Genetische Anpassungsmechanismen

Resistente TB-Erreger breiten sich in Asien aus

Wie rasant Tuberkulose-Bakterien in der Ära der Antibiotika in Zentralasien Resistenzen erworben haben, haben Forscher untersucht. Besorgniserregend ist für die Wissenschaftler, dass sich diese multiresistenten Bakterien über weite Teile Zentralasiens, Ost- und Mitteleuropa ausbreiten.

Veröffentlicht:
Elektronenmikroskopische Aufnahme des Tuberkulose-Erregers Mycobacterium tuberculosis.

Elektronenmikroskopische Aufnahme des Tuberkulose-Erregers Mycobacterium tuberculosis.

© RKI / Gudrun Holland / dpa

BORSTEL. Wie schnell sich Tuberkulose-Bakterien in Zentralasien in den letzten 30 Jahren an unterschiedliche Antibiotika angepasst haben, haben Forscher unter Leitung des Forschungszentrums Borstel und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung herausgefunden. Sie verfolgten, wie TB-Erreger in dieser Zeit insgesamt acht verschiedene Antibiotikaresistenzen erwarben (eLife 2018; 7:e38200).

Für ihre Studie analysierte das Team um Professor Matthias Merker und Professor Stefan Niemann einen Ausbruch von multiresistenten TB-Bakterien (MDR-TB) in Usbekistan. Zwischen 2001 und 2014 ist der Anteil der TB-Patienten, die mit MDR-TB infiziert sind, an der Gesamtheit der TB-Patienten von 13 auf 23 Prozent gestiegen.

„Die ersten multiresistenten TB-Bakterien in Zentralasien entstanden wahrscheinlich bereits zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion und wurden durch unwirksame Therapien, Eigenbehandlung und mangelhafte Diagnostik selektioniert“, berichtet das Forschungszentrum Borstel in einer Mitteilung. Zudem sei man davon ausgegangen, dass multiresistente Stämme in ihrem bakteriellen Wachstum stark eingeschränkt sind und nur selten von Patient zu Patient übertragen werden können.

Genetische Anpassungsmechanismen hätten dann zu weiteren Resistenzen geführt, die heute auch modernste Therapien an ihre Grenzen bringen. Weltweit gesehen sind heute MDR-TB besonders häufig bei Patienten aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion: Fast jeder fünfte Patient aus diesen Ländern war 2017 mit diesen Erregern infiziert, wie das Robert Koch-Institut kürzlich gemeldet hat (wir berichteten).

„Bei den heutigen multiresistenten Ausbrüchen finden wir immer häufiger sogenannte kompensatorische Mutationen, die das Wachstumsdefizit der MDR-TB ausgleichen“, berichtet Studienautor Merker. Dies könnte wiederum zu einer erhöhten Übertragungsrate führen und dann zu weiteren Resistenzen.

Der Selektionsdruck durch die eingesetzten Medikamente und die schnelle Anpassung der TB-Bakterien brachte in Zentralasien einen besonders resistenten TB-Stamm hervor, den CAO-Stamm (Central Asian outbreak). Nahverwandte Vertreter wurden auch in Russland und bei deutschen Patienten identifiziert, so das Forschungszentrum.

Besonders besorgniserregend seien die hohen Resistenzraten und die Verbreitung dieser Bakterien über weite Teile Zentralasiens, Ost- und Mitteleuropa. Dies gefährde den Erfolg neuer Medikamente und moderner Kombinationstherapien. „Um dieser Entwicklung vorzubeugen, bedarf es einer schnellen und weit verfügbaren Diagnostik, welche eine individualisierte Therapie für jeden Patienten mit einer multiresistenten Tuberkulose ermöglicht“, bemerkt Studienautor Niemann. (eb/bae)

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