Schilddrüsen-Erkrankungen

Schilddrüse: Labortest ersetzt nicht die Tastuntersuchung

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Am Montag (23. April) startet die Schilddrüsenwoche 2012. In vielen Praxen werden dann Tastuntersuchungen des Organs angeboten. Sie sind wichtiger Bestandteil in der Schilddrüsendiagnostik.

Von Ingeborg Bördlein

Bei der Tastuntersuchung der Schilddrüse steht der Arzt am besten hinter dem Patienten und tastet die Halsregion mit den Fingerkuppen ab.

Bei der Tastuntersuchung der Schilddrüse steht der Arzt am besten hinter dem Patienten und tastet die Halsregion mit den Fingerkuppen ab.

© Klaro

BIELEFELD. Die Tastuntersuchung der Schilddrüse sollte nicht vernachlässigt werden, rät der Endokrinologe Privatdozent Dr. Joachim Feldkamp aus Bielefeld seinen hausärztlichen Kollegen.

Häufig werde sie aus Zeitmangel unterlassen, dadurch würden auffällige Befunde übersehen.

Auf Schilddrüsenveränderungen sollte besonders bei Frauen ab 40 Jahren geachtet werden, auch in der Anamnese sollte die Frage nach Schilddrüsenkrankheiten nicht fehlen.

Geografische Unterschiede nicht mehr vorhanden

War früher eher der Süden Deutschlands die "Kropfgegend", gibt es durch die Jodversorgung heute keine geografischen Unterschiede mehr. Die Häufigkeit von Schilddrüsenvergrößerungen sei von München bis Flensburg etwa gleich, wobei heute eine Tendenz zu größeren Volumina im Osten festzustellen sei, sagte Feldkamp im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Auch dann, wenn vom Aspekt her keine Vergrößerung zu vermuten sei, sollte abgetastet werden. Der Hals sei ein "weiches Organ" und die Schilddrüsen könnten auch nach innen wachsen, erklärte der Endokrinologe.

Sein Plädoyer: "Auch wenn man nichts sieht, immer abtasten!" Eine Laborbestimmung ersetze keine Tastuntersuchung. Es gebe Patienten mit völlig normalen Laborparametern (TSH, freies T3, freies T4), die dennoch Vergrößerungen beziehungsweise knotige Veränderungen aufwiesen.

Wie wird untersucht? Am besten steht der Arzt hinter dem Patienten und tastet die Halsregion mit den Fingerkuppen ab. Dabei verhindert er mit dem Daumen im Nacken des Patienten ein Zurückweichen.

Der Patient sollte den Kopf ein wenig in den Nacken legen, dass der Hals gut gestreckt und die Schilddrüse besser tastbar ist.

Einfach sei es nicht, knotige Veränderungen in der Schilddrüse zu tasten, so Feldkamp, besonders dann, wenn diese nicht stark vergrößert sei. Auch hier mache Übung den Meister: "Je häufiger man die Tastuntersuchung macht, desto besser beherrscht man sie", sagte Feldkamp.

Technik bei erfahrenem Endokrinologen auffrischen

Ein spezielles Zertifikat für die Untersuchungsqualität gebe es nicht. Normalerweise sollte man die Untersuchungstechnik während des Studiums lernen, man könne die Technik auch bei einem erfahrenen Endokrinologen wieder auffrischen.

In jedem Fall sollte die Tastuntersuchung der Schilddrüse fester Bestandteil der hausärztlichen Kontrolluntersuchung sein. Außerdem sollte auf weitere Anzeichen einer Schilddrüsenfunktionsstörung wie eine warme, feuchte und schwitzige Haut geachtet werden.

Natürlich sei der Ultraschall die überlegene Methode, aber nicht jeder Allgemeinarzt verfüge über ein Sonografiegerät. Taste er Veränderungen, sollte er eine weitere endokrinologische Abklärung veranlassen.

Für Patienten gibt es während der Aktionswoche eine Info-Hotline: 069 / 63 80 37 27 (immer von 17 bis 19 Uhr). Fachkreise finden Infos unter: www.infoline-schilddruese.de

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