Hauterkrankungen

Psychische Komponente überfordert viele Dermatologen

Haut und Psyche hängen eng miteinander zusammen. Doch viele Dermatologen trauen sich an die seelischen Problemen ihrer Patienten nicht ran. Die Folge: Häufig bleiben die psychischen Symptome unbehandelt.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Hautkrankheiten wie zum Beispiel eine Akne können enorm auf der Psyche lasten.

Hautkrankheiten wie zum Beispiel eine Akne können enorm auf der Psyche lasten.

© Katie Little/fotolia.com

MASSACHUSETTS. Obwohl viele Dermatologen davon ausgehen, dass sie eine Hautkrankheit mit psychischer Komponente richtig diagnostizieren können, trauen sie sich die Behandlung der psychischen Symptome meist nicht so recht zu.

Trotz dieser Einsichten werden aber nur 16 Prozent der Patienten, denen eine psychiatrische Behandlung möglicherweise nutzen könnte, an den entsprechenden Fachkollegen überwiesen. Dies ergab die Untersuchung amerikanischer Dermatologen, die ihre Kollegen befragten.

Psychische Belastungen können sich in Hautsymptomen zeigen, umgekehrt können Hauterkrankungen aber auch enorm auf der Psyche lasten. Unter die primär psychischen Erkrankungen mit Hautmanifestation fallen etwa die Dermatillomanie, die Dysmorphophobie oder der Parasitenwahn.

Zu den Hauterkrankungen, die sich bei Stress verschlechtern, zählt die atopische Dermatitis und zu den primären Hauterkrankungen mit sekundären psychischen Symptomen gehört beispielsweise eine Akne, die eine Depression auslöst.

Die Prävalenz psychischer Komorbiditäten bei ambulanten dermatologischen Patienten wird auf 25 bis 30 Prozent geschätzt. Bei Patienten mit Dysmorphophobie geht man von einer Lebenszeitprävalenz von 74 Prozent für eine Depression aus.

Obwohl Dermatologen also ständig auch mit der Psyche ihrer Patienten konfrontiert sind, sehen sie sich deren seelischen Problemen oft nicht wirklich gewachsen.

40 Hautärzte in den USA online befragt

Um herauszufinden, woran es hapert, befragten US-Autoren von Juli 2010 bis Oktober 2011 per Online-Fragebogen insgesamt 40 Dermatologen am Massachusetts General Hospital und am Brigham and Women's Hospital in Boston (JAAD 2012; online first 3 September).

Mehr als jeder Zweite traute es sich ohne Weiteres zu, acht bis zehn psychokutane Erkrankungen zu diagnostizieren. So sahen sich beispielsweise 87 Prozent der Befragten dazu in der Lage, eine Dermatillomanie zu erkennen, 83 Prozent eine Trichotillomanie und 80 Prozent einen Dermatozoenwahn.

Unsicherer wurden die Hautärzte bei einer Borderline-Erkrankung oder einer Psychose. Hier glaubte nur noch jeder Zehnte an seine Kompetenz und selbst die Diagnose einer Depression trauten sich nur 57 Prozent zu.

Angststörungen oder eine Dermatillomanie glaubten die meisten Dermatologen erfolgreich behandeln zu können (42 bzw. 38 Prozent). Dennoch verschrieben sie nur selten Psychopharmaka. So hatten 72 Prozent noch nie ein Antidepressivum verordnet.

Ähnliche Berührungsängste bestanden bei Antipsychotika (69 Prozent) und Anxiolytika (75 Prozent). Gegen neuropathische Schmerzen dagegen hatte jeder dritte Hautarzt schon oft und fast jeder zweite selten ein Rezept ausgestellt. Doch auch diejenigen, die Psychopharmaka verschrieben, fühlten sich meist nicht wirklich wohl dabei.

Wacher diagnostischer Blick

Fazit der Autoren: Fast drei Viertel der Befragten glauben, dass Patienten von einer multidisziplinären psychodermatologischen Behandlung profitieren könnten.

Ist eine solche Kooperation nicht möglich, sollten auffällige Patienten unbedingt in der Psychiatrie vorgestellt werden. Leider scheitert dies oft auch an der Bereitschaft der Patienten.

Besonders im Hinblick auf eine Depression kann ein wacher diagnostischer Blick nicht nur hilfreich, sondern mitunter sogar lebensrettend für den Patienten sein.

Um die adäquate Behandlung von dermatologischen Patienten mit psychischer Komponente zu gewährleisten, so die US-amerikanischen Autoren, müssen sich Dermatologen entweder mehr mit den Therapiemöglichkeiten auseinandersetzen oder Patienten häufiger an entsprechende Fachkollegen überweisen.

Quelle: www.springermedizin.de

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