Direkt zum Inhaltsbereich

Pneumonie

Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden

Kurzfristig steigt vor allem bei Atemwegs-Infektionen die Gefahr für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Doch wie entwickelt sich das Risiko der Betroffenen langfristig? Ein US-Forscherteam hat das nun bei Pneumonie untersucht.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht:
Keine Frage: Bei einer Pneumonie leidet auch das Herzkreislauf-System.

Keine Frage: Bei einer Pneumonie leidet auch das Herzkreislauf-System.

© psdesign1 / fotolia.com

PITTSBURGH. Eine Lungenentzündung birgt ein ähnlich hohes kardiovaskuläres Risiko wie Diabetes, Rauchen und Bluthochdruck — und das sogar noch Jahre nach der Infektion.

Zu dieser Schlussfolgerung kommt eine Arbeitsgruppe um Dr. Vincente F. Corrales-Medina von der Universität in Pittsburgh. Die Forscher haben in einer Studie untersucht, wie sich das kardiovaskuläre Risiko von Patienten, die wegen einer Pneumonie in eine Klinik eingewiesen worden waren, im Laufe der Zeit verändert (JAMA 2015; 313: 264-274).

Adjustiert hatten die Wissenschaftler dabei auf demografische Aspekte, kardiovaskuläre Risikofaktoren, subklinische kardiovaskuläre Ereignisse, Begleiterkrankungen und den allgemeinen Gesundheitszustand.

Hohes Risiko direkt nach Infektion

Zwei populationsbasierte Studien — die "Cardiovascular Health Study" (CHS) und die "Atherosclerosis Risk in Communities Study" (ARIC) — zogen die Wissenschaftler für ihre Analyse heran.

In der CHS-Population fand sich bei 591 der 5888 über 65-jährigen Studienteilnehmer eine Pneumonie, in ARIC waren es 680 Fälle bei 15.792 Personen im Alter zwischen 45 und 64 Jahren. Das kardiovaskuläre Risiko wurde daraufhin über zehn Jahre zu verschiedenen Zeitpunkten erfasst.

Risiko bleibt über Jahre erhalten

Dabei zeigte sich, dass das Risiko, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine tödliche koronare Herzerkrankung zu erleiden, innerhalb der ersten 30 Tage nach Klinikeinweisung zwar am höchsten ist, nämlich bei älteren Personen etwa viermal höher als bei gematchten Kontrollen (adjustierte Hazard Ratio, HR=4,07 in CHS) und bei jüngeren etwas mehr als doppelt so hoch (HR=2,39 in ARIC).

Doch blieb die Gefährdung auch in den folgenden Jahren bestehen: So war das Risiko für die CHS-Population nach 90 Tagen noch immer um fast das Dreifache erhöht (adjustierte HR: 2,94) und immerhin noch um das 1,86-Fache nach neun bis zehn Jahren.

In der ARIC-Population war die Hazard Ratio nach zwei Jahren zwar ebenfalls weiter erhöht, statistisch war dieses Ergebnis ab diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr signifikant.

Diese Daten anschaulich dargestellt: Für eine 72-jährige Frau, die raucht und einen Bluthochdruck hat, würde das Risiko, in den nächsten zehn Jahren ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, von 31 auf 90 Prozent ansteigen, wenn sie an einer Lungenentzündung erkranke.

Ihr Risiko wäre dann sogar nahezu doppelt so hoch wie das eines 77-jährigen Mannes, der mehreren Risikofaktoren aufweist, einschließlich eines Hypertonus, Rauchen, erhöhter LDL-Werte, eines hohen BMI und einer chronischen Nierenerkrankung.

Dass Infektionen vor allem des Respirationstraktes die Wahrscheinlichkeit für ein kardiovaskuläres Ereignis kurzzeitig erhöhen, ist bereits gut belegt. Über das langfristige Risiko für die Betroffenen existierten bisher allerdings widersprüchliche Ergebnisse.

Risiko ähnlich wie bei Diabetes

Die neuen Ergebnisse verdeutlichten nun, dass eine Hospitalisierung aufgrund einer Pneumonie mit einem deutlich erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert sei — sowohl kurz — als auch langfristig, schreiben die Studienautoren.

Das Ausmaß des Risikos sei vergleichbar oder sogar höher als das anderer traditioneller Risikofaktoren wie Diabetes, Rauchen und Bluthochdruck.

Die Pneumonie lässt sich also möglicherweise in die Reihe der kardiovaskulären Risikofaktoren einordnen; zumindest deuteten diese Befunde darauf hin, so die Studienautoren.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel

Lithiumtherapie aktiviert WNT-Signalweg

Regeneration der COPD-Lunge: Was ist da möglich?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praxisinventar

So lassen sich Praxen ihre Therapieliege fördern

Oft langer Weg bis zur Diagnose

Wie Sie Patienten mit seltenen Erkrankungen früher erkennen

Lesetipps
Ein Hautarzt untersucht die Haut mit einem Dermatoskop auf Melanom.

© Iryna&Maya / stock.adobe.com

Vergleich mit anderen Ländern

Hautkrebs-Screening in Deutschland laut Studie ohne klaren Nutzen

Eine ältere Person hält drei Blisterstreifen mit Tabletten zwischen beiden Händen.

© wernerimages / stock.adobe.com

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?