.

Die Probiotikaanwender litten zudem deutlich weniger unter Bauchkrämpfen, Übelkeit, Fieber, weichem Stuhl, Flatulenz oder Geschmacksstörungen (13,7 gegenüber 18,7 Prozent).

Das Urteil der Gruppe lautet abschließend: Probiotika sind in der Anwendung sicher, für ihre Wirksamkeit gegen CDAD wird eine mittelgradige Evidenz attestiert, nicht mehr und nicht weniger.

"Functional Food" ist machtlos

C. difficile ist ein sporen- und toxinbildendes Stäbchenbakterium, das vor allem bei nosokomialen Diarrhöen eine Rolle spielt. Etwa 3 Prozent der Normalbevölkerung tragen das Bakterium im Darm, ohne daran zu erkranken.

Bei Klinikpatienten steigt dieser Anteil auf etwa 40 Prozent. Insbesondere unter Antibiotikatherapie kann es jedoch zu massenhafter Vermehrung und Toxinbildung mit teilweise lebensbedrohlichen Durchfällen kommen. In Deutschland sterben jährlich etwa 400 Menschen an einer Clostridien-assoziierten Diarrhö.

Wie die Cochrane-Studie zeigt, können Probiotika zwar die Clostridien-Diarrhö verhindern. Gegen die Infektion, also die Kolonisation der Darmschleimhaut mit C. difficile, ist das "Functional Food" dagegen machtlos.

Wer während der Antibiotikatherapie probiotikahaltige Lebensmittel zu sich nahm, infizierte sich nur um 11 Prozent seltener als die Vergleichsgruppen unter Placebo oder ohne Therapie: ein nicht signifikanter Unterschied.

Die Experten fordern nun weitere Studien, vor allem auch Kopf-an-Kopf-Vergleiche, um herauszufinden, welche Lactobacillus-Arten am wirksamsten sind.

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