Neuro-psychiatrische Krankheiten

Religion macht nicht per se glücklich

Nur in religiösen Ländern geht es gläubigen Menschen psychisch besser als nichtgläubigen - weil sie mehr Ansehen genießen.

Veröffentlicht: 11.10.2011, 13:13 Uhr

BERLIN (eb). In Ländern, in denen religiöser Glaube weniger zur gesellschaftlichen Norm gehört, unterscheiden sich Gläubige und Nichtgläubige in Wohlbefinden und Selbstwerterleben nicht, berichten Psychologen der Humboldt-Universität zu Berlin, der University of Southampton und der Online-Partnervermittlung eDarling.

Jahrzehntelang bestand Konsens, dass sich Religiosität per se positiv auf Psyche und Gesundheit, ja sogar auf die Lebenserwartung auswirkt. Doch die Auswertung anonymisierter Daten von über 200.000 Mitgliedern der Partnervermittlung eDarling aus elf europäischen Ländern ergab ein anderes Bild.

Die Fragestellung: Gibt es einen generellen Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit? Oder geht es religiösen Menschen nur in Kulturen besser, wo Religiosität gesellschaftlich verbreitet und als gut und erstrebenswert angesehen wird?

Klares Ergebnis: Gläubige fühlen sich besser als Nichtgläubige in Ländern, in denen Religiosität verbreitet und gesellschaftlich angesehen ist. Ihr psychisches Wohlbefinden ist besser, ihr Selbstwertgefühl stärker.

"Der positive Effekt des Glaubens entsteht möglichwerise durch die Wertschätzung"

Dies galt etwa für die Türkei, Polen und Russland. In Ländern, in denen Religiosität keine große Rolle spielt, wie Schweden, Deutschland und Frankreich, unterscheiden sich die Gläubigen nur sehr wenig von den Nichtgläubigen.

"Möglicherweise entsteht der positive Effekt des Glaubens auf unsere Gesundheit durch die Wertschätzung, die man als religiöser Mensch von seiner sozialen Umwelt erfährt. Eine hohe Wertschätzung von den Mitmenschen fördert das psychische Wohlergehen. Dieser Effekt bleibt natürlich aus, wenn Religiosität in der jeweiligen Gesellschaft keine besondere Bedeutung hat", wird Studienautor Dr. Jochen Gebauer in einer Mitteilung der Uni Berlin zitiert.

Die Studie wurde von "Psychological Science" zur Veröffentlichung akzeptiert.

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