Schmerzen

Schmerz-Diagnostik bei Demenz auf Umwegen

FRANKFURT AM MAIN (mar). Alte Patienten mit fortgeschrittener Demenz und Schmerzen erhalten weniger Analgetika als nicht-demente. Ursache dafür ist, daß viele Patienten aufgrund der kognitiven Einbußen nicht mehr sagen können, daß sie Schmerzen haben. Bei diesen Patienten muß daher besonders auf indirekte Zeichen von Schmerzen geachtet werden.

Veröffentlicht: 05.04.2006, 08:03 Uhr

"Demenz ist kein Analgetikum!", betonte Dr. Not-Rupprecht Siegel beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt am Main. Rückschlüsse auf Schmerzen lassen sich aus dem veränderten Verhalten der Patienten ziehen. So können gequälte Lautäußerungen, Stöhnen, Weinen oder Schreien ebenso wie der Gesichtsaudruck Hinweise auf Schmerzen sein.

Auch Schonhaltungen, Unruhe, ängstliche Abwehr bei der Pflege, mangelnder Appetit oder Schlafstörungen sind außer den vegetativen Zeichen für Schmerzen wie Tachykardie, flache Atmung, Blässe, Schweiß und gesteigerter Muskeltonus wichtige Indizien, erinnerte Siegel, der an der Geriatrischen Fachklinik in Neuburg / Donau tätig ist.

Da die gewohnten Verfahren zur Erfassung von Schmerzen wie strukturiertes Schmerzinterview oder Schmerzskalen für die Schmerzdiagnostik bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz nicht brauchbar sind, kommt es auf eine gute Beobachtung durch die Pflegenden und die Angehörigen an, wie Siegel bei einem von Grünenthal unterstützten Symposium erläutert hat.

Für eine strukturierte Beobachtung seien Fremdbeurteilungsskalen wie der DoloPlus® oder die ECPA (Echelle comportementale d'évaluation de la douleur pour la personne agée / Verhaltens-Skala zur Evaluation der Schmerzen beim alten Menschen) geeignet.

So werden zum Beispiel mit der ECPA-Skala elf Parameter erfaßt, die auf Beobachtungen während und außerhalb der Pflege beruhen. Das sind etwa verbale Äußerungen von Schmerz, Schonhaltung, sowie Auswirkungen auf Schlaf, Kommunikationsfähigkeit und Motorik. Pro Parameter gibt es 0 (kein Schmerz) bis 4 Punkte (stärkste Schmerzen).

Fremdbeurteilungsskalen sollten regelmäßig angewandt werden, um Schmerzen früh zu erkennen, so Siegel. Zudem seien sie auch zur Verlaufskontrolle nach begonnener Schmerztherapie geeignet. Bei der medikamentösen Schmerztherapie sollte bei diesen Patienten nach dem Motto "start low, gow slow" vorgegangen werden.

Entscheidet man sich etwa für die Therapie mit transdermalem Buprenorphin (Transtec®), sollte mit dem niedrig dosierten Pflaster begonnen werden. Sei eine noch geringere Dosierung erwünscht, könne das Pflaster auch geteilt werden, so Siegel.

ECPA im web: www.tabuthema-sterben.de unter Palliative Geriatrie, Schmerzerfassung und Behandlung

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