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Kommentar zur Heimdialyse

Richtige Forderungen zur richtigen Zeit

Wegen flächendeckender Dialysezentren in Deutschland gibt es wenig Interesse an Heimdialyse. Das hat aber auch Nachteile.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

Man kann es drehen und wenden wie man will: Dass in Deutschland die Heimdialyse ein Mauerblümchen-Dasein führt, liegt daran, dass sie für die dialysierenden Einrichtungen nicht attraktiv genug ist. Gleichzeitig ist der Druck von Patientenseite, die Heimdialyse auszuweiten eher gering.

Das wiederum hat unter anderem mit der hohen Dichte an dialysierenden Einrichtungen hierzulande zu tun: Die dreimal wöchentliche „Reise“ zur Dialyse ist für die Mehrheit der Betroffenen (glücklicherweise) vergleichsweise unaufwändig.

Alles gut also? Wer Heimdialyse unbedingt will, bekommt sie, alle anderen kommen halt in die Praxis? Das kann man so sehen, allerdings hat spätestens die COVID-19-Pandemie gezeigt, dass der deutsche Weg auch Nachteile hat. COVID-19-Ausbrüche in Dialysepraxen waren vor allem zu Beginn der Pandemie keine Seltenheit.

10-Punkte-Plan sollte politisch ernstgenommen werden

Nephrologinnen und Nephrologen waren überdurchschnittlich häufig selbst infiziert. Der Gedanke liegt zumindest nahe, dass mehr Heimdialyse hier vorteilhaft gewesen wäre. Vernünftige Zahlen dazu gibt es nicht, wir sind ja in Deutschland. Aber wer sich unter Nephrologen umhört, kann keinen Zweifel daran haben, dass da einiges besser hätte laufen können.

Für den 10-Punkte-Plan der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie ist es so gesehen Zeit. Er sollte politisch ernstgenommen werden. Die Kammern müssen an die Weiterbildung ran. Die Telemedizin, die bei der Dialyse seit 20 Jahren vor sich hin „projektelt“, muss endlich (ein) Standard werden.

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Die Vergütung der Heimdialyse muss so gestaltet sein, dass es keine finanziellen Anreize in der einen oder anderen Richtung gibt, und die Patientinnen und Patienten müssen so informiert werden, dass sie eine wirkliche Wahl treffen können. „Bauchfelldialyse gibt es übrigens auch noch, aber kommen Sie mal lieber vorbei“ – das ist nicht mehr zeitgemäß.

Und apropos Modernisierung: Es gibt auch nephrologieintern noch Optimierungsbedarf. Die Nephrologie gehört zu den wenigen Fächern, bei denen keine einzige Frau auf einer W3-Professur ist. Das hat jetzt nichts mit Heimdialyse zu tun. Aber es könnte bei der Gelegenheit auch gleich mal in Angriff genommen werden.

Schreiben Sie dem Autor: med@springer.com

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