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COVID-19

Kein SARS-CoV-2 im Sperma gefunden

In einer kleinen chinesischen Studie ist es nicht gelungen, den Erreger SARS-CoV-2 im Sperma geheilter Männer nachzuweisen. Offenbar findet das Virus in Hodenzellen keine geeigneten Andockstellen.

Von Robert Bublak Veröffentlicht:
Spermien: In Spermienflüssigkeit können bestimmte Viren nachgewiesen werden.

Spermien: In Spermienflüssigkeit können bestimmte Viren nachgewiesen werden.

© Martin Kreutz / panthermedia.net

Salt Lake City. SARS-CoV-2 scheint in der Spermienflüssigkeit nicht nachweisbar zu sein. Darauf deutet eine Studie von Urologen hin (Fertil Steril. 2020; online 17. April).

Beteiligt waren 34 Männer aus Wuhan, die sich in der Erholungsphase nach bestätigter COVID-19-Erkrankung befanden. 19 der Männer hatten klinische Symptome aufgewiesen, die auf eine Orchitis hindeuteten.

Viren können bekanntermaßen im Fall einer Infektion auch in der Samenflüssigkeit nachweisbar sein und eine Orchitis verursachen, darunter das Mumpsvirus, HIV, das Herpesvirus und die Erreger von Ebola und Zika.

Kein Nachweis per PCR

Ein von dem Urologen Dr. James Hotaling (University of Utah, Salt Lake City) geleitetes Ärzteteam hat die Ergebnisse der kleinen Querschnitterhebung nun vorgestellt. Demnach sei es nicht gelungen, in den Ejakulaten der Männer mithilfe von Echtzeit-PCR Nukleotidsequenzen von SARS-CoV-2 aufzuspüren. Das Sperma war median 31 Tage nach der COVID-19-Diagnose gewonnen worden.

Die Transkriptomanalyse einzelner testikulärer Zellen zeigte zudem nur eine geringe Expression von ACE2 und TMPRSS2 sowie so gut wie keine überlappende Expression der beiden Gene. Das membranständige Enzym ACE2 gilt als Mediator für das Eindringen von SARS-CoV-2 in die Zelle.

Dabei ist das virale Spike-Protein wichtig, das wiederum durch TMPRSS2 – eine transmembrane Serin-Proteinase – scharfgemacht wird. Dem Virus bliebe damit gewissermaßen der Zugang ins Innere der Zellen versperrt.

Ejakulate nicht aus Akutphase

Die Tragweite der Ergebnisse von den Forschern um Hotaling sollte nicht überbewertet werden. Bei den beteiligten Probanden ist von einem eher milden Verlauf von COVID-19 und einer vergleichsweise niedrigen Viruslast auszugehen. Die Ejakulate stammten zudem nicht aus der Akutphase der Erkrankung, im Schnitt wurden sie 29 bis 36 Tage nach der Diagnose abgegeben.

Ein Virusbefall des Spermas in der akuten COVID-19-Phase lässt sich daher ebenso wenig ausschließen wie eine Orchitis. Welche längerfristigen Folgen eine SARS-CoV-2-Infektion für die Reproduktionsfunktion von Männern hat, muss daher einstweilen offenbleiben.

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Kommentare
Robert Eibl 20.05.202010:01 Uhr

Aktuell gibt es nun doch in einer anderen Studie einen PCR-Nachweis von Genmaterial des Sars-CoV-2 im Ejakulat:
https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2765654

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