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Interview

Rauchen schützt nicht vor Psoriasis-Arthritis!

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Der Pathomechanismus der Psoriasis-Arthritis ist komplex. So bestimmen zahlreiche Faktoren, ob ein Psoriasis-Patient auch Gelenksymptome erleidet. Rauchen ist jedenfalls kein Schutzfaktor, wie neue, von Professor Klaus Krüger aus München präsentierte Daten beim Praxis Update belegen werden.

Bei 70 Prozent der Patienten mit Psoriasis-Arthritis geht die Hauterkrankung der Gelenkerkrankung voraus.

Bei 70 Prozent der Patienten mit Psoriasis-Arthritis geht die Hauterkrankung der Gelenkerkrankung voraus.

© shutterstock

Ärzte Zeitung: Herr Professor Krüger, wie groß ist das Risiko, dass ein Psoriasis-Patient auch Gelenksymptome bekommt?

Professor Klaus Krüger: Etwa 20 bis 30 Prozent der Psoriasis-Patienten entwickeln auch eine Psoriasis-Arthritis, in etwa einem Viertel dieser Fälle wiederum kann auch die Wirbelsäule entzündlich mitbeteiligt sein und eine Sakroiliitis oder Spondylitis vorliegen.

Ärzte Zeitung: Geht bei Psoriasis- Arthritis immer die Haut- der Gelenkerkrankung voraus?

Krüger: Das ist zwar bei 70 Prozent der Patienten der Fall, aber bei immerhin je 15 Prozent sind Haut und Gelenke gleichzeitig betroffen beziehungsweise ist die Gelenkbeteiligung die Erstmanifestation.

Ärzte Zeitung: Welche Risikofaktoren sind bedeutsam?

Krüger: Die genetische Prädisposition spielt eine wichtige Rolle. Exogene Faktoren, möglicherweise mikrobielle Erreger, sorgen wahrscheinlich dafür, dass daraus tatsächlich eine Erkrankung wird. Weitere Faktoren wie etwa Stress können den Verlauf modulieren.

Ärzte Zeitung: Stimmt es tatsächlich, dass Rauchen bei dieser Erkrankung eher ein Schutzfaktor ist?

Krüger: Wir wissen mit Sicherheit, dass Komorbiditäten wie koronare Herzerkrankung einerseits bei Psoriasis gehäuft auftreten und andererseits durch Rauchen massiv negativ beeinflusst werden. Ebenso wird die Psoriasis-Arthritis definitiv durch Rauchen verschlimmert sowie das Ansprechen auf die Therapie verringert.

In einer früheren Kohortenstudie wurde postuliert, dass die reine Psoriasis bei Rauchern seltener auftritt - selbst das ist ein Irrtum: In einer brandaktuellen Kohortenstudie mit mehr als 185.000 Teilnehmern (Nurses Health Study) fand sich ein signifikanter qualitativer und quantitativer direkter Bezug zwischen Rauchen und Psoriasisrisiko!

Ärzte Zeitung: Worauf sollte der Dermatologe oder der Hausarzt bei Psoriasis-Patienten achten?

Krüger: Wichtig ist, überhaupt an die Möglichkeit einer Arthritis zu denken und entsprechende Beschwerden zu erfragen - ob persönlich oder mittels eines Fragebogens, ist nicht entscheidend. Bei Verdachtsmomenten sollte eine Überweisung zum Rheumatologen erfolgen. Wer selbst ein Sonografie-Screening durchführen möchte, sollte zuvor eine umfassende Schulung absolvieren.

Das Interview führte Simone Reisdorf.

Professor Klaus Krüger

Aktuelle Position: Internist / Rheumatologe im Praxiszentrum St. Bonifatius in München.

Werdegang / Ausbildung: 1968 - 1974 Studium der Humanmedizin an der LMU München; 1978 Dissertation; 1990 Habilitation an der Medizinischen Fakultät der LMU München; 1985 Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin; Zusatzqualifikation Internistische Radiologie; 1986 Anerkennung als Rheumatologe

Forschungsschwerpunkte: Experimentelle Therapieformen der rheumatoiden Arthritis, Sjögren-Syndrom

16 CME-Punkte für das Praxis Update

Das Praxis Update findet an vier Orten und zwei Terminen statt: am 27. und 28. April 2012 in Berlin und München, am 4. und 5. Mai 2012 in Wiesbaden und Köln. Für das Praxis Update 2012 wird bei den jeweiligen (Landes-) Ärztekammern die Zertifizierung als Fortbildung der Kategorie A beantragt. Für die Teilnahme an beiden Tagen gab es bisher 16 CME-Punkte. Weitere Informationen unter: www.praxis-update.com

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