Direkt zum Inhaltsbereich

Cochrane-Analyse

Probiotika können Clostridien-Diarrhö verhindern

Probiotika wirken prophylaktisch gegen Clostridien-assoziierte Durchfälle nach einer Antibiotikatherapie. Dafür gibt es jetzt zumindest mittelgradige Evidenz aus einer Cochrane- Analyse. Unklar bleibt, welche Lactobacillus-Arten am besten wirken.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
REM: C. difficile ist ein sporen- und toxinbildendes Stäbchenbakterium.

REM: C. difficile ist ein sporen- und toxinbildendes Stäbchenbakterium.

© Your_Photo_Today

SEATTLE / USA. Experten des Cochrane-Instituts haben 23 randomisierte kontrollierte Studien (RCT) mit über 4.000 Teilnehmern gesichtet (The Cochrane Library 2013; 5f).

Demnach lässt sich die Wahrscheinlichkeit, nach einer Antibiotikatherapie an einer mit dem Darmbakterium Clostridium difficile assoziierten Diarrhö (CDAD) zu erkranken, durch die Einnahme von Probiotika um 64 Prozent reduzieren (RR = 0,36; 95% KI 0,26-0,51).

Die Ergebnisse gelten offenbar sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Eine Dosisabhängigkeit wurde nicht gefunden.

Zwischen verschiedenen Zubereitungen - die in den Studien getesteten Probiotika enthielten unter anderem Lactobacillus casei, acidophilus oder rhamnosus - war zumindest in einer Subanalyse kein Unterschied zu erkennen.

Weniger Bauchkrämpfe und Übelkeit

Was die Aussagekraft der Gesamtstudie schmälert, ist nach Joshua Z. Goldenberg und Kollegen von der Cochrane Collaboration ein nicht unerhebliches Verzerrungsrisiko, bedingt durch fehlende Daten in teilweise erheblichem Umfang (bis zu 45 Prozent) in 16 der 23 zugrundeliegenden Studien, sowie eine geringe Ereignisrate von insgesamt nur 154 CDAD-Fällen.

Man hätte etwa doppelt so viele Teilnehmer aufnehmen müssen, um hinreichende Informationen zu gewinnen, so die Forscher um Goldenberg.

Dennoch: Mit einer Probiotikaprophylaxe parallel zur Antibiotikatherapie könne man nach der derzeitigen Datenlage pro 1000 Patienten 35 CDAD-Episoden vermeiden, schreiben die Forscher. Nur 2 Prozent der Patienten unter Probiotika entwickelten eine Clostridien-Diarrhö, im Gegensatz zu knapp 6 Prozent unter Placebo.

Die Probiotikaanwender litten zudem deutlich weniger unter Bauchkrämpfen, Übelkeit, Fieber, weichem Stuhl, Flatulenz oder Geschmacksstörungen (13,7 gegenüber 18,7 Prozent).

Das Urteil der Gruppe lautet abschließend: Probiotika sind in der Anwendung sicher, für ihre Wirksamkeit gegen CDAD wird eine mittelgradige Evidenz attestiert, nicht mehr und nicht weniger.

"Functional Food" ist machtlos

C. difficile ist ein sporen- und toxinbildendes Stäbchenbakterium, das vor allem bei nosokomialen Diarrhöen eine Rolle spielt. Etwa 3 Prozent der Normalbevölkerung tragen das Bakterium im Darm, ohne daran zu erkranken.

Bei Klinikpatienten steigt dieser Anteil auf etwa 40 Prozent. Insbesondere unter Antibiotikatherapie kann es jedoch zu massenhafter Vermehrung und Toxinbildung mit teilweise lebensbedrohlichen Durchfällen kommen. In Deutschland sterben jährlich etwa 400 Menschen an einer Clostridien-assoziierten Diarrhö.

Wie die Cochrane-Studie zeigt, können Probiotika zwar die Clostridien-Diarrhö verhindern. Gegen die Infektion, also die Kolonisation der Darmschleimhaut mit C. difficile, ist das "Functional Food" dagegen machtlos.

Wer während der Antibiotikatherapie probiotikahaltige Lebensmittel zu sich nahm, infizierte sich nur um 11 Prozent seltener als die Vergleichsgruppen unter Placebo oder ohne Therapie: ein nicht signifikanter Unterschied.

Die Experten fordern nun weitere Studien, vor allem auch Kopf-an-Kopf-Vergleiche, um herauszufinden, welche Lactobacillus-Arten am wirksamsten sind.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren