Erfolg mit Januskinasehemmer

Ruxolitinib-Creme verbessert Pigmentierung bei Vitiligo

In einer Phase-II-Studie gelang mit der zweimal täglichen Anwendung einer 1,5-prozentigen Ruxolitinib-Creme bei fast der Hälfte der Probandinnen und Probanden die Repigmentierung von Vitiligoläsionen. Nun wurden Wirksamkeit und Sicherheit des Januskinasehemmers in zwei Phase-III-Studien evaluiert.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Die Pigmentstörungen bei Vitiligo sind an sich kein gesundheitliches Problem, viele Betroffene leiden aber sehr darunter.

Die Pigmentstörungen bei Vitiligo sind an sich kein gesundheitliches Problem, viele Betroffene leiden aber sehr darunter.

© oneinchpunch / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie wirksam und sicher ist die Vitiligotherapie mit einer 1,5-prozentigen Ruxolitinib-Creme?

Antwort: In zwei randomisierten, Vehikel-kontrollierten Studien (TRuE-V1, TRuE-V2) hatte sich jeweils bei gut 30 Prozent der Patientinnen und Patienten nach 24 Wochen lokaler Therapie mit dem Januskinasehemmer der Facial Vitiligo Area Scoring Index um mindestens 75 Prozent verbessert, in den Kontrollgruppen, in denen nur die Salbengrundlage aufgetragen wurde, nur bei 7 und 11 Prozent. Nebenwirkungen traten bei 55 und 62 Prozent auf.

Bedeutung: Mit der 1,5-prozentigen Ruxolitinib-Creme lässt sich eine für die Betroffenen bedeutsame Verbesserung des Hautbildes erreichen.

Einschränkung: Der überwiegende Teil der Patientinnen und Patienten wies einen hellen Hauttyp (I, II oder III) auf. Mit 52 Wochen war der Beobachtungszeitraum kurz.

Sydney. Die weißen Hautstellen bei Vitiligo sind an sich kein gesundheitliches Problem. Viele Betroffene leiden aber darunter; vor allem, wenn sich die Flecken − für jedermann sichtbar − im Gesicht oder an den Händen ausbreiten. Die verfügbaren Therapieoptionen zielen auf die Repigmentierung ab. Das gilt auch für die topische Therapie mit dem Januskinasehemmer Ruxolitinib, dessen Wirksamkeit und Sicherheit nach ersten vielversprechenden Ergebnissen einer Phase-II-Studie nun in den beiden doppelblinden Vehikel-kontrollierten Phase-III-Studien, TRuE-V(Topical Ruloxinib Evaluation in Vitiligo Study) 1 und 2, überprüft worden sind. (N Engl J Med 2022;387(16):1445-55)

Untersucht wurden 674 Patientinnen und Patienten, 330 in TRuE-V1 und 344 in TRuE-V2. Teilnehmen konnte, wer mindestens zwölf Jahre alt war und eine nicht-segmentale Vitiligo aufwies, wobei die Depigmentierung maximal 10 Prozent der Körperoberfläche betreffen durfte. Die Randomisierung erfolgte im Verhältnis 2:1. In der ersten Gruppe wurde über 24 Wochen zweimal täglich eine 1,5-prozentige Ruxolitinib-Creme auf alle Läsionen im Gesicht und am Körper aufgetragen, in der zweiten Gruppe zweimal täglich die wirkstofffreie Salbengrundlage.

Nach Ablauf von 24 Wochen stand es allen Teilnehmenden frei, für weitere 28 Wochen die Ruxolitinib-Creme zu nutzen. Primärer Endpunkt war die Verbesserung des „Facial Vitiligo Area Scoring Index“ um mindestens 75 Prozent im Vergleich zur Ausgangssituation (F-VASI75) nach 24 Wochen Therapie.

Zu den wichtigen sekundären Endpunkten gehörten der Anteil der Männer und Frauen, die in Woche 24 einen F-VASI50, F-VASI90 und T-VASI50 erreicht hatten und in Woche 52 einen F-VASI75, F-VASI90, T-VASI50 und T-VASI75. Außerdem wurde erhoben, wie viele Probandinnen und Probanden in Woche 24 einen Wert der „Vitiligo Noticeability Scale“ (VNS) von 4 (viel weniger auffällig) oder 5 (nicht mehr auffällig) hatten.

Überlegenheit der Ruxolitinib-Creme bestätigt

Beide Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen. In TRuE-V1 hatte sich bei rund 30 Prozent der Patientinnen und Patienten der Verum-Gruppe der F-VASI um mindesten 75 Prozent verbessert, in der Kontrollgruppe nur bei 7 Prozent. In TRuE-V2 lagen die Anteile bei 31 Prozent und 11 Prozent. Auch bei den wichtigen sekundären Endpunkten bestätigte sich die Überlegenheit der Ruxolitinib-Creme im Vergleich zur Salbengrundlage.

Bei einer Anwendung über 52 Wochen waren 55 Prozent (TRuE-V1) und 62 Prozent (TRuE-V2) der Teilnehmenden von Nebenwirkungen betroffen. Am häufigsten beobachtet wurden Akne und Juckreiz an den behandelten Stellen sowie Nasopharyngitiden.

Es besteht weiter Forschungsbedarf

Die 1,5-prozentige Ruxolitinib-Creme habe über einen Zeitraum von 52 Wochen zu einer umfassenderen Repigmentierung geführt als die Salbengrundlage, so das Resümee der Studienautorinnen und -autoren. Die Nebenwirkungsraten waren mit 55 Prozent und 62 Prozent relativ hoch.

Aus Sicht der Forschenden weist das patientenbezogene Outcome auf eine für die Betroffenen bedeutsame Verbesserung hin, auch wenn sich die Lebensqualität der beiden Gruppen nicht signifikant unterschied. Wirksamkeit und Risiken der Ruxolitinib-Creme müssten nun in größer angelegten Langzeitstudien ermittelt werden, fordert das Studienteam. Die EMA erteilte der Ruxolitinib-Creme Opzelura™ im Herbst 2021 die Zulassung für die Therapie der nicht-segmentalen Vitiligo mit fazialer Beteiligung ab 12 Jahren.

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